Nach 4-Jahreshoch: Wie geht es weiter beim Euro vs. Dollar?

VZ Chartanalyse

Der Euro zeigt 2025 eine überraschende Stärke und kletterte auf den höchsten Stand seit 2021. Woher die neue Dynamik kommt – und wie es charttechnisch weitergeht.

2. Okt. 2025

Beschreibung

Autor: Andreas Paciorek / VZ VermögensZentrum 

Wer hätte das noch Anfang des Jahres nach Trumps Wahlsieg und seiner doch harten Rhetorik gegen Europa gedacht – der Euro befindet sich gegen den Dollar im Aufwind. Die bei Anflügen von Wirtschaftskrisen zur Schwäche neigende europäische Gemeinschaftswährung konnte nicht nur den Sorgen rund um die Einfuhr der Importzölle in den USA trotzen, sondern erreichte Mitte September mit 1.19 Dollar sogar den höchsten Stand seit 2021. 

Dabei dürfte allerdings nicht allein eine mögliche Stärke des Euros einen Grund dafür darstellen, sondern auch eine von Seiten der USA gewünschte Schwäche des Dollars. So hatte Trumps Wirtschaftsberater Stephen Miran zuletzt sogar einen «Mar-a-Lago-Accord» vorgeschlagen, um den Dollar gezielt abzuwerten. Darüber hinaus könnte auch eine Positionierung vieler Marktteilnehmer eine Rolle spielen, die zum Ziel hat, sich etwas unabhängiger vom Dollar und damit US-Präsident Trumps teils erratischer Handelspolitik zu machen – Anzeichen dafür liefern die wachsenden Euro-Reserven einiger Zentralbanken. 

Auch die EZB scheint dies nicht nur zu beobachten, sondern ein festerer Euro könnte ihr sogar entgegenkommen, da er Importpreise dämpft und so die Inflation im Euroraum bremst. Angesichts der Erfahrungen aus der Euro-Krise in den 2010er Jahren und mit Blick auf die aktuellen Haushaltssorgen in Frankreich darüber hinaus beruhigend wirken. Zumal damit auch das Handelsdefizit mit den USA gesenkt und Investitionen in den USA erleichtert werden dürften. 

Dies zu den fundamentalen Hintergründen – nun zum eigentlichen Thema: dem charttechnischen Bild des Euro-Dollar-Paares und einer möglichen kurz- bis mittelfristigen Entwicklung. 

Langfristige Perspektive 

Auffällig ist zunächst die starke Erholung des Euro seit Trumps Wahlsieg. Mit dem Bruch der Marke von 1.12 Dollar Anfang 2022 verwandelte sich diese charttechnisch in einen Widerstand. Mehrfach prallte der Euro in den Folgejahren an dieser Hürde ab – bis ihm in diesem Jahr der dynamische Ausbruch gelang. Das war ein wichtiger Meilenstein. 

Der Blick richtet sich nun auf die nächste grosse Barriere: die Abwärtstrendlinie, die seit Anfang 2018 intakt ist und aktuell im Bereich von rund 1.20 Dollar verläuft. Aufgrund ihrer langen Historie dürfte sie erheblichen Einfluss auf die weitere Kursentwicklung haben. 

Kurzfristige Perspektive 

Kurzfristig zeigt sich nach dem Ausflug über die Marke von 1.19 Dollar eine Konsolidierung in Form einer bullischen Flagge. Gleichzeitig wurde die Aufwärtstrendlinie seit Anfang August gebrochen. Mit den Turbulenzen rund um den US-Government-Shutdown versucht der Euro aktuell einen Ausbruch nach oben. Noch aber liegt er an der oberen Begrenzung der Flagge und der Marke von 1.1780 Dollar, einem Zwischenhoch vom Juli. Gelingt der Ausbruch, rückt die zentrale Hürde bei 1.20 Dollar in den Vordergrund. 

Scheitert der Versuch, droht auch ein Rücksetzer unter den 200-Stunden-Durchschnitt bei 1.1740 Dollar. Darunter könnten ein Test des letzten Flaggentiefs bei 1.1650 sowie der Unterstützung bei 1.1590 folgen. Spätestens dort dürften die Euro-Bullen erneut aktiv werden und einen neuen Anlauf in Richtung 1.20 Dollar starten. Ein Fall unter 1.1590 Dollar hingegen könnte zu raschen Folgeverlusten bis auf 1.15 Dollar führen.

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