VZ Marktkommentar
Die japanischen Parlaments-Neuwahlen galten als möglicher Stolperstein – entpuppten sich aber als Beruhigungsmittel. Statt höherer Renditen und schwächerem Yen gab es neue Aktienhöchststände und stabile Anleihen.
Publiziert 10. Febr. 2026
Beschreibung
Im Vorfeld der Wahl war die Stimmung unter Anlegern angespannt: Einerseits hofften viele Anleger auf einen klaren Sieg der Regierungspartei LDP, um politische Stabilität zu sichern. Andererseits gab es genau wegen eines deutlichen Wahlsiegs die Befürchtung, dass die neue Regierung ihre fiskalischen Spielräume zu stark ausweiten würde – mit höheren Staatsanleiherenditen und einem schwächeren Yen als Folge.
Erdrutschsieg beflügelt die Aktienmärkte
Japans Regierungschefin wollte mit der vorgezogenen Parlamentswahl ihre Position festigen – und dieses Kalkül ging auf. Die regierende LDP erreichte bei der Parlamentswahl am 8. Februar eine Zweidrittelmehrheit. Das Ergebnis reduziert politische Unsicherheit und stärkt das „Japan is back“-Narrativ. Am Montag sprang der Nikkei 225 um rund 4 Prozent und markierte zwischenzeitlich ein Rekordhoch von über 57.000 Punkten.
Deutlich weniger spektakulär reagierten die Anleihe- und Devisenmärkte: Zwar sind die Renditen 10‑jähriger japanischer Staatsanleihen in den letzten zwei Jahren deutlich gestiegen – von rund 0,50 Prozent Anfang 2023 auf 2,35 Prozent in der Spitze dieses Jahr –, doch im direkten Umfeld der Wahl blieben sie überraschend stabil. Aktuell notieren sie leicht darunter. Angesichts Japans hoher Staatsverschuldung ist dieses Renditeniveau zwar historisch bedeutsam, doch Marktteilnehmer scheinen das Ergebnis als Signal für politische Berechenbarkeit zu werten – und nicht als Auslöser für eine neue Schuldenwelle.
Auch der Yen schwächte sich zunächst ab, gewann dann aber wieder an Boden und pendelte sich zuletzt bei rund 156 Yen zum US-Dollar ein. Marktbeobachter führen das unter anderem auf die Erwartung koordinierter Interventionen von BoJ und Fed zurück, sollte es zu übermäßigen Yen-Bewegungen kommen.
Gründe für den Anstieg: Die breite Mehrheit schafft Vertrauen. Anleger setzen auf:
- Politische Stabilität: Ein klar mandatiertes Parlament senkt das Risiko von Blockaden und sorgt für berechenbare Politik.
- Technologie- und Industriepolitik: Die Regierung fördert Zukunftsbranchen massiv, etwa durch milliardenschwere Subventionen für Halbleiter. Japans Rolle im globalen "Friend-Shoring" (Diversifizierung von China weg) macht das Land zum strategischen Technologieprofiteur.
- Hoffnung auf einen verantwortungsvollen Kurs: Um die Sorgen zu dämpfen, betonte Premierministerin Takaichi zuletzt, fiskalische Disziplin walten zu lassen – etwa, indem die Senkung der Lebensmittelsteuer nicht über neue Schulden finanziert werde. Das stärkt das Vertrauen in die Fiskaldisziplin und somit auch in japanische Staatsanleihen.
- Rückfluss ins Inland: Japanische Grossinvestoren könnten angesichts steigender heimischer Renditen Kapital aus dem Ausland abziehen und lokal reinvestieren – was sowohl den Yen als auch Anleihen stützen würde.
Notenbanken warten im Hintergrund
Schliesslich spielt die Notenbank eine entscheidende Rolle. In den Tagen vor der Wahl mehrten sich Hinweise, dass die Bank of Japan (BoJ) im Zweifel – und vielleicht sogar in Zusammenarbeit mit der US-Notenbank Fed – gegen extreme Yen-Schwäche eingreifen würde. Als kritische Yen-Marke werden 160 Yen zum Dollar gesehen. Allein diese Drohung reichte aus, um jüngst spekulative Wetten gegen den Yen zurückzudrängen.
Was bedeutet das für Anleger?
Die Wahl vermittelt zunächst Kontinuität, Stabilität und den Eindruck wirtschaftlicher Normalisierung in Japan. Sollte die Premierministerin fiskalpolitische diszipliniert verhalten, dürfte sich der bereits seit Jahren zu beobachtende Aufschwung in Japan fortsetzen.
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