VZ Analyse
Die Vorkommnisse im Iran treiben die Ölpreise in die Höhe und verschieben Kapitalströme: Welche Währungen profitieren – und welche verlieren? Eine Übersicht.
Publiziert vor 8 Stunden
Beschreibung
Die jüngste Entwicklung an den Devisenmärkten folgt einem bekannten Muster: In Zeiten erhöhter Unsicherheit suchen Anleger Stabilität. Davon profitiert insbesondere der US-Dollar. Allein im März stieg der handelsgewichtete Dollar-Index um rund 1,7 Prozent. Gegenüber dem Franken wertete sich der Greenback um fast 2,7 Prozent auf.
Auch der chinesische Yuan hat seit Beginn des Konflikts deutlich an Stärke gewonnen. Seit dem Kriegsausbruch legte er 2,2 Prozent gegenüber dem Franken zu. Die Aufwertung wird vor allem durch Kapitalzuflüsse in Chinas erneuerbare Energien und die wachsende internationale Rolle des Yuan im Energiehandel gestützt.
Ölpreis als zusätzlicher Treiber für den Dollar
Neben der klassischen «Flucht in sichere Häfen» spielt derzeit der Ölmarkt eine wichtige Rolle. Mit der Sperrung der Strasse von Hormus sind die Ölpreise deutlich gestiegen. Seit Beginn des Nahostkonflikts ist der Preis für ein Fass der Sorte Brent um 48 Prozent angestiegen.
Steigende Ölpreise wirken dabei direkt auf die Währungen - besonders auf den US-Dollar. Der Grund liegt im globalen Energiesystem: Öl wird international überwiegend in US-Dollar gehandelt. Steigt der Preis, müssen energieimportierende Länder mehr Dollar aufbringen, um ihre Versorgung sicherzustellen. Dies erhöht die effektive Nachfrage nach der US-Währung.
Anders als bei vielen anderen Rohstoffen handelt es sich beim Öl um ein unverzichtbares Gut für die Volkswirtschaften und diese können die Nachfrage kurzfristig kaum drosseln, sodass die steigenden Preise die Dollar-Zahlungsströme erhöhen.
Hinzu kommt ein zweiter Effekt: Höhere Energiepreise treiben die Inflation, was wiederum die Erwartungen an die US-Geldpolitik beeinflusst. Aufgrund des Anstiegs der Treibstoffpreise hat das Fed die Inflationsprognose für 2026 auf 2,7 Prozent angehoben. Gleichzeitig haben die Märkte, welche zu Jahresbeginn noch von zwei Zinssenkungen ausgegangen waren, ihre Erwartungen deutlich reduziert: Aktuell wird keine Leitzinssenkung mehr erwartet für dieses Jahr. Die Aussicht auf stabil hohe Zinsen macht den US-Dollar zusätzlich attraktiv und stärkt seine Stellung gegenüber anderen Währungen.
Yuan profitiert ebenfalls vom Ölpreisschock
Der chinesische Yuan hat sich seit Kriegsbeginn überraschend deutlich aufgewertet. Treiber dieser Entwicklung sind die Erwartungen an die Rolle Chinas in einem sich wandelnden globalen Energiesystem.
Im Zentrum steht dabei die Erwartung, dass China zu den potenziellen Gewinnern des aktuellen Ölpreisschocks zählt. Während hohe Energiepreise für viele Volkswirtschaften eine Belastung darstellen, profitiert China indirekt von seiner dominierenden Stellung in Schlüsselindustrien der Energiewende. Dazu zählen die Solarenergie, Batterietechnologie und Elektromobilität.
Internationale Anleger haben begonnen, gezielt in chinesische Unternehmen aus dem Bereich der erneuerbaren Energien zu investieren, in der Erwartung steigender globaler Nachfrage. Die daraus resultierenden Kapitalzuflüsse erhöhen die Nachfrage nach der chinesischen Währung, da Investitionen in lokale Vermögenswerte in Yuan abgewickelt werden.
Fazit
Die Stärke des Greenback könnte weitreichende Folgen für den globalen Handel und das Wirtschaftswachstum haben: Für US-Unternehmen verteuern sich Exporte, wodurch insbesondere multinational tätige Konzerne im Technologiesektor weniger Gewinn erzielen. Zudem stellt die Dollarstärke eine Herausforderung für Schwellenländer dar. Viele dieser Volkswirtschaften haben umfangreiche Schulden in Dollar. Wertet die US-Währung auf, steigt die reale Schuldenlast in lokaler Währung deutlich an, was die Bedienung von Zins- und Tilgungszahlungen zusätzlich erschwert.
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