VZ Analyse
Aktienmärkte reagieren meist sehr nervös auf geopolitische Krisen. Ein Blick auf die historischen Erfahrungen hilft Anlegern, die Kursbewegungen richtig einzuordnen.
Publiziert vor 4 Stunden
Beschreibung
Als am vergangenen Wochenende die USA und Israel den Iran angegriffen haben, blieb die Marktreaktion am Montagmorgen nicht aus: Tiefrote Aktienmärkte, steigende Gold- und Ölpreise, stärkerer Franken. Unter dem Strich hielten sich bislang die Kursverluste in Grenzen – auch weil die Börsen am Mittwoch zu einer kurzen Erholungsbewegung ansetzten.
Viele Anlegerinnen und Anleger fragen sich angesichts der Lage, was sie mit ihrem angelegten Geld machen sollen. Denn die Gefahren sind nicht von der Hand zu weisen: Ein längerer Konflikt würde die Ölpreise weiter ansteigen lassen. Dies wiederum könnte dazu führen, dass auch die Inflation wieder ansteigt. Beide Effekte wären für die Aktienmärkte negativ zu werten.
Für Sorgenfalten bei den Investoren sorgt vor allem die Furcht, dass die Strasse von Hormus über eine längere Zeit blockiert werden könnte. Allerdings ist dieses Szenario eher unwahrscheinlich. Es gibt kaum Schäden an der Energie-Infrastruktur, und die USA sind dem Iran militärisch stark überlegen. Der Anstieg des Ölpreises und des Gaspreises dürfte deshalb nur temporär sein.
Angesichts dieser Sorgen hilft es auch, auf vergangene Nahost-Konflikte zurückzuschauen. In den vergangenen 40 Jahren gab es nicht weniger als drei: Die Operation Desert Storm zur Befreiung von Kuwait 1991, der Afghanistan-Krieg 2001 als Reaktion auf 9/11 sowie der Irak-Krieg 2003.
Ihnen gemein ist, dass die Börsen während der Konflikte einem ähnlichen Muster folgten: In den ersten Tagen kam es zu leichten Kursrückgängen, teilweise bereits im Vorfeld der militärischen Einsätze. Danach erholten sich die Märkte rasch. Hundert Tage nach Kriegsbeginn lag der MSCI World höher als zu Beginn des Konflikts: 1991 stiegen die Börsen in diesem Zeitraum 35 Prozent, 2001 wenigstens noch 7 Prozent und beim Irak-Krieg 10 Prozent.
Besonders 1991 profitierte der Index zusätzlich von einer starken Aufwertung des Dollars, was die Renditen in Franken weiter steigerte. Beim Afghanistan-Krieg ist zu beachten, dass dieser mit dem Platzen der Dot-Com-Blase zusammenfiel. Hier gab es einen zusätzlichen Belastungsfaktor, der die Märkte belastete, aber mit dem Krieg nichts zu tun hatte. Ebenfalls wichtig in diesem Zusammenhang ist, dass diese Betrachtung keineswegs ausser Acht lassen soll, dass kriegerische Konflikte stets viel menschliches Leid verursachen – was grundsätzlich zu bedauern ist.
Auch beim aktuellen Iran-Krieg sind die Reaktionen der Märkte bisher einigermassen moderat ausgefallen. Die historische Erfahrung legt nahe, dass geopolitische Unsicherheiten in der Regel kurzfristige Volatilität erzeugen, langfristig jedoch fundamentale wirtschaftliche Faktoren den Kurs bestimmen.
Der Nahe Osten bleibt eine geopolitisch sensible Region, und er spielt eine zentrale Rolle für die weltweite Energieversorgung. Dennoch zeigen die historischen Daten, dass die unmittelbaren wirtschaftlichen Auswirkungen selbst schwerer militärischer Konflikte oft begrenzt bleiben. Einzig die europäische Börsen gaben spürbar nach, während der MSCI World oder die US-Indizes nur geringe Verluste verzeichnen.
Und eine weitere Kernaussage ist: Der Nahe Osten und die Golfregion sind zwar ein Pulverfass und vor allem für die globale Energieversorgung von grosser Bedeutung. Die Weltwirtschaft hat jedoch durch keinen dieser drei jüngsten Kriege grossen Schaden genommen. Im Gegenteil: Die Aktienmärkte tendierten nach den anfänglichen Kurseinbussen mehrheitlich positiv.
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