Schwellenländer-Aktien: Lohnt sich der Sprung auf den fahrenden Zug?

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Schwellenländer-Aktien laufen dieses Jahr deutlich besser als globale oder gar Schweizer Aktien. Doch der Einstieg birgt auch Risiken.

Publiziert 3. Jun 2026

Autor

Robert Leitner

Funktion Anlageexperte

Beschreibung

Schwellenländer-Aktien gehören 2026 bisher zu den grossen Gewinnern an den globalen Finanzmärkten. In Franken gerechnet legte der MSCI Emerging Markets über 25 Prozent zu – deutlich mehr als der MSCI World mit rund 10 Prozent, der ausschliesslich in Industrieländer investiert. Doch wer daraus schliesst, dass Schwellenländer eine ideale Ergänzung zum globalen Aktienportfolio darstellen, sollte genauer hinsehen. Denn die starke Performance ist weniger breit abgestützt, als es der Indexname vermuten lässt.

Gewinnsprünge sind Treiber – aber nicht überall 

Gemäss LSEG (London Stock Exchange Group) und Ed Yardeni Research wird erwartet, dass die Gewinne des MSCI Emerging Markets im laufenden Jahr um 55,8 Prozent steigen werden. Auch für 2027 liegen die Prognosen mit 19,8 Prozent klar über dem langjährigen Durchschnitt. Auf den ersten Blick wirkt das wie ein überzeugendes Argument für eine höhere Gewichtung von Schwellenländern. Ein Blick auf die einzelnen Länder zeigt jedoch ein deutlich differenzierteres Bild. 

China hinkt hinterher 

China, lange Zeit das Schwergewicht im Index, bleibt weit hinter den Erwartungen zurück. Für 2026 wird lediglich ein Gewinnwachstum von 14,2 Prozent prognostiziert. Gleichzeitig hat die schwache Kursentwicklung dazu geführt, dass China Anfang des Jahres von Taiwan als gewichtigste Region im Index abgelöst wurde. Die Dynamik bei Schwellenländern kommt fast ausschliesslich aus zwei Ländern: In Südkorea wird ein Gewinnwachstum von 264,6 Prozent erwartet und in Taiwan 38,4 Prozent. Beide Länder profitieren stark vom globalen Halbleiterboom. 

Die Konzentration nimmt zu – im Index und innerhalb der Länder 

Noch deutlicher wird die Abhängigkeit, wenn man die Indexzusammensetzung betrachtet. In Südkorea entfallen rund 55 Prozent der Marktkapitalisierung auf Samsung Electronics und SK Hynix. In Taiwan dominiert TSMC mit einer Gewichtung von rund 57 Prozent. Unter den zehn grössten Unternehmen im MSCI Emerging Markets stammen mittlerweile sechs aus der Halbleiter- oder Hardware-Branche, welche zusammen ein Drittel des Gewichts im Index stellen: 

Damit wird klar: Der MSCI Emerging Markets ist heute weniger ein breit diversifizierter Schwellenländerindex, sondern zunehmend ein Halbleiter- und Tech-Index. 

Globale Abhängigkeiten statt Schwellenländer-Exposure 

Die grossen ost-asiatischen Halbleiterhersteller exportieren ihre Produkte nicht primär in Schwellenländer, sondern nach Europa und in die USA. Damit verschiebt sich die wirtschaftliche Abhängigkeit des Index weg von den lokalen Volkswirtschaften der Schwellenländer – hin zum globalen KI-Boom. Gleichzeitig steigt auch im MSCI World die Gewichtung der Halbleiterbranche. Unternehmen wie Nvidia, Intel, AMD oder Micron prägen dort die Entwicklung. Damit dürften sich auch die Wertentwicklung der beiden Indizes annähern. 

Fazit 

Der Strukturwandel des MSCI Emerging Markets bringt damit neue Eigenschaften mit sich: 

  • starke Abhängigkeit von wenigen Ländern 
  • hohe Konzentration auf einzelne Unternehmen 
  • zunehmende Korrelation mit globalen Technologietrends 

Für Anlegerinnen und Anleger bedeutet das: Emerging Markets sind heute weniger ein geografisches Diversifikationsinstrument, sondern eher ein thematisches Investment in den globalen Halbleiterzyklus.

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