Obligationen: Hier finden Anleger noch attraktive Zinsen

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Seit Jahresbeginn haben Schweizer Obligationen für Investoren wenig Rendite abgeworfen. Ein Blick ins Ausland zeigt jedoch attraktive Alternativen.

Publiziert 28. Nov. 2025

Autor

Ramon Hess

Funktion Anlageexperte

Beschreibung

Investoren, die am Schweizer Anleihenmarkt auf attraktive Renditen hoffen, müssen sich im derzeitigen Tiefzinsumfeld mit einer eher geringen Entschädigung zufriedengeben.

Im Juni senkte die Schweizerische Nationalbank (SNB) den Leitzins auf 0 Prozent – und dieses Umfeld dürfte vorerst bestehen bleiben. Für die Lagebeurteilung im Dezember werden keine weiteren Zinsschritte erwartet. Weder die geopolitischen Unsicherheiten noch die aktuell niedrige Inflation sprechen für eine baldige Straffung der Geldpolitik. Gleichzeitig ist die Hürde für die Rückkehr zu Negativzinsen hoch. Damit sind die Kurschancen für Schweizer Obligationen derzeit begrenzt.

Ausländische Märkte bieten mehr Rendite

Staatsanleihen warfen in der Schweiz seit Jahresbeginn eine Gesamtrendite von 1,3 Prozent ab. Deutlich attraktiver präsentiert sich dagegen der Blick ins Ausland: Globale Anleihen mit hoher Bonität erzielten eine Rendite von 7 Prozent (in US-Dollar).  Hochwertige US-Staats- und Unternehmensanleihen waren mit einem Kursgewinn von 6,8 Prozent seit Jahresbeginn  ebenfalls sehr profitabel.

Die amerikanische Notenbank hat aufgrund einer Eintrübung am Arbeitsmarkt den Leitzins bereits zweimal gesenkt, und für Dezember wird eine weitere Senkung um 0,25 Prozent erwartet. Dies schafft weiteres Kurspotenzial für US-Anleihen.

Positiv haben sich auch Schwellenländeranleihen entwickelt. Sie profitieren derzeit von sinkenden US-Zinsen, einem schwächeren US-Dollar und attraktiven Zinsdifferenzen. In diesem Jahr sind je nach Marktsegment Renditen von bis zu 10,3 Prozent (in US-Dollar) möglich.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Hartwährungs- und Lokalwährungsanleihen. Erstere werden typischerweise in US-Dollar begeben und unterliegen vor allem dem Kreditrisiko des Emittenten, während Lokalwährungsanleihen zusätzlich stark vom lokalen Zinsniveau und von Wechselkursbewegungen beeinflusst werden. In diesem Jahr haben viele EM-Währungen gegenüber dem Dollar aufgewertet, was die Gesamtrendite weiter gesteigert hat. Ein schwächerer Dollar reduziert zudem die reale Schuldenlast von Ländern mit Dollarkrediten und verbessert damit deren Zahlungsfähigkeit.

Längst nicht alle Märkte werfen solch hohe Renditen ab. In der Eurozone zeigt sich ein ähnliches Bild wie in der Schweiz: Anleihen mit hoher Bonität rentieren seit Jahresbeginn rund 1,5 Prozent (in Euro), Hochzinsanleihen rund 4 Prozent, was im Verhältnis zum erhöhten Risiko wenig attraktiv ist. Da eine Zinssenkung der EZB derzeit nicht absehbar ist, bleibt auch hier das Kurspotenzial beschränkt.

Wechselkurs birgt Risiken

Für Schweizer Anleger ist allerdings immer die Renditen in Franken entscheidend. Ausländische Anleihen bergen Fremdwährungsrisiken. So hat sich beispielsweise der US-Dollar seit Jahresbeginn um rund 11 Prozent gegenüber dem Franken abgewertet. Diese Währungsabwertung führt dazu, dass die in Franken gemessene Rendite deutlich tiefer ausfällt als die in Fremdwährung erzielte Rendite.

Das Wechselkursrisiko kann auch abgesichert werden, doch ein solcher US-Dollar-Hedge kostet aufgrund der hohen Zinsdifferenz zwischen der Schweiz und den USA derzeit rund 4 Prozent pro Jahr. Für viele Anleger wird damit ein grosser Teil des Mehrertrags aus ausländischen Anleihen neutralisiert.

Tiefe Risikoaufschläge

Wenig attraktiv zeigt sich der Hochzinsmarkt. Die Risikoaufschläge von High-Yield-Anleihen gegenüber Staatsanleihen liegen historisch betrachtet auf niedrigen Niveaus. US-Hochzinsanleihen bieten aktuell lediglich rund 2,7 Prozent mehr Rendite als vergleichbare Staatsanleihen, in der Eurozone etwa 3,2 Prozent. Auch bei Schwellenländeranleihen sind die Risikoaufschläge ungewöhnlich niedrig. Für Investoren spricht daher vieles dafür, im aktuellen Umfeld Anleihen mit hoher Bonität zu bevorzugen.

Das Schweizer Tiefzinsumfeld lässt heimische Anleihen unattraktiv erscheinen. Chancen finden sich vor allem in den USA und in ausgewählten Schwellenländern – wobei Wechselkursrisiken eine zentrale Rolle spielen. Die aktuell tiefen Risikoaufschläge im High-Yield-Segment sprechen dafür, hochwertige Anleihen zu priorisieren. Eine breite Diversifikation über verschiedene Währungen und Regionen bleibt für Anleger weiterhin essenziell.

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