Märkte zwischen KI, Zollentscheid und Nahost-Eskalation

Analysen
Analysen

VZ Monatsrückblick Februar

KI bleibt für die Märkte eines der dominierenden Themen – allerdings mit wechselnden Vorzeichen. Das Oberste US-Gericht setzte mit seinem Entscheid gegen Trumps Zölle ein Zeichen institutioneller Unabhängigkeit. Und die USA und Israel greifen den Iran an.

Publiziert 3. März 2026

Autor

Andreas Paciorek

Funktion Anlageexperte

Beschreibung

Während sich Anleger 2025 noch fragten, welches Unternehmen der grösste KI-Profiteur sein könnte, rückt nun stärker in den Fokus, welche Geschäftsmodelle unter Druck geraten könnten. Die laufende Berichtssaison bleibt dennoch robust: Rund drei Viertel der US-Unternehmen übertrafen die Erwartungen, der S&P 500 steuert auf das fünfte Quartal in Folge mit zweistelligem Gewinnwachstum zu. 

Im Rampenlicht stand Nvidia. Der Chiphersteller steigerte den Quartalsumsatz um 73 Prozent auf 68,1 Milliarden Dollar, übertraf die Erwartungen deutlich und stellte für das laufende Quartal erneut einen Umsatz über den Analystenschätzungen in Aussicht – ein klares Signal für die anhaltend hohe Nachfrage nach KI-Infrastruktur. 

In der Schweiz überzeugten viele Unternehmen mit ihren Jahreszahlen, wurden jedoch vom starken Franken oder unternehmensspezifischen Faktoren gebremst. Der neue CEO Navratil will Nestlé nach Führungswechseln und Rückrufen für Babynahrung strategisch neu ausrichten. 

SMI erklimmt 14'000 Punkte, Europas Wirtschaft holt auf 

Getrieben von besseren Perspektiven und dem Wunsch nach Diversifikation verbuchte Europa im Februar Rekordzuflüsse globaler Anleger. Der Euro Stoxx 600 markierte ein neues Allzeithoch. Auch der SMI konnte seine Gewinnserie weiter ausbauen und mit 14'000 Punkten bisher unerreichte Höhen erklimmen. 

Makroökonomisch bleibt das Bild konstruktiv. Die Einkaufsmanagerindizes in den USA verharren trotz leichter Abkühlung im expansiven Bereich, in der Eurozone und Japan verbesserten sie sich weiter. Europa wuchs im vierten Quartal um 0,3 Prozent und zog mit den USA gleich. In der Schweiz standen 0,2 Prozent Wachstum zu Buche, womit das Minus im dritten Quartal als Ausreisser erscheint. 

Geopolitik, Energiepreise und Anleihenmärkte 

Zum Monatsende führten die USA und Israel koordinierte Angriffe auf iranische Macht und Militärzentren durch, da die diplomatischen Formate und Verhandlungskanäle scheinbar scheiterten. Erste Marktreaktionen konzentrierten sich auf den Energiesektor: Mehrere große Ölkonzerne und Handelshäuser setzten ihre Transporte durch die Strasse von Hormus aus, was zu einer unmittelbaren Ausweitung der Ölpreis Risikoprämien führte. 

Das Urteil des Supreme Court, das einen Grossteil der von Trump verhängten Strafzölle für rechtswidrig erklärte, hatte nur begrenzte Auswirkungen auf Dollar und US-Renditen. Die US-Administration kündigte umgehend neue Zölle auf Basis von Section 122 des Trade Act an, womit der handelspolitische Kurs faktisch bestehen bleibt – befristet mit 10 Prozent für 150 Tage. Zwar dürfte Trump weiterhin versuchen, seine Zollpolitik durchzusetzen, allerdings wurde ihm ein wesentlicher Hebel genommen. 

Eine Parlaments-Neuwahl zugunsten einer schuldenfinanzierten Konjunkturpolitik im bereits hochverschuldeten Japan sorgte zunächst für Befürchtungen vor einem Abverkauf langlaufender Staatsanleihen und des Yen. Beide stabilisierten sich nach anfänglicher Volatilität rasch, was als Vertrauenssignal gegenüber der viertgrössten Volkswirtschaft interpretiert werden kann – und auch global für Beruhigung an den Anleihemärkten sorgte. 

In den USA sendet die Unabhängigkeit der Gerichte zudem ein Signal funktionierender Kontrollmechanismen. Die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen sank im Monatsverlauf von 4,24 auf 3,94 Prozent, während sie in der Schweiz von 0,23 auf 0,21 Prozent nachgab. 

Der sichere Hafen Franken unterstrich seine Rolle mit einem neuen Rekordhoch gegenüber dem Euro. Der Dollar erholte sich nach dem im Januar markierten Rekordtief leicht und schloss bei rund 77 Rappen.