Schweizer Aktien im Sicherheitscheck: Das sind die Favoriten

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Was macht eine Aktie wirklich "sicher" – und welche Schweizer Titel kommen diesem Ideal am nächsten? Drei Risikomasse liefern überraschende Einblicke.

Publiziert 8. Mai 2026

Autor

Jonas Wieckert

Funktion Anlageexperte

Beschreibung

Grundsätzlich gilt: Jede Investition ist mit Risiken verbunden, und Aktien zählen zu den risikoreicheren Anlageklassen. Gleichzeitig bieten sie langfristig das höchste Renditepotenzial unter den klassischen Anlagen und bleiben deshalb ein zentraler Bestandteil der meisten Portfolios. Bei den Aktien gibt es auch deutliche Unterschiede. In diesem Artikel werden die sichersten Schweizer Aktien gemäss drei verbreiteter Risikomasse analysiert.

Allgemein gelten Unternehmen aus Sektoren mit geringer Konjunkturabhängigkeit als vergleichsweise sicher. Dazu zählen insbesondere Konsumgüter, Gesundheit und Versicherungen. Diese defensiven Branchen sind auch im Schweizer Aktienmarkt stark vertreten und zeichnen sich durch stetige Nachfrage und stabile Erträge aus, unabhängig davon, ob die Wirtschaft gerade wächst oder schwächelt.

Wie messen Investoren Risiken?

Neben der Branchenzugehörigkeit spielen aber auch spezifische Risikokennzahlen eine zentrale Rolle bei der Risikoeinschätzung. Drei solcher Kennziffern werden in dieser Analyse aufgezeigt und auf Schweizer Aktienunternehmen angewendet.

Ein häufig betrachtetes Risikomass ist die Stabilität eines Unternehmens, etwa gemessen an der Verlässlichkeit seiner Dividendenzahlungen. Ein ebenfalls häufig betrachtetes Risikomass ist die Schwankungsanfälligkeit eines Titels relativ zum Gesamtmarkt. Diese wird als das Marktrisiko oder auch als das «Beta» bezeichnet.

Zunehmend berücksichtigen Investoren auch Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungsrisiken. Diese ESG (aus dem englischen Environment, Social und Governance)-Risiken lassen sich über ESG-Ratings erfassen und liefern zusätzliche Hinweise auf langfristige Risiken.

Erste Kennziffer: Hohe Qualität als Zeichen hoher Sicherheit

Ein bewährter Indikator für Qualität und Stabilität ist die Dividendenhistorie. Unternehmen, die ihre Dividenden über viele Jahre hinweg kontinuierlich erhöhen, signalisieren robuste Geschäftsmodelle, verlässliche Cashflows und finanzielle Disziplin. Die Fähigkeit, auch in schwierigeren Marktphasen stabile oder steigende Ausschüttungen zu finanzieren, gilt als starkes Zeichen geringer Risiken. Für Anleger steht diese Kontinuität weniger für kurzfristige Kursfantasien als für langfristige Sicherheit und Planbarkeit.

Die Schweizer Aktien mit der besten Dividendenhistorie sind Novartis, Roche, Nestlé, Givaudan und Lindt & Sprüngli.
 

Zweite Kennziffer: Tiefes Beta bedeutet historisch geringeres Marktrisiko

Während die Volatilität die absolute Schwankungsbreite einer Aktie misst, setzt das Beta das Risiko eines Titels ins Verhältnis zum Gesamtmarkt. Ein Beta von 1 bedeutet, dass sich eine Aktie historisch betrachtet im Gleichschritt mit dem Markt bewegt hat. Werte unter 1 deuten darauf hin, dass der Kurs weniger stark auf Marktbewegungen reagiert, ein typisches Merkmal defensiver Aktien. Für Anleger, die ihr Portfolio stabilisieren wollen, ist das Beta deshalb eine zentrale Kennzahl.

Aevis, die Graubündner Kantonalbank, Romandie Energie, Bell Food Group und die Swisscom sind 5 grössere Schweizer Unternehmen mit einem tiefen Beta.
 

Dritte Kennziffer: Hohe ESG-Ratings signalisieren tiefere ESG-Risiken

Auch Risikomasse ausserhalb der klassischen Finanzrisiken gewinnen an Bedeutung. ESG-Ratings bewerten Unternehmen anhand von Umwelt-, Gesellschaft- und Unternehmensführungs-Kriterien. Firmen mit einer hohen ESG-Bewertung gelten häufig als besser geführt, regulatorisch robuster, weniger anfällig für Reputationsschäden und langfristig widerstandsfähiger. Zwar ersetzen ESG-Ratings klassische Finanzkennzahlen nicht, sie ergänzen diese jedoch um eine wichtige zukunftsorientierte Perspektive.

Unterschiedliche ESG-Ratingagenturen kommen bei ihrer Einschätzung der ESG-Risiken jedoch zu unterschiedlichen Resultaten. Aus diesem Grund kombinieren wir die Einschätzungen mehrerer renommierter ESG-Ratingagenturen, welche finanzielle Risiken und Chancen im Bereich ESG bewerten. Gemäss dieser Einschätzung schneiden Swiss Prime Site, Cembra Money Bank, Tenemos, Novartis und Logitech am besten ab.
 

Risikokennzahlen können helfen, hat aber auch Grenzen

So hilfreich Risikokennzahlen auch sind, absolute Sicherheit gibt es an der Börse nicht. Die Analyse zeigt, je nach verwendete, Risikomass gelten unterschiedliche Aktien als die «sichersten». Einzig Novartis ist zweimal unter den 5 Unternehmen vertreten. Dazu kommt, jeder Aktienkurs kann theoretisch bis auf Null fallen. Die Messgrössen dienen also lediglich als Orientierungshilfen. Umso wichtiger ist eine breite Diversifikation. Wer Risiken über verschiedene Titel, Branchen und Anlageklassen streut, reduziert die Abhängigkeit von einzelnen Faktoren, und erhöht damit die Stabilität des Gesamtportfolios. Bei der Selektion von Einzeltiteln sollten in jedem Fall unterschiedliche Risikomasse beigezogen werden.

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