VZ Chartanalyse
Nach dem Absturz vom Allzeithoch steht Novo Nordisk an einem charttechnisch entscheidenden Punkt. Geopolitische Schlagzeilen rund um Grönland sorgen zwar für Verunsicherung, könnten langfristig orientierten Anlegern aber eine vergünstigte Einstiegschance eröffnen.
Publiziert 20. Jan. 2026
Beschreibung
Novo Nordisk war in den vergangenen Jahren einer der seltenen global beachteten europäischen Börsenüberflieger. Nach einer schmerzhaften Korrektur vom Allzeithoch im Sommer 2024, als der Konzern kurzzeitig LVMH als wertvollstes Unternehmen Europas ablöste, bis zum Mehrjahrestief im November 2025 mussten Anleger jedoch eine schmerzhafte Korrektur von über 60 Prozent verkraften. Die jüngste Chartentwicklung deutet nun auf eine mögliche Stabilisierung – und vielleicht sogar auf eine Trendwende – hin.
Vom medizinischen Durchbruch zum Börsenphänomen
Der Aufstieg begann 2017 mit dem Durchbruch bei GLP-1-Medikamenten, die Blutzucker regulieren und gleichzeitig das Sättigungsgefühl erhöhen. Mit Ozempic und später Wegovy traf Novo Nordisk den Nerv der Zeit: eine vergleichsweise einfache, wirksame Behandlung eines globalen Massenproblems. Die Nachfrage explodierte, Umsätze und Gewinne schossen nach oben, und der Aktienkurs verfünffachte sich zwischen 2019 und 2024.
Der Boom hatte jedoch eine Kehrseite. Die Produktionskapazitäten waren über Jahre hinweg überlastet, Lieferengpässe an der Tagesordnung. Wie extrem die Nachfrage war, zeigte sich etwa in Brasilien, wo es zeitweise sogar zu bewaffneten Überfällen auf Ozempic-Lieferungen kam – ein drastisches, aber bezeichnendes Symptom der Knappheit.
Absturz nach dem Höhenflug
Ab 2024 setzte eine anhaltende Korrektur ein. Ein zentraler Belastungsfaktor war der zunehmende Konkurrenzdruck durch Eli Lilly. Dessen Medikamente Mounjaro und Zepbound lieferten in Studien teils bessere Resultate, wurden schneller in wichtigen Wachstumsmärkten eingeführt und gewannen Marktanteile. Gleichzeitig enttäuschten eigene Studiendaten zum Hoffnungsträger CagriSema, was Zweifel an der technologischen Führungsrolle nährte. Hinzu kamen operative Herausforderungen: Preissenkungen, steigende Vertriebskosten, Margendruck sowie mehrfach gesenkte Umsatz- und Gewinnprognosen. Auch regulatorische Risiken – etwa drohende Preisdeckel in den USA – trugen dazu bei, dass die zuvor fast euphorische Bewertung einer Phase der Ernüchterung wich.
Jüngste Entwicklung und Ausblick
Seit August setzte eine Stabilisierung des Kurses ein. Das geht einher mit einem Management, welches einen Neustart versucht: Zusammen mit einem CEO-Wechsel, Restrukturierungen und Kostendisziplin soll der Fokus wieder stärker auf das Kerngeschäft Diabetes und Adipositas gelegt werden. Operativ reagierte Novo auf den härteren Wettbewerb mit Preissenkungen, neuen Vertriebskanälen und Partnerschaften, um Marktanteile zurückzugewinnen und den Graumarkt einzudämmen. Trotz spürbar langsamerem Tempo wuchs das Geschäft 2025 weiter, allerdings bei höherem Margendruck und gemischten Quartalszahlen.
Ein Risiko stellt auslaufender Patentschutz in einigen wichtigen Regionen dar. Die auslaufenden Semaglutid Patente (Wirkstoffbasis von Blockbustern wie Ozempic und Wegovy) ab 2026 eröffnen in wichtigen Märkten wie Kanada, Indien, China und Brasilien den Weg für günstige Generika und setzen Novo Nordisk damit unter erheblichen Preisdruck.
