VZ Analyse
Viele Anlegerinnen und Anleger befürchten derzeit, dass die geopolitischen Spannungen und deutlich gestiegenen Ölpreise die globalen Aktienmärkte erschüttern könnten. Doch ist das wirklich so?
Publiziert 4. März 2026
Beschreibung
Ein Blick auf den Weltaktienindex MSCI World zeigt: Die Bedeutung der Energiepreise hat auf die im Index enthaltenen Aktien über die Jahre deutlich abgenommen.
Der MSCI World gilt als bekanntes Mass für das Wohlbefinden der globalen Aktienmärkte. Er bildet die Aktien grosser und mittelgrosser Unternehmen aus 23 entwickelten Volkswirtschaften ab und umfasst rund 1300 Einzeltitel aus allen Sektoren und Branchen. Aufgrund der Methodik, wie sich der Index zusammensetzt, befindet sich der MSCI World im ständigen Wandel.
20 Jahre Strukturwandel im MSCI World
Die vergangenen zwei Jahrzehnte haben den MSCI World grundlegend verändert. Mitte der 2000er-Jahre gehörten Energiekonzerne noch zu den Schwergewichten im Index. Seither hat sich der Sektor jedoch stetig zurückentwickelt. Parallel dazu wuchs die Bedeutung technologiegetriebener Geschäftsmodelle rasant.
Was früher vom Ölsektor geprägt war, ist heute ein Spiegelbild der digitalen Weltwirtschaft: Software, Halbleiter und Plattformunternehmen bestimmen die Richtung. Die Entwicklung des IT Sektors – von rund 10 Prozent im Jahr 2006 auf etwa 25 Prozent im laufenden Jahr – verdeutlicht diesen Wandel eindrucksvoll.
Realwirtschaftlicher Einfluss von Öl sinkt
Dieser Wandel zeigt sich nicht nur im Weltaktienindex, etwa an der abnehmenden Bedeutung des Energiesektors. Ebenso gravierend – wenn auch schwer quantifizierbar – ist der indirekte Effekt auf das produzierende Gewerbe. Zwar ist die Industrie weiterhin auf Öl als Produktionsfaktor angewiesen, doch hat dessen Bedeutung innerhalb der Wertschöpfungskette infolge von Digitalisierung und technologischem Fortschritt kontinuierlich abgenommen. In der Folge wirkt sich der Ölpreis heute deutlich weniger stark auf die Gewinnmargen der Unternehmen aus als noch vor zwanzig Jahren.
Ganz allgemein hängt die Wirtschaftsleistung westlicher Staaten heute wesentlich weniger vom produzierenden Gewerbe ab als vom Dienstleistungssektor. In den meisten westlichen Industrieländern trägt die Industrie nur noch rund ein Viertel – oder sogar weniger – zur gesamten Wirtschaftsleistung bei. Vor etwa 50 Jahren lag ihr Anteil noch bei rund der Hälfte. Auch das macht sich im Weltaktienindex bemerkbar: Der Industriesektor stellt gerade einmal noch ein Gewicht von 11,6 Prozent.
Was das für Anleger bedeutet
Geopolitische Risiken treten in den Hintergrund, dafür wachsen regulatorische Risiken. Da Energiepreise und -unternehmen an Gewicht verloren haben, wirken sich Ölpreisschwankungen sowohl auf Aktienmärkte als auch die Realwirtschaft weit weniger aus als früher. Die Marktbewegungen werden heute vor allem durch Technologie und Konsumunternehmen bestimmt. Diese Sektoren reagieren stärker auf Regulierung, Innovation und konjunkturelle Themen – und deutlich weniger auf geopolitische Entwicklungen am Ölmarkt. Kurz gesagt: Die Risiken haben sich verschoben – weg vom Energie, hin zu Technologie und Regulierung.
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