VZ Analyse
Bitcoin und Ether zeigen sich trotz den Spannungen im Iran-Krieg überraschend robust. Viele fragen sich nun, ob es sich dabei bereits um eine nachhaltige Trendwende oder lediglich um eine kurzfristige Erholung handelt.
Publiziert 28. Apr 2026
Beschreibung
Zu Jahresbeginn galt der Kryptomarkt als angeschlagen. Mehrere Monate fallender Kurse hatten das Vertrauen vieler Anleger erschüttert. Bitcoin verlor im Januar 4 Prozent und im Februar weitere 22 Prozent, Ether gab im gleichen Zeitraum rund 35 Prozent nach.
Ein wesentlicher Treiber dieser Schwäche waren deutliche Kapitalabflüsse aus dem Markt. Besonders sichtbar wurde dies bei den US-Spot-Bitcoin-ETF, die im Januar Nettoabflüsse von rund 1,61 Milliarden Dollar und im Februar weitere rund 206 Millionen Dollar verzeichneten.
Ähnliche Muster zeigten sich auch bei anderen grossen Kryptowährungen: Solana brach allein im Februar um 31 Prozent ein.
Umso bemerkenswerter war die Entwicklung im März und April. Im Monatsverlauf verzeichneten beide Kryptowährungen moderate Kursgewinne. Trotz geopolitischen Spannungen rund um den Iran-Krieg, der Risikoanlagen in der Regel belastet, erzielten Bitcoin und Ether leichte Kursgewinne.
Die Erholung lässt sich im Wesentlichen auf drei Faktoren zurückführen:
- Positive ETF-Zuflüsse: Nach vier Monaten mit Nettoabflüssen verzeichneten US-Spot-Bitcoin-ETF im März und April wieder positive Nettozuflüsse von rund 1,32 Milliarden, respektive 2,44 Milliarden Dollar. Damit endete die längste Abflussphase seit der Einführung der Produkte.
- Steigende Liquidität durch Stablecoins: Im April stieg das Angebot des Stablecoins Tether um rund 5 Milliarden Dollar. Eine Studie zeigt, dass höhere Stablecoin-Emissionen mit kurzfristig höheren Renditen im Kryptomarkt einhergehen, da neu ausgegebene Stablecoins häufig für Käufe von Kryptowährungen verwendet werden.
- Umschichtung in Bitcoin und Ether: Während Bitcoin im März um 4,1 Prozent und Ether um 9,6 Prozent zulegten, blieben viele kleinere Kryptowährungen weiter unter Druck. Das deutet auf eine klassische "Flight to Quality" hin. Anleger reduzierten das Risiko in spekulativeren Altcoins und konzentrierten sich auf die beiden etabliertesten Marktführer.
Trotz dieser Stabilisierung bleibt die Gesamtbilanz seit Jahresbeginn deutlich negativ. Sowohl Bitcoin als auch Ether notieren klar unter ihren Niveaus zu Jahresbeginn und verzeichnen weiterhin zweistellige Verluste. Die Erholung im März und April hat damit vor allem einen Teil der vorangegangenen Verluste kompensiert, jedoch keinen nachhaltigen Trendwechsel ausgelöst.
Kaum Diversifikation innerhalb des Kryptomarkts
Ein zentrales strukturelles Merkmal des Kryptomarkts ist die sehr hohe Korrelation zwischen den einzelnen Kryptowährungen. Korrelation beschreibt, wie stark sich zwei Anlagen gleichzeitig bewegen. Ein Wert von 1 bedeutet, dass sich zwei Assets nahezu identisch entwickeln, ein Wert von 0 steht für keinen Zusammenhang, negative Werte für gegenläufige Bewegungen.
Im Kryptomarkt sind diese Zusammenhänge besonders ausgeprägt - allen voran rund um Bitcoin und Ether. Bitcoin fungiert nach wie vor als Taktgeber des gesamten Marktes: Die Korrelation von Bitcoin zu anderen grossen Kryptowährungen liegt durchwegs auf sehr hohem Niveau, etwa bei 0.93 zu Ether, 0.91 zu Solana oder 0.87 zu Ripple. Bewegt sich Bitcoin, folgt der Grossteil des Marktes.
Fazit
Die Entwicklung im bisherigen Jahresverlauf zeigt ein klares Muster: Die deutlichen Verluste zu Jahresbeginn waren vor allem durch Kapitalabflüsse und eine sinkende Marktliquidität geprägt, während die Stabilisierung im März und April wesentlich durch erneute Zuflüsse, steigende Stablecoin-Liquidität und eine Umschichtung zugunsten der etablierten Kryptowährungen getragen wurde.
Gleichzeitig deuten die weiterhin hohen Korrelationen darauf hin, dass sich der Kryptomarkt strukturell kaum diversifiziert hat. Für Anleger hat dies eine klare Konsequenz: Eine Streuung über mehrere Kryptowährungen reduziert das Risiko nur begrenzt, solange Bitcoin und Ether den Takt vorgeben. Der Kryptomarkt verhält sich damit weniger wie ein breit diversifiziertes Anlageuniversum, sondern vielmehr wie eine Risikoklasse, dominiert von Bitcoin und Ether.
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