Schoggi, Uhren, Gipfeli: Die Welt der Schweizer Sachdividenden

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In den letzten Wochen füllten Einladungen zu Generalversammlungen die Briefkästen in der Schweiz. Ein Besuch lohnt sich oft – nicht nur wegen des Apéros.

Publiziert vor 6 Stunden

Autor

Christian Huber

Funktion Anlageexperte

Beschreibung

Einige Schweizer Unternehmen bieten ihren Aktionärinnen und Aktionären mehr als eine klassische Dividende. An der Generalversammlung verteilen sie Geschenke oder Naturaldividenden. Diese Praxis ist allerdings selten geworden und existiert in ähnlicher Form nur noch in Japan. Während manche Firmen daran festhalten, haben andere sie abgeschafft oder durch Gutscheine ersetzt. Besonders verbreitet ist sie weiterhin bei kleineren Unternehmen.

Schoggikoffer – Der Goldstandard

Das bekannteste Beispiel liefert Lindt & Sprüngli, auch über die Landesgrenzen hinaus. Wer eine Namensaktie besitzt und an der Generalversammlung teilnimmt, erhält neben einer Barausschüttung von 1'800 Franken für das abgelaufene Geschäftsjahr auch einen Koffer voller Schokolade. Der Zugang bleibt jedoch exklusiv, da eine Aktie zuletzt über 100'000 Franken kostete.

Auch Swatch setzt auf ein Geschenk. Aktionärinnen und Aktionäre erhalten bei der Teilnahme an der Generalversammlung eine Aktionärsuhr. Eine Geste, die sehr beliebt ist. Lange erfreuten sich auch Investoren bei Calida über einen neuen Pyjama nach dem offiziellen Teil der Veranstaltung, heute gibt es stattdessen Rabatte und Gutscheine.

Tourismus und Konsumgüter

Vor allem kleinere Unternehmen pflegen solche Traditionen weiterhin. Oft handelt es sich dabei nicht um echte Naturaldividenden, sondern um Geschenke. Besonders häufig ist das bei Bergbahnen der Fall. Aktionärinnen und Aktionäre profitieren von vergünstigten Tageskarten oder Gutscheinen für Verpflegung. Bei der Titlisbahn etwa gibt es eine Tageskarte zu einem stark reduzierten Preis. In Adelboden-Lenk ist der Vorteil je nach der Anzahl der gehaltenen Aktien unterschiedlich. Ab 25 Aktien erhalten Teilnehmende neben einem Restaurant-Gutschein eine Tageskarte, die am Aktionärstag genutzt werden kann, der je einmal im Winter oder Sommer stattfindet.

Auch Lebensmittelhersteller wie Emmi und Bell verteilen Produkte oder Gutscheine. Barry Callebaut verteilt ebenfalls Schokolade, wenn auch weniger üppig als Lindt & Sprüngli. Glücklich schätzen kann sich zudem, wer eine der 3'000 verfügbaren Aktien von Caran d’Ache sein Eigen nennt. Der Genfer Hersteller von Stiften und Kugelschreibern verteilt an die an der GV anwesenden Personen Präsente in Form hochwertiger Schreibwaren aus der eigenen Produktion.

Emotionale Bindung statt finanzieller Vorteile

In den meisten der genannten Fälle handelt es sich um Liebhaberaktien. Der finanzielle Wert der Naturaldividenden oder Geschenke ist meist gering. Sie stärken vielmehr die emotionale Bindung zum Unternehmen. Viele Aktionärinnen und Aktionäre halten ihre Anteile genau aus diesem Grund über viele Jahre hinweg. Das Angebot bleibt deshalb oft knapp, wie das Beispiel von Caran d’Ache veranschaulicht.

Auch ohne Geschenke lohnt sich ein Besuch. Viele Unternehmen ergänzen den formellen Teil der Generalversammlung mit einem Rahmenprogramm. Kaffee, Gipfeli und ein anschliessender Apéro gehören häufig dazu. So bietet die Teilnahme neben Informationen auch einen sozialen und genussvollen Mehrwert.

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