Nestlé mit neuer Strategie und Antworten zum Babymilch-Skandal

Ausblick

vor 3 Stunden

Beschreibung

Vevey (awp) - Die Probleme von Nestlé-Chef Philipp Navratil sind kurz vor der Publikation der Geschäftszahlen für 2025 nicht kleiner geworden. Die Zahlen dürften eher in den Hintergrund rücken. Analysten und Investoren sind eher gespannt auf Navratils neue Konzernstrategie, neue Ziele und auf Antworten zu den Auswirkungen des Babynahrungsskandals.

Der weltgrösste Nahrungsmittel-Hersteller veröffentlicht die Resultate zum Geschäftsjahr 2025 am Donnerstag, 19. Februar. Insgesamt 13 Analysten haben zum AWP-Konsens beigetragen.

2025
(in Mio Fr.)         AWP-Konsens   2024   

Umsatz                 89'602    91'354
EBIT adj.              14'442    15'704
- Marge (in %)           16,1      17,2
Reingewinn             10'091    10'884

(in Fr.)
Dividende je Aktie       3,08      3,05

(in %)
Org. Wachstum             3,3       2,2
RIG                       0,7       0,8

Q4 2025
(in %)               AWP-Konsens  Q4 2024  

Org. Wachstum             3,4        2,7
RIG                       0,9        1,5

Welche Folgen hat der Babynahrungsskandal?

Der Skandal um mit dem Bakteriengift Cereulid belasteten Babymilchpulver führte bei Nestlé ab Ende Dezember zu Rückrufen in fast 60 Ländern und zur grössten Rückrufaktion der Firmen-Geschichte. Die finanziellen Folgen sind unklar. Der Konzern spricht von weniger als 0,5 Prozent Umsatzanteil bei den betroffenen Chargen, Analysten gehen jedoch von einem höheren Schaden aus und beziffern diesen auf möglicherweise über eine Milliarde Franken. Vertrauensverluste bei Eltern, strengere Vorschriften und neue Fragen zum Qualitätsmanagement dürften den Konzern länger belasten.

Worum geht es beim Strategieupdate?

Der frühere Nespresso-Chef Navratil sieht in Wachstum einen allgemeinen Heilsbringer für den Konzern. "Es bringt Gewinn, Fixkosten werden absorbiert, es bringt Cash und Marktanteil", sagte er vor Weihnachten in einem Interview. "Was wir brauchen, sind Innovationen, um das Wachstum zu beschleunigen." Erreichen will der Konzern dies unter anderem mit einer stärkeren Fokussierung auf weniger Marken. Gemäss Medienberichten sollen künftig die vier Säulen Kaffee, Tiernahrung, Ernährung und Gesundheit sowie Lebensmittel und Snacks im Mittelpunkt stehen. Offen ist, wie stark Navratil die bislang komplexe, regional geprägte Konzernstruktur umbaut; die Regionen sollen jedoch zentral bleiben.

Wie geht es weiter mit dem Wassergeschäft?

Seit einem Jahr führt Nestlé das rund fünf Milliarden Euro schwere Mineralwassergeschäft mit Marken wie San Pellegrino, Perrier und Vittel als eigene Einheit. Der Konzern will die Sparte verkaufen oder zumindest einen Partner aufnehmen. Juristische Streitigkeiten über Filtermethoden und die Vermarktung von Perrier als "natürliches Mineralwasser" in Frankreich galten als Hemmnis. Nun scheint Bewegung in die Gespräche zu kommen: Nestlé habe Interessenten im Januar zur Einreichung von Offerten aufgefordert, berichtete Bloomberg zuletzt.

Wird die Beteiligung von Nestlé an L'Oréal wieder zum Thema?

Eine Reduktion der rund 20-prozentigen Nestlé-Beteiligung an L'Oréal könnte angesichts der hohen Verschuldung von etwa 60 Milliarden Franken wieder zum Thema werden. Die Nettoverschuldung lag Ende 2024 beim 2,9-fachen des bereinigten operativen Gewinns (EBITDA) und damit am oberen Rand des Zielkorridors des 2- bis 3-fachen. Zusammen mit Verkäufen im Wasser- und Vitamingeschäft wären laut ZKB bis zu zehn Milliarden Franken möglich. Nestlé bezeichnete L'Oréal bisher als gutes Finanzinvestment, hat allerdings den Anteil bereits 2014 und 2021 reduziert.

Wie lief das Geschäft 2025?

Nestlé dürfte 2025 ein organisches Wachstum von gut 3 Prozent erzielt und damit seine Ziele erreicht haben. In den ersten neun Monaten stützten vor allem Preiserhöhungen das Wachstum, während die Absatzmengen kaum zulegten; im Schlussquartal schwächte sich die Dynamik nach Ansicht der Analysten ab. Der Umsatz dürfte wegen der Dollarschwäche und des starken Frankens auf knapp unter 90 Milliarden Franken sinken. Die bereinigte operative Marge dürfte wegen höherer Rohstoffkosten, Währungsbelastungen und US-Zöllen leicht gesunken aber über der Zielmarke von 16 Prozent geblieben sein.

Was für neue Ziele setzt sich Nestlé?

Die Guidance für 2026 wird wohl vorsichtig angesetzt werden - wegen des schwierigen Umfelds, und weil der neue CEO Navratil nicht enttäuschen will. Für 2025 hatte sich Nestlé ein höheres organisches Umsatzwachstum als 2024 (2,2 Prozent) vorgenommen.

Was macht der Aktienkurs?

Die Nestlé-Aktien haben vor allem nach Bekanntwerden des Babymilchskandals Ende Dezember und im Januar stark nachgegeben. Mittlerweile hat sich der Kurs wieder erholt. Unter dem Strich blieb im bisherigen Jahresverlauf ein Plus von gut 1 Prozent. Damit schneidet das SMI-Schwergewicht schlechter ab als der Gesamtmarkt mit einem Plus von rund 3 Prozent. Bereits im 2025 entwickelten sich die Titel unterdurchschnittlich: Während die Nestlé-Titel nur um rund 5 Prozent zulegten, stieg der SMI um rund 14 Prozent.

lh/to/jl