Strategie-Update
vor 7 Stunden
Beschreibung
Zürich (awp) - Der weltgrösste Schokoladenhersteller Barry Callebaut will nach mehreren schwierigen Jahren mit einer neuen Strategie zu Wachstum und höherer Profitabilität zurückfinden. Die Reaktionen auf den am Dienstag vorgestellten Aktionsplan "Focus for Growth" fielen verhalten positiv aus.
Der seit Januar amtierende Konzernlenker Hein Schumacher will sich unter anderem auf die zehn wichtigsten Ländermärkte, wo zwei Drittel des Umsatzes anfallen, auf Premiumprodukte und margenstärkere Spezialitäten konzentrieren. "Schokolade bleibt weltweit mit deutlichem Abstand die beliebteste Geschmacksrichtung", sagte der frühere Unilever-Chef in einer Videobotschaft.
Chancen sieht die Konzernführung insbesondere bei Gourmetprodukten sowie Gesundheits- und Proteinlösungen. Mehr Chancen erhofft sie sich auch beim Einsatz von Schokolade in Kategorien wie Glace, Backwaren oder Energieriegeln.
Heute entfällt knapp ein Drittel des Volumens auf Gourmetprodukte, Spezialitäten und hochwertige Kakaopulver. Diesen Anteil will Schumacher erhöhen, wie er vor Analysten erklärte.
Künftig will Barry Callebaut zudem stärker als Lösungsanbieter auftreten. Unter den fünf wichtigen Wachstumsfeldern sind sowohl globale Grosskunden als auch regionale Lebensmittelhersteller. Potenzial sieht Barry Callebaut im Geschäft mit Eigenmarkenprodukten des Detailhandels.
Bessere Kundenorientierung
Barry Callebaut leidet seit mehreren Quartalen angesichts hoher Kakaopreise an einem Rückgang der Absatzmengen. Gleichzeitig kämpfte der Konzern mit Lieferengpässen und operativen Schwierigkeiten. Gemäss dem neuen Chef liefen intern zu viele Projekten gleichzeitig, es gab Qualitätsprobleme, die Digitalisierung uferte aus und die Organisation wurde zu zentralistisch. Der Aktienkurs brach in den letzten fünf Jahren um über 40 Prozent ein.
Im Januar ersetzte der Verwaltungsrat den glücklosen Peter Feld nach knapp drei Jahren durch Schumacher. Dieser betonte nun, zunächst müssten die Grundlagen des Geschäfts wieder gestärkt werden. Im Vordergrund stehen eine bessere Lieferfähigkeit, höhere Servicequalität und eine stärkere Kundenorientierung. Gleichzeitig sollen die Investitionen insbesondere in Nordamerika, Brasilien und Indonesien erhöht respektive dort konzentriert werden.
Der Konzern dürfte nach dem Rückgang der Kakaopreise in zweiten Hälfte des Geschäftsjahres 2025/26 wieder auf den Wachstumspfad zurückkehren. Mittelfristig peilt Barry Callebaut ein jährliches Absatzwachstum von 2 bis 4 Prozent an. Die Dividende soll weiterhin stabil bleiben oder steigen.
Augen auf Umsetzung
An der Börse löste die Strategie keine grossen Wellen aus. Die Titel legten bis zum Mittag um rund 0,3 Prozent zu. Bei Analysten stiess die neue Strategie grundsätzlich auf Zustimmung, es gab aber auch kritische Stimmen.
Die Bank Vontobel bezeichnete den Plan als wichtigen Schritt zur Wiederherstellung des langfristigen Wachstumspfads. Positiv hervorgehoben wurden die stärkere Fokussierung auf die operative Umsetzung sowie die klar definierten Finanzziele.
Auch die Zürcher Kantonalbank beurteilte die Ziele als attraktiv und grundsätzlich erreichbar. Allerdings dürfte das Unternehmen damit kaum an die früheren Wachstumsraten von 4 bis 6 Prozent anknüpfen, hiess es.
Skeptischer äusserte sich die Helvetische Bank. Sie sprach von einer weiteren Turnaround-Phase. Bereits frühere Restrukturierungsprogramme hätten viele der nun präsentierten Massnahmen versprochen. Entscheidend sei daher weniger die Strategie selbst, sondern deren Umsetzung.
to/ra