KI-Boom: Kann die Rally bei ABB anhalten?

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ABB profitiert vom KI-Boom und dem allgemeinen Elektrifizierungstrend, doch kann der Höhenflug anhalten?

Publiziert 23. Febr. 2026

Autor

Jonas Wieckert

Funktion Anlageexperte

Beschreibung

ABB hat sich zum viertgrössten Titel im SMI entwickelt und macht inzwischen rund 8 Prozent des Index aus. Haupttreiber dieser Entwicklung ist die stark gestiegene Nachfrage nach Elektronik für Rechenzentren infolge des KI-Booms. Gleichzeitig zählen auch Energieversorger zu den wichtigsten Kunden von ABB. Sie müssen ihre Netze modernisieren und ausbauen, sowohl wegen der rasant wachsenden KI-Nachfrage als auch aufgrund weiterer Megatrends wie Elektromobilität und erneuerbare Energien.

Wie ist ABB positioniert?

ABB ist nicht der einzige Anbieter entsprechender Technologien. Die besondere Stärke des Konzerns liegt jedoch in der Breite seines Angebots: Es deckt sowohl die Elektrifizierungs- als auch die Automationsbereiche umfassend ab. ABB liefert praktisch alle Komponenten, die Rechenzentren für eine zuverlässige Energieinfrastruktur benötigen. Die Mittelspannungsanlagen des Unternehmens sind sogar für die modernsten Nvidia‑Chips geeignet.

Der Auftragseingang ist im vergangenen Jahr um über 30 Prozent gestiegen, und das Auftragsbuch ist mit rund 30 Milliarden Franken so voll wie nie. Das entspricht rund 20 Prozent mehr offenen Bestellungen als im Vorjahr.

Geografisch ist ABB breit aufgestellt: Jeweils rund ein Drittel des Umsatzes entfällt auf Europa, Asien‑Pazifik und die Region Americas. Diese Diversifikation ermöglicht es, schwaches Wachstum in einzelnen Märkten durch stärkeres Wachstum in anderen Regionen zu kompensieren. Gleichzeitig erhöhen globale Lieferketten die Risiken, etwa durch Zölle. ABB setzt daher verstärkt auf das «local for local»-Modell und produziert möglichst nahe am Endkunden.

Um sich noch deutlicher auf die Kernbereiche Elektrifizierung und Automation zu fokussieren, hat ABB beschlossen, seine Robotik‑Sparte an Softbank zu verkaufen. Der Abschluss der Transaktion wird für 2026 erwartet. Der erwartete Erlös liegt bei rund 4,3 Milliarden Franken.

Wie sieht ABB im Vergleich zur Konkurrenz aus?

Die wichtigsten Wettbewerber im Elektrifizierungssegment sind in der Tabelle aufgeführt. Der direkteste Vergleichspartner ist die französische Schneider Electric. Dieses Unternehmen hat jedoch weniger vom KI-Trend profitiert, da seine Stärken stärker im klassischen Netzgeschäft liegen als im Bereich der Rechenzentren.

 

Höhere Renditen erzielten zuletzt Siemens Energy und GE Vernova. Beide stellen unter anderem Turbinen für Kraftwerke her und verfügen über eine starke Position im Bereich intelligenter Stromnetze (Smart Grids). Ihre Wachstumserwartungen, gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis, liegen nochmals über denen von ABB. Doch auch ABB weist mit einem KGV von 29.6 eine erhöhte Bewertung auf. Der gesamte Sektor ist stark ins Jahr gestartet und gehört weiterhin zu den klaren Gewinnern des KI-Booms.

Sehr gut schneidet ABB zudem in Bezug auf finanzielle Risiken und Chancen im Bereich Umwelt, Gesellschaft und Unternehmensführung (ESG) ab. Das Unternehmen ist hervorragend positioniert, um vom Ausbau erneuerbarer Energien zu profitieren, und verfügt über eine aktionärsfreundliche Unternehmensführungsstruktur.

Auch Schneider Electric erzielt im ESG-Bereich eine sehr hohe Bewertung. GE Vernova schneidet gut ab. Siemens Energy befindet sich im Mittelfeld, vor allem aufgrund von Risiken in der Unternehmensführung. Eine Mehrheit der Verwaltungsräte ist nicht unabhängig. Die Hälfte sind Arbeitnehmervertreter, und es besteht weiterhin eine strukturelle Nähe zur Siemens AG. Beides kann potenziell zu Nachteilen für Aktionäre führen.

Alle vier Unternehmen zahlen Dividenden. Bei den besonders wachstumsstarken Siemens Energy und GE Vernova fällt die Dividendenrendite allerdings geringer aus. Bei ABB liegt sie aktuell bei rund 1.3 Prozent und das ex-Dividendendatum ist der 23. März 2026.

Fazit

ABB ist hervorragend positioniert, um von den aktuellen Megatrends zu profitieren. Das Unternehmen ist breit diversifiziert, verfügt über rekordhohe Aufträge und überzeugt auch bei der ESG-Bewertung. Allerdings spiegelt der aktuelle Aktienkurs bereits viel von dieser positiven Ausgangslage. Für ein Fortsetzung der Rally ist daher eine weiterhin hohe KI-Nachfrage entscheidend.

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