In Öl und Energie investieren: Das sind die Tücken

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Die Energiepreise sind im Zuge des Iran-Kriegs deutlich gestiegen.Das hat Öl- und Energieaktien einen deutlichen Kursschub verliehen. Anleger, die in solche Themen investieren möchten, müssen folgende Punkte beachten.

Publiziert 20. Apr 2026

Autor

Thomas Züttel

Funktion Anlageexperte

Beschreibung

Die Ölpreise haben in den vergangenen Wochen ein Auf und Ab erlebt – zuletzt gingen die Preise wieder südwärts, weil bekannt wurde, dass die Strasse von Hormus temporär geöffnet wird. 

Die Vergangenheit zeigt, dass solche Kursbewegungen sich schnell wieder ändern können. Wer davon ausgeht, dass die Preise für Rohöl wieder steigen könnten, überlegt sich möglicherweise, wie man als Anleger davon profitieren kann. Gerade beim Thema Energie ist es jedoch anspruchsvoll, in Rohstoffe zu investieren. Denn Öl lässt sich beispielsweise nur über Terminkontrakte direkt kaufen. Eine mögliche Alternative sind Energieaktien. Diese profitieren von steigenden Preisen, bringen aber unternehmensspezifische Risiken mit sich. 

Deshalb ist zu überlegen, ob eine diversifizierte Anlage wie ein ETF oder ein aktiver Fonds sich anbieten könnte. 

Öl als Direktinvestment

Wer direkt auf Öl setzen will, findet an der Schweizer Börse nur einen ETF, der dies ermöglicht. Dieser bildet den WTI-Rohöl-Preis an der US-Börse Nymex ab – allerdings nicht über den Spot-Preis, sondern entlang der Futures-Kurve. 

Das heisst: Entscheidend ist für die Rendite ist nicht nur die Veränderung des Ölpreises, sondern auch die Laufzeitenstruktur der gehaltenen Kontrakte. Aktuell verteilen sich die Positionen zu rund 40 Prozent auf 3 Monate, 22,5 Prozent auf 6 Monate, der Rest entfällt auf Laufzeiten von 1 bis 3 Jahren. 

Der ETF reagiert deshalb weniger stark auf kurzfristige Ausschläge der Marktpreise. Denn werden längerfristig wieder sinkende Preise erwartet, schwächt die Zusammensetzung der Laufzeiten diesen Effekt ab. 

Kurz: Wer in Öl investieren möchte, setzt häufig nicht den Ölpreis, sondern eine Kombination aus Preisbewegung und Terminkurven‑Effekten.

Energieaktien: Breitere Auswahl, aber oft konzentriert

Spannend können auch Energieaktien sein. Für Anleger, die nicht auf einzelne Aktien setzen möchten, gibt es ein breites Angebot an Aktienfonds. Unter den fünf grössten Produkten finden sich je zwei aktive und passive Fonds, welche in globale Energiewerte investieren. Ein weiteres passives Produkt fokussiert sich rein auf den US-Markt. 

Auffällig ist die Konzentration: Vier der fünf grössten Produkte bündeln mehr als 60 Prozent des Fondsvermögens in den Top‑10‑Positionen. Lediglich ein Fonds zeigt sich deutlich diversifizierter. Bei diesem Produkt machen die grössten zehn Positionen 31 Prozent des Portfolios aus. Zwei Namen tauchen bei allen fünf Fonds in den Top‑10 auf: Exxon Mobil und ConocoPhillips. Darüber hinaus unterscheiden sich die Portfolios teils markant.

Exxon als Sonderfall – vor allem in passiven Produkten

Exxon ist im Energiesektor ein Spezialfall: Weil das Unternehmen den grössten Börsenwert im Sektor aufweist, dominiert der Titel viele Indizes. In passiven Produkten wird die Position in der Regel nicht auf 10 Prozent begrenzt – im Unterschied zu vielen aktiven Fonds. 

Für Anleger bedeutet das: Wer einen breit diversifizierten Energie‑ETF kauft, erhält unter Umständen in erster Linie ein Produkt, in welchem grosse Unternehmen deutlich übergewichtet sind. 

Weniger geläufige Namen: Midstream und Service statt Förderung

In den Top‑Positionen finden sich zudem Unternehmen, die Anlegern weniger vertraut sind – oft, weil jene nicht in der Förderung tätig sind. Ein Beispiel ist Williams Companies: Williams ist ein US‑Gas‑Pipelinebetreiber und verfügt über kein Upstream‑Geschäft. Das Unternehmen fördert also keine Energieträger, sondern verdient primär an Transport‑ und Infrastrukturleistungen.

Ein weiteres Beispiel ist SLB (bis 2022 unter der Marke Schlumberger bekannt). SLB steht nicht für Ölproduktion, sondern für Ausrüstung und Dienstleistungen rund um Exploration, Bohrung und Produktion – ein Geschäftsmodell, das häufig zyklisch ist, aber nicht eins zu eins dem Ölpreis folgt.

Und Saudi Aramco? Für viele Fonds faktisch aussen vor

Das grösste Energieunternehmen der Welt, Saudi Aramco, wird von den gängigen Energiefonds nicht gehalten. Die Aktie wird in Saudi‑Arabien an der heimischen Börse gehandelt und verfügt über keine Zweitnotiz an einer grossen Auslandsbörse. Zudem ist der Free Float vergleichsweise eingeschränkt und ist in den globalen Energie-Indices nicht enthalten.

Interessant ist, dass auch Saudi‑Arabien im Umfeld des Konflikts in Iran Einbussen bei Ölexporten verzeichnete. Dennoch konnte die Aktie im laufenden Jahr an der Börse leicht zulegen. 

Fazit: Wer Energie kauft, sollte wissen, was er wirklich kauft

Energie lässt sich als Anlageidee umsetzen – doch die Wahl des Instruments ist entscheidend. Ein Öl‑ETF bildet meist Futures verschiedener Laufzeiten ab und reagiert daher anders als der Spot‑Preis. Es ist daher wichtig, die Mechanik der Terminmärkte zu verstehen. Aktienfonds wiederum sind oft stark auf wenige Mega‑Caps konzentriert. Eine genaue Analyse des Portfolios ist vor einem Kauf ist entsprechend wichtig. 

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