Gleichzeitig bleibt die Pipeline aber auch ein zentraler Hoffnungsträger: Neue Anwendungen für bestehende Medikamente, eine GLP-1-Pille sowie mehrere Wirkstoffe der nächsten Generation könnten das Wachstum ab 2026 wiederbeleben.
Kurzfristiges Risiko: Grönland
Aktuell bringt der geopolitische Konflikt beziehungsweise Griff Donald Trumps nach Grönland zusätzliche Unsicherheit. Die von Donald Trump angedrohten Zölle auf europäische Importe treffen Novo Nordisk an einer sensiblen Stelle, da ein grosser Teil der Gewinne im margenstarken US-Geschäft erwirtschaftet wird. Kurzfristig kann dies die Volatilität erhöhen, wie der Kursrückgang von Montag zeigt. Zumal Donald Trump um die hohe Wichtigkeit Novo Nordisks für die dänische Wirtschaft weiss, und dies als Hebel nutzen könnte.
Was uns das letzte Jahr allerdings erneut gelehrt hat: Trump beginnt traditionell mit Maximalforderungen, um später Kompromisse zu erzielen. Was aktuell wie eine harte Konfrontation zwischen Trump und der EU wirkt, könnte am Ende in einer politischen Lösung münden, die für beide Seiten annehmbar ist. Etwa durch eine gemeinsame Sicherheitsstrategie für Grönland sowie Erschliessung seiner strategischer Rohstoffe wie Seltener Erden. Damit könnte der Fokus auch bei Novo Nordisk wieder stärker auf die Chancen gerichtet sein.
Analysteneinschätzungen
Bewertungsseitig ist die Aktie nach dem Kursrutsch deutlich günstiger als in den Boomjahren und im Vergleich zur Konkurrenz moderat bewertet. Viele Analysten sehen daher ein verbessertes Chance-Risiko-Verhältnis, sofern Novo operativ wieder positiv überrascht. Von 33 Analysten empfehlen annähernd die Hälfte einen Kauf, fast gleich viele die Aktie zu halten - und nur 4 Analysten Novo Nordisk zu verkaufen.
Wie an der Grafik erkennbar ist, waren die Analysten seit Sommer 2024 mit ihren 12-Monats-Zielkursen zu optimistisch - bis jetzt.
Was sagt der Chart
Ein Blick auf das Chartbild liefert Hinweise darauf, wie der Markt auf die Aktie blickt. Der Ausbruch aus dem Abwärtstrendkanal Ende Dezember weckt Hoffnungen, dass die Malaise ein Ende finden könnte - und eine Trendwende bevorsteht. Positiv anzumerken ist, dass die 100-Tage-Linie (orange) klar zurückerobert werden konnte. Nun kämpfen die Bullen mit der für den weiteren Verlauf massgeblichen Zone zwischen 375-385 dänischen Kronen, wo aktuell auch die 200-Tage-Linie (violett) verläuft.
Angesichts der Unsicherheiten rund um Grönland könnte der Kurs zunächst noch einmal zurückfallen – und interessierten Anlegern eine vergünstigte Chance zum Einstieg bieten. Auf der Unterseite steht als mögliche Unterstützung die 340-Kronen-Marke (100-Tage-Linie) als mögliches Sprungbrett dient. Darunter steht wiederum vor allem die Zone zwischen 268 und 278 Kronen im Fokus, die das Fundament der Konsolidierung seit August darstellt. Dort verläuft zudem aktuell auch die obere Abwärtstrendkanallinie (die nun eine Unterstützung darstellt). Diese Zone sollte gehalten werden, da ansonsten eine Fortsetzung des Abwärtstrends droht.
Schaffen es die Bullen aber auch noch die wichtige psychologische Marke von 400 Kronen zurückzuerobern, dann würde sich auf der Oberseite die 650-Kronen-Marke öffnen. Dort befindet sich ein Widerstand, der Ende 2024 die Bullen zur Kapitulation zwang und gleichzeitig auch das 50%-Fibonacci-Retracement-Level vom Allzeithoch. Vom aktuellen Kursniveau entspräche das einem Kurspotenzial von über 70 Prozent.
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