VZ Analyse
Eine Entspannung im Ölmarkt hat jüngst zu kräftigen Kursgewinnen geführt. Ein Blick auf frühere geopolitische Krisen zeigt, dass der Abbau von Unsicherheit häufig frühzeitig zu Erholungen an den Finanzmärkten führt.
Publiziert 9. Apr. 2026
Beschreibung
Die Unsicherheit rund um den globalen Ölmarkt ist zuletzt deutlich gesunken. Nach der Ankündigung Irans einer zweiwöchigen Waffenruhe mit den USA sowie der vorbehaltlich zugesagten Öffnung der Strasse von Hormus seitens Irans fiel der Ölpreis um über 14 Prozent.
Mit der sinkenden Sorge vor einer militärischen Eskalation setzte auch an den Aktienmärkten eine deutliche Gegenbewegung ein. Der Schweizer Leitindex SMI legte zum Handelsauftakt um mehr als 3 Prozent zu.
Ein Vergleich mit früheren geopolitischen Krisen deutet darauf hin, dass sich die Finanzmärkte nach dem Abbau grosser Unsicherheiten häufig rasch erholen.
Struktureller Wandel im Ölmarkt
Der Ölmarkt war in den vergangenen Jahrzehnten wiederholt geopolitischen Risiken ausgesetzt. Militärische Konflikte und politische Spannungen schürten jeweils Unsicherheit über Fördermengen und Transportwege und führten in der Folge zu steigenden Preisen. Besonders der Nahe Osten stand dabei oft im Zentrum.
Die Ausgangslage sowie der Einfluss auf den Ölmarkt unterschieden sich jedoch je nach Epoche erheblich. So war die Ölintensität der Weltwirtschaft bis in die frühen 2000er‑Jahre deutlich höher als heute. Gleichzeitig haben die USA ihre Ölproduktion seit der Jahrtausendwende stark ausgeweitet und sind inzwischen der weltweit grösste Produzent.
Der Nahe Osten trägt zwar weiterhin einen bedeutenden Anteil zur globalen Förderung bei, dieser liegt heute jedoch bei rund 30 Prozent. Vor diesem Hintergrund erscheint ein langanhaltender Ölpreisschock wie während des arabischen Ölembargos von 1973 aus heutiger Sicht weniger wahrscheinlich.
Wertentwicklung globaler Aktien bei geopolitischen Krisen
Auch die Reaktionen der Aktienmärkte auf geopolitische Krisen zeigen ein wiederkehrendes Muster. Die irakische Invasion Kuwaits im Jahr 1990 führte zunächst zu einem starken Anstieg des Ölpreises und zu erheblicher Verunsicherung an den Finanzmärkten. Mit dem Beginn der US‑geführten Militärintervention Operation Desert Storm und der raschen Klarheit über den weiteren Verlauf des Konflikts erholten sich die Aktienmärkte jedoch innerhalb weniger Monate.
Ein ähnliches Bild zeigte sich 2003 im Zuge des Irakkriegs. Der Ölpreis reagierte moderat, da der Konflikt weitgehend antizipiert war und der Irak nur über eine begrenzte Bedeutung für das globale Ölangebot verfügte. Auch in diesem Fall setzte die Erholung an den Aktienmärkten rasch ein.
Sonderfall Ukrainekrieg
Anders entwickelte sich die Situation nach dem Ausbruch des Ukrainekriegs im Jahr 2022. Die Sanktionen gegen Russland sowie die bewusste Reduktion der Energieimporte aus Russland führten in Europa zu einem strukturellen Angebotsschock im Energiesektor. Die stark gestiegenen Energiepreise trieben die Inflation deutlich nach oben und zwangen die Notenbanken zu einer raschen und kräftigen Zinswende.
Diese Kombination belastete die Aktienmärkte über einen längeren Zeitraum und unterschied sich damit deutlich von früheren, primär ölgetriebenen geopolitischen Krisen.
Fazit
Historisch betrachtet zeigt sich, dass sich globale Aktienmärkte gemessen am MSCI World – mit Ausnahme des arabischen Ölembargos von 1973 – im Durchschnitt innerhalb von rund sechs Monaten nach dem Ausbruch geopolitischer Krisen wieder erholt haben. Vor diesem Hintergrund deutet die aktuelle Entspannung darauf hin, dass eine weitere Erholung an den Finanzmärkten möglich ist, sofern es nicht zu einer erneuten Eskalation kommt.
Ob und wann eine nachhaltige diplomatische Lösung erreicht wird, bleibt offen. Klar ist jedoch, dass eine Beruhigung der Energiepreise und der geopolitischen Lage insbesondere auch im Interesse der US‑Regierung liegt, nicht zuletzt mit Blick auf die politische Stimmung im Vorfeld der kommenden Wahlen.
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