VZ Analyse
Seit Beginn des Nahost-Konflikts hat sich die Zinslandschaft zuungunsten von Obligationen verändert – entsprechend haben diese zuletzt an Wert verloren. Das eröffnet Anlegerinnen und Anlegern jedoch neue Einstiegschancen.
Publiziert 10. Apr 2026
Beschreibung
Der März war für Obligationäre kein erfolgreicher Monat. So gaben etwa die drei breit diversifizierten Obligationenindizes Swiss Bond Index (SBI), BB Global Aggregate und der BB Euro Aggregate in Franken gerechnet zwischen 1,2 und 2,8 Prozent nach. Damit büssten sie nicht nur die bisher positive Jahresperformance ein, sondern notieren nun seit Januar im Minusbereich (siehe Tabelle).
Diese Entwicklung kommt angesichts des Kriegs im Iran wenig überraschend. Mit der zwischenzeitlichen Blockierung der für die Öl- und Gasindustrie wichtigen Strasse von Hormus sind diese Rohstoffe deutlich teurer geworden. Das dürfte in den kommenden Monaten nicht nur das Wirtschaftswachstum bremsen, sondern auch die Inflation antreiben. Als Folge davon sind die langfristigen Zinsen bereits gestiegen.
Die Notenbanken tragen dieser veränderten Ausgangslage insofern Rechnung, als dass sie an ihrer letzten Zinssitzung ihre Inflationsprognosen nach oben angepasst haben. Die Schweizerische Nationalbank erwartet für das laufende Jahr neu eine Preisauftrieb von 0,5 Prozent statt wie bisher 0,3 Prozent. Die US-Notenbank geht neu von einer Teuerung von 2,7 Prozent (zuvor 2,4 Prozent) aus. Noch deutlicher fiel die Anpassung der Europäischen Zentralbank (EZB) aus. Sie rechnet nun für 2026 mit einer Inflation von 2,6 Prozent und damit 0,7 Prozentpunkten mehr als bei ihrer vorherigen Prognose.
Ein Umfeld von steigenden Zinsen belastet wiederum die Obligationen. Der Grund dafür ist, dass bei einem höheren Zinsumfeld die neu ausgegebenen Obligationen höhere Zinscoupons aufweisen. Entsprechend werden Papiere mit tieferen Coupons verkauft – die Folge davon sind Kursverluste.
Die gute Nachricht ist aber: Die mittelfristigen Perspektiven bleiben jedoch intakt - und genau darin liegt die Chance. Denn mit den gestiegenen Zinsen ist auch das laufende Renditeniveau von Obligationen wieder attraktiver geworden. Gleichzeitig erhöht sich das Kurspotenzial, sobald sich die Inflation wieder normalisiert.
Attraktive Verfallrenditen bieten Kurspotenzial
Seit dem Ausbruch des Konflikts im Nahen Osten sind die Renditen globaler Anleihen spürbar gestiegen. Beim weltweit wichtigsten Obligationenindex, dem "Bloomberg Global Aggregate", macht dieses Plus rund 0,4 Prozentpunkte aus.
Für Anleger hat diese Entwicklung eine positive Kehrseite: Zum einen sichert man sich bei einem Einstieg heute wieder höhere laufende Zinserträge. Zum anderen wächst durch das gestiegene Zinsniveau das Potenzial für künftige Kursgewinne. Sobald die die Zinsen wieder fallen, steigen die Kurse bestehender Obligationen an. In einem solchen Fall profitieren Neueinsteiger doppelt – von attraktiven Zinsen und der Chance auf zusätzliche Gewinne.
Wie stark die Kurse bei einer Zinswende steigen können, zeigt ein Blick auf die Kennzahl Duration. Beim Index «Bloomberg Global Aggregate» liegt dieser Wert aktuell bei 6,3. Das bedeutet: Sinkt das Zinsniveau am Markt um 1 Prozentpunkt, gewinnen die Obligationen im Index theoretisch rund 6,3 Prozent an Wert. Sollten die Renditen von ihrem derzeitigen Stand bei 3,8 Prozent wieder auf das Niveau der Niedrigzinsphase zwischen Januar 2015 und August 2022 von 1,6 Prozent fallen, würde dies allein durch die Kurssteigerungen einen Gewinn von gut 14 Prozent auslösen. Sänken die Zinsen gar auf den historischen Tiefpunkt, von 0,8 Prozent ergäbe sich daraus ein Potenzial von 19 Prozent.
Schweizer Anleihen mit weiterem Kurspotential
Auch Schweizer Obligationen bieten weiterhin Kurspotenzial. Der Swiss Bond Index (SBI) weist aktuell eine Duration von 7,13 auf. Damit reagieren Schweizer Anleihen noch deutlicher auf Zinsveränderungen. Sollte die Verfallrendite wieder auf das durchschnittliche Niveau der Niedrigzinsphase von rund 0,2 Prozent sinken, ergibt sich ein Kurspotenzial von etwa 4 Prozent. Fiele das Zinsniveau sogar auf den historischen Tiefpunkt von -0,6 Prozent, wäre ein Kursanstieg von rund 10 Prozent möglich.
Fazit
Die Kursverluste bei Obligationen im März sind vor allem auf kurzfristig gestiegene Inflationsängste zurückzuführen. Für langfristig orientierte Anleger eröffnen sich dadurch jedoch attraktive Einstiegsmöglichkeiten. Denn das aktuelle Renditeniveau bildet eine solide Basis für zukünftige Erträge und bietet zusätzliches Kurspotenzial, falls die Zinsen wieder sinken. Damit gewinnen Obligationen als Stabilitätsanker im Portfolio wieder an Attraktivität.
Disclaimer: Alle Angaben ohne Gewähr. Bei den aufgezeigten Informationen handelt es sich um Werbung gemäss Art. 68 FIDLEG.