Börsenbericht
Der Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran hält die globalen Finanzmärkte in Atem. Ein Überblick, wie Aktien, Währungen und Rohstoffe auf die aktuellen Ereignisse reagieren.
Publiziert vor 4 Stunden
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Aktualisiert um 15:47 Uhr
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Aktien: Europäische Börsen unter Druck
- SMI: Der Schweizer Leitindex handelt am Nachmittag 0,2 Prozent schwächer.
- DAX: Der deutsche Leitindex gibt aktuell 0,9 Prozent ab.
- Euro Stoxx 50: Der Index mit den 50 grössten Werten Europas notiert aktuell 0,8 Prozent schwächer.
- Wall Street: Die US-Indizes reduzieren kurz nach Eröffnung ihr anfängliches Minus: Der S&P 500 verliert aktuell noch 0,4 Prozent, der Nasdaq 100 rund 0,7 Prozent.
- Asien: Die asiatischen Börsen zeigen seit Tagen eine heftige Volatilität, die Ausschläge sind in beide Richtungen beachtlich. Japans Aktien (Nikkei) schliessen am Donnerstagmorgen 0,3 Prozent schwächer, der südkoreanische Kospi 3,2 Prozent tiefer. In Hongkong verliert der Hang Seng 1,9 Prozent.
Öl und Gas im Fokus
Die strategische Bedeutung des nahen Ostens für die weltweite Energieversorgung sorgt für einen massiven Preisschub. Besonders die Strasse von Hormus, durch die ein Grossteil der globalen Öl- und Gasexporte transportiert wird, gilt nun als kritische Variable. Nach dem jüngsten Preisschub stabilisierten sich die Ölpreise inzwischen wieder.
- Rohöl (Brent): Der Ölpreis reagiert volatil auf Trumps Signale zu möglichen Gesprächen mit dem Iran und einer befristeten Zurückhaltung bei Angriffen auf Energieanlagen. Nachdem der Preis übers Wochenende auf 113 Dollar stieg, kostet das Barrel heute Morgen rund 101 Dollar.
- Erdgas: Der europäische Benchmark‑Gaspreis fällt wieder unter 60 Euro auf aktuell noch 51 Euro/MWh.
Die Bedeutung des Gaspreis-Sprungs: Ein Anstieg in dieser Höhe ist ein Alarmsignal für die europäische Industrie und die Privathaushalte. Er spiegelt die Sorge wider, dass Lieferungen aus der Region (insbesondere LNG aus Katar) längerfristig unterbrochen bleiben könnten. Sollte dieses erhöhte Preisniveau andauern, droht eine neue Inflationswelle, die die Bemühungen der Zentralbanken um Zinssenkungen zunichtemachen könnte.
Währungen: Flucht in den "sicheren Hafen" Franken wird schwächer – Euro knapp über 91 Rappen
Der Euro kostet aktuell rund 91,6 Rappen. Für einen Dollar werden gut 79 Rappen bezahlt.
Edelmetalle und Bitcoin
Die Feinunze Gold notiert aktuell bei 4440 Dollar, Silber bei gut 68 Dollar. Bitcoin pendelt weiterhin um die 70'000-Dollar-Marke.
Politische Signale und Entwicklungen
Der Iran hat nach Angaben der Nachrichtenagentur Tasnim seine Antwort auf den 15-Punkte-Vorschlag der USA zur Beendigung des Kriegs über Mittelsmänner übermittelt und wartet nun auf eine Reaktion aus Washington. In einer ersten Einschätzung stuft Teheran den Vorschlag als "einseitig und unfair" ein, da er die iranische Selbstverteidigungsfähigkeit aufgeben lassen würde, während die Aufhebung von Sanktionen vage bleibt. Zuvor hatten das Präsidialamt und die Revolutionsgarden erklärt, den US-Plan abgelehnt und stattdessen eigene Vorschläge für eine Waffenruhe vorgelegt.
Ein hochrangiger iranischer Beamter erklärte gegenüber Reuters, dass derzeit keine Vereinbarung für Verhandlungen existiert und keine realistischen Pläne für Gespräche erkennbar seien. Gleichzeitig betonte er, dass die Diplomatie nicht beendet sei und bei einem realistischen Vorgehen in Washington noch ein Weg zu Lösungen gefunden werden könnte.
Deutschlands grösste Container-Reederei Hapag-Lloyd muss wegen des Iran-Kriegs wöchentlich 40 bis 50 Millionen US-Dollar Zusatzkosten stemmen, die auf Dauer nicht tragbar seien, erklärte Konzernchef Rolf Habben Jansen. Sechs Schiffe mit 150 Crewmitgliedern sitzen derzeit im Persischen Golf fest, Versorgung mit Lebensmitteln und Wasser sei aber gesichert. Das Unternehmen nutzt jede Gelegenheit, auch mit der iranischen Führung zu sprechen, um die Schiffe aus der Gefahrenzone zu bringen.
US-Präsident Donald Trump hat seine Nato-Partner erneut scharf kritisiert, weil sie sich nicht an der Sicherung der Strasse von Hormus beteiligen wollen. Auf Truth Social warf er den Verbündeten mangelnde Unterstützung vor und machte deutlich, dass Washington diese Haltung nicht vergessen werde.
Das US-Militär sieht die iranischen Streitkräfte nach fast einem Monat Offensive massiv geschwächt. Laut dem US-Regionalkommando Centcom wurden über 10'000 Ziele angegriffen, darunter ein grosser Teil der Raketen-, Drohnen- und Marinekapazitäten.
Mehrere Länder in Europa reagieren mit Entlastungsmassnahmen auf die stark gestiegenen Energiepreise. Frankreich, Polen, Deutschland und weitere Staaten prüfen oder beschliessen Hilfen für Haushalte und Unternehmen, während die G7 die Lage am Montag beraten wollen.
US-Präsident Trump bestätigt geheime Verhandlungen mit dem Iran, trotz öffentlicher Dementis Teherans. Er warnt, dass die USA bei weiteren Provokationen "die Hölle loslassen" würden. Unterdessen blockiert der Iran die Strasse von Hormus.
Laut Medienberichten haben die USA dem Iran einen 15‑Punkte‑Plan zur Beendigung des Nahostkonflikts vorgelegt. Gefordert werden unter anderem die Stilllegung von Atomanlagen, die Sicherstellung des freien Schiffsverkehrs in der Strasse von Hormus sowie der Verzicht auf Atom‑ und Langstreckenwaffen. Die iranische Führung prüft laut Aussenminister Abbas Aragtschi US‑Vorschläge für ein Kriegsende, schliesst aber direkte Gespräche weiterhin aus. Teheran fordert ein dauerhaftes Ende des Konflikts sowie Entschädigungen und ruft Nachbarstaaten zur Distