Künstliche Intelligenz: Welche Schweizer Aktien profitieren

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VZ Analyse

Der KI-Vormarsch führt zu einem rasanten Ausbau der Rechenzentren. Auch Schweizer Unternehmen profitieren entlang der Wertschöpfungskette.

Publiziert 19. Nov. 2025

Autor

Ramon Hess

Funktion Anlageexperte

Beschreibung

Seit dem Durchbruch von KI-Modellen wie ChatGPT, Claude oder Google Gemini hat sich der Bedarf an Rechenleistung vervielfacht. Tech-Giganten wie Microsoft, Google, Amazon und Meta investieren Milliardenbeträge in neue Datencenter, um die wachsende Nachfrage nach KI-Diensten zu bedienen. In den USA sollen sich die Rechenzentrumskapazitäten bis 2030 etwa verdoppeln. China plant noch einen deutlich schnelleren Ausbau. Auch in Europa sollen sich die Kapazitäten im selben Zeitraum um rund 70 Prozent erhöhen.

Schweizer Unternehmen als Teil der Wertschöpfungskette

Von diesem gigantischen Investitionszyklus profitieren zahlreiche Schweizer Unternehmen als Zulieferer und Spezialisten. Anstatt direkt auf Tech-Giganten zu setzen, können Anleger indirekt über Industrie- und Technologiewerte aus der Schweiz am globalen Infrastruktur- und Zuliefergeschäft partizipieren.

Unter den SMI-Konzernen gehören ABB und Sika zu den Profiteuren dieser Entwicklung. ABB liefert intelligente Stromverteilungssysteme und Automatisierungslösungen, die für den stabilen Betrieb grosser Rechenzentren unverzichtbar sind. Der Konzern erzielt bereits rund sieben Prozent seines Jahresumsatzes mit Rechenzentrumsprojekten – Tendenz steigend. Der Bauchemiekonzern Sika hat laut eigenen Angaben weltweit über 1000 Datencenter mit Abdichtungssystemen, Brandschutz- und Bodenbeschichtungen ausgestattet. Die steigende Nachfrage nach energieeffizienten, langlebigen Baumaterialien dürfte die Position des Bauchemiekonzerns stärken.

Neben den bekannten SMI-Titeln sind auch spezialisierte Industrieunternehmen wie Huber+Suhner und Accelleron an der Wertschöpfungskette beteiligt. Huber+Suhner liefert Hochleistungs-Kabel- und Übertragungssysteme, die für die enorme Datenmenge in KI-Rechenzentren essenziell sind. Aktuell stammen rund 5 Prozent des Jahresumsatzes aus Datencenter-Aufträgen – mit deutlichem Wachstumspotenzial. Accelleron, ehemals die Abspaltung von ABB im Turboladergeschäft, profitiert mit Diesel-Notstromaggregaten für Serverhallen. Im ersten Halbjahr 2025 verkaufte das Unternehmen dreimal so viele Turbolader wie im Vorjahr.

Seit der Veröffentlichung von ChatGPT Ende 2022 konnten die genannten Unternehmen ihre Profitabilität kontinuierlich steigern. Mit Ausnahme von Sika spiegelte sich diese Entwicklung auch in der Börsenperformance wider: Die Aktien erzielten Kursgewinne zwischen 82 und 251 Prozent. Sika wurde 2025 durch Währungseffekte und der Schwäche des chinesischen Baumarkts gebremst, dürfte aber dank des zunehmenden Engagements im Rechenzentrumsbau künftig breiter und robuster aufgestellt sein.

Fazit

Der weltweite KI-Boom verändert die Industrielandschaft grundlegend. Während grosse US-Konzerne die Rechenzentren bauen, liefern Schweizer Unternehmen die Technologie, die sie am Laufen hält. Dank ihrer Spezialisierung auf Energieeffizienz, Präzision und Zuverlässigkeit positionieren sie sich als stille, aber zentrale Gewinner eines Megatrends, der erst begonnen hat.