Novo Nordisk enttäuscht mit Studie zu Abnehmmittel - Aktie fällt

Studienergebnisse

vor 5 Stunden

Beschreibung

BAGSVARD (awp international) - Die schlechten Nachrichten für den Pharmakonzern Novo Nordisk reissen nicht ab: Mit ihrem Abnehmmittel Cagrisema schnitten die Dänen in einer Phase-3-Studie schlechter ab als erhofft. Cagrisema habe zwar eine 23-prozentige Gewichtsreduktion nach einer 84-wöchigen Behandlung gezeigt, teilte der Konzern am Montag mit. Allerdings sei der primäre Studienendpunkt verfehlt worden. Diese Studie hätte zeigen sollen, dass das Mittel dem Produkt Zepbound von der US-Konkurrentin Eli Lilly in puncto Gewichtsverlust nicht unterlegen ist. Der Aktienkurs von Novo Nordisk geriet auf die Nachricht hin deutlich unter Druck.

Zuletzt brach das Papier in Kopenhagen um fast 16 Prozent ein. Analyst Richard Vosser von der Bank JPMorgan wertete die Studiendaten in einer ersten Reaktion denn auch als äusserst negativ. Die Markterwartungen an das Abnehmmittel dürften merklich sinken, während diese gleichzeitig für die anderen Medikamente Ozempic und Wegovy aufgrund geringerer Kannibalisierungseffekte etwas anziehen dürften. Und James Quigley von Goldman Sachs sieht direkt geringes Einsatzpotenzial für Cagrisema.

Die Dänen haben bei Anlegern zuletzt ohnehin einen schweren Stand, infolge mehrerer Enttäuschungen ist der einstige Höhenflug der Aktie zunichte. Auf dem Rekordhoch Mitte 2024 war die Aktie über 1.000 dänische Kronen teuer. Davon sind mittlerweile rund drei Viertel wieder in Luft aufgegangen. Der Börsenwert liegt mit umgerechnet 150 Milliarden Euro wieder deutlich unter demjenigen von etwa SAP oder Siemens , nachdem Novo zwischenzeitlich mit grossem Abstand zum wertvollsten börsennotierten europäischen Unternehmen aufgestiegen war.

Die harte Konkurrenz um Abnehmmittel macht den Dänen zusehends zu schaffen, vor allem Eli Lilly setzt dem Unternehmen zu. Während die Amerikaner weiteren Rückenwind von ihrem Gewichtssenker erwarten und sich bei Umsatz und Gewinn auch dieses Jahr einen Sprung nach oben ausrechnen, muss Novo Nordisk kleinere Brötchen backen und geht wegen harten Preisdrucks von weniger Geschäft aus.

Novo Nordisk war ursprünglich als erster Hersteller mit seinen Gewichtssenkern am Markt und dominierte das Geschäft. Doch dann geriet der Konzern im Ringen mit Lillys Konkurrenzmitteln ins Hintertreffen, die als effektiver gelten. Zwar gab es im vergangenen Jahr vermehrt für beide Konzerne Schwierigkeiten, weil in den USA Apotheken und andere Hersteller unter Ausnutzung regulatorischer Schlupflöcher billigere Kopien der Abnehmmedikamente auf den Markt brachten. Doch hatte sich Lilly aktiver gegen die Konkurrenz durch Nachahmer gewehrt.

Im November einigte sich Novo Nordisk mit der US-Regierung dann auf deutliche Preissenkungen für seine Blockbuster wie Wegovy und Ozempic, die unter anderem im Rahmen staatlicher Gesundheitsprogramme gelten sollen. Auch Lilly unterzeichnete eine entsprechende Vereinbarung.

Lilly-Chef David Ricks erwartet aber sogar, dass der Markt für Medikamente gegen krankhaftes Übergewicht (Adipositas) in diesem Jahr dank der Einigung mit der US-Regierung noch weiter wachsen wird. Diese hatte zugestimmt, die Kosten für die Mittel für mehr Patienten im Rahmen des staatlichen Gesundheitsprogramms Medicare für ältere Menschen zu übernehmen. Die Amerikaner sind zudem in einer vergleichsweise stärkeren Position als Novo, da ihre Blockbuster Mounjaro gegen Diabetes und Zepbound gegen Fettleibigkeit noch ein weiteres Jahrzehnt lang patentgeschützt sind.

Die Hoffnung, dass Cagrisema für Novo die Wende bringen könnte, verblasst mit den neuen Studiendaten. Cagrisema ist eine Kombination aus den Mitteln Cagrilintid und dem bekannten Novo-Wirkstoff Semaglutid. Bei der Betrachtung des Gewichtsverlustes über 84 Wochen schnitt es etwas schlechter ab als Lillys Zepbound mit dem Wirkstoff Tirzepatid, der auch im Diabetesmedikament Mounjaro zum Einsatz kommt.

Novos Forschungschef Martin Holst Lange setzt nun auf Daten aus weiteren Studien zur Gabe von Cagrisema, die teils erst im ersten Halbjahr 2027 vorliegen dürften. Ausserdem will Novo Cagrisema in höheren Dosierungen testen - entsprechende Studien sollen im zweiten Halbjahr starten. Spät in diesem Jahr hofft das Unternehmen zudem auf eine US-Zulassung von Cagrisema in anderen Anwendungen durch die US-Gesundheitsbehörde FDA./men/lew/mis