VZ Analyse
Vor vier Wochen eskalierte die Lage im Nahen Osten. Ein Blick auf den Schweizer Aktienmarkt zeigt, welche Titel besonders stark verloren haben und welche sich trotz des Umfelds behaupten konnten.
Publiziert 30. März 2026
Beschreibung
Die Angriffe von Israel und den USA Ende Februar auf den Iran markierten den Beginn des Konflikts, der sich rasch auf die gesamte Region ausweitete. Beide Seiten reagierten in den ersten Tagen mit neuen Vergeltungsaktionen. Die vom Iran kontrollierte Strasse von Hormus rückte ins Zentrum, da sie eine zentrale Route für Öl, Gas und andere Rohstoffe ist. Die Unsicherheit nahm zu und die Energiepreise stiegen. Das trieb auch die Kurse von Ölaktien nach oben.
Der Schweizer Gesamtmarkt, gemessen am SPI, fiel seither um 8 Prozent. Einige Aktien verloren jedoch deutlich stärker. Neben dem Konflikt wirkten auch unternehmensspezifische Faktoren. Da in der Schweiz keine Ölfirmen kotiert sind, fehlen klare Gewinner aus dem Energiesektor. Umso wichtiger ist ein genauer Blick auf einzelne Unternehmen.
Auseinanderdriften bei SMI-Titeln
Bei der Entwicklung der SMI-Titel zeigen sich deutliche Unterschiede. Die war bereits zu Jahresbeginn sichtbar und hat sich durch den Konflikt weiter verstärkt. Die meisten Titel reagierten negativ. Logitech bildet eine Ausnahme. Die Aktie legte seit Ende Februar um 5 Prozent zu. Der Nahe Osten ist für das Unternehmen zwar ein Absatzmarkt, aber weniger wichtig als Amerika, Asien-Pazifik oder Europa.
Kühne + Nagel profitierte zunächst von der Aussicht auf gestörte Lieferketten und eine höhere Nachfrage nach Logistiklösungen. Dieser Effekt hielt jedoch nicht an, und die Aktie gab später wieder nach.
Zyklische Unternehmen gerieten stärker unter Druck. Sika, Geberit und Richemont verzeichneten die grössten Verluste. Bei Sika und Geberit belastet die schwächere Baukonjunktur. Höhere Energiepreise und steigende Kosten für petrochemische Vorprodukte verschärfen die Situation. Gleichzeitig verzögern unsichere Aussichten neue Projekte. Sika reagierte mit Preiserhöhungen und senkte dennoch den Ausblick für das laufende Jahr leicht.
Richemont reagiert sensibel auf Stimmungswechsel an den Märkten. Der Nahe Osten ist ein wichtiger Absatzmarkt für Luxusgüter. Gleichzeitig dämpft ein schwächerer Tourismus die Nachfrage. Sinkende Edelmetallpreise entlasten jedoch die Margen. Zudem kann Richemont Preise besser durchsetzen als Industrieunternehmen.
Uneinheitliches Bild bei kleineren Titeln
Ausserhalb des SMI zeigt sich ein gemischtes Bild. Hier bestimmen oft firmenspezifische Nachrichten die Kursentwicklung. Cosmo Pharmaceuticals und Newron Pharmaceuticals verloren deutlich nach enttäuschenden Zahlen beziehungsweise Finanzierungsfragen. Leonteq legte zu, nachdem sich die Aktionärsstruktur weg von der Raiffeisen hin zu einer Beteiligungsgesellschaft und private Investoren veränderte. Der Kursanstieg folgte jedoch auf eine zuvor schwache Entwicklung.
Einige Branchen zeigen dennoch einen Bezug zum Konflikt. Unternehmen aus dem Bereich der erneuerbaren Energien entwickelten sich positiv. Dazu zählen auch Zulieferer wie Gurit und Schweiter. Viele Industrieunternehmen standen dagegen unter Druck. Unsichere Perspektiven und höhere Energiekosten belasteten Titel wie Komax und Bystronic besonders stark. Betroffen waren vor allem Aktien, die bereits zuvor an Wert verloren hatten.
Industrietitel unter Druck
Insgesamt gibt es am Schweizer Markt kaum Unternehmen, die direkt von den Folgen des Konflikts profitieren wie Ölaktien. Kursanstiege lassen sich durch Unabhängigkeit dieser Treiber, stabile Geschäftsmodelle oder unternehmensspezifische Entwicklungen erklären. Industrieunternehmen leiden hingegen unter steigenden Kosten und schwächeren Konjunkturaussichten.
Eine Entspannung der Lage dürfte diese Titel wieder stützen. Entscheidend bleibt auch die Entwicklung des Frankens. Eine weitere Aufwertung würde exportorientierte Unternehmen zusätzlich belasten.
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