VZ Analyse
Rüstungsaktien profitierten letztes Jahr von den geopolitischen Unsicherheiten. Auch dieses Jahr stehen die Vorzeichen gut, dass der Lauf weitergeht. Doch wie viel davon ist schon eingepreist?
Publiziert 30. Jan. 2026
Beschreibung
Europäische Rüstungsunternehmen erzielten 2025 aussergewöhnliche Kursgewinne. In Schweizer Franken gerechnet legten Titel wie Rheinmetall (+158%), Hensoldt (+118%) und Saab (+144%) dreistellig zu.
Dieser Trend setzt sich bislang auch dieses Jahr fort. Während die breiten Aktienmärkte zu Jahresbeginn verhaltener tendierten, bleiben Rüstungs- und Verteidigungswerte gefragt.
Treiber dieser Entwicklung ist vor allem der Ausblick auf die staatlichen Verteidigungsbudgets.
EU-Mitgliedstaaten geben mehr für Verteidigung aus
Die Militärausgaben steigen seit Jahren kontinuierlich, getrieben durch geopolitische Risiken und sicherheitspolitische Neuausrichtungen. Die Verteidigungsausgaben der EU-Mitgliedstaaten beliefen sich 2025 schätzungsweise auf 381 Milliarden Euro. Dies entspricht einem Anstieg von 11,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr und knapp 63 Prozent gegenüber dem Niveau von 2020.
Damit erhöht die EU ihre Verteidigungsausgaben auf 2,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und überschreitet die bisherige Zwei-Prozent-Richtgrösse erstmals seit Beginn der Datenerhebung.
Für dieses Jahr ist mit weiteren Erhöhungen zu rechnen. Nationalen Budgetplanungen zufolge beispielsweise soll das schwedische Verteidigungsbudget 2026 um rund 18 Prozent auf etwa 2,8 Prozent des BIP steigen. Auch die Schweiz verfolgt einen moderaten, aber klar aufwärtsgerichteten Ausgabenpfad: Bis 2032 sollen 1 Prozent des BIP für die Armee bereitgestellt werden, 2024 waren es noch 0,66 Prozent. Für diese Erhöhung fordert der Bundesrat eine Erhöhung der Mehrwertsteuer um 0,8 Prozentpunkte.
Bewertungen: Viel Wachstum bereits eingepreist
Die starke Performance der Rüstungsaktien spiegelt sich in hohen Bewertungskennzahlen. Europäische Rüstungsspezialisten werden weiterhin zu ambitionierten Multiplikatoren gehandelt.
Eine zentrale Kennzahl ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), das angibt, wie viele Jahre ein Anleger bei konstantem Gewinn benötigt, um den aktuellen Aktienkurs durch Unternehmensgewinne wieder einzuspielen.
Rheinmetall und Saab weisen ein KGV von über 80 auf, Elbit Systems liegt bei 71, während Hensoldt trotz kleinerer Marktkapitalisierung ebenfalls hoch bewertet ist. Zum Vergleich: Das durchschnittliche KGV europäischer Aktien liegt bei 18,6. Das zeigt, dass der Markt bei Rüstungsaktien ein anhaltend starkes Gewinnwachstum bereits eingepreist hat.
Im Vergleich erscheinen US-amerikanische Grosskonzerne trotz stabiler operativer Entwicklung deutlich moderater bewertet: RTX, Lockheed Martin, General Dynamics und Northrop Grumman weisen KGVs zwischen 24 und 31 auf.
Fazit
Die Aktienmärkte bestätigen den strukturellen Rückenwind für den Verteidigungssektor. Gleichzeitig zeigt der Vergleich: Rüstungsaktien unterscheiden sich stark in Bewertung und Risikoprofil. Europäische Branchenvertreter profitieren vom aktuellen Investitionszyklus, doch ein grosser Teil der optimistischen Wachstumserwartungen ist bereits in den Kursen enthalten. Dies führt zu hohen Bewertungen.
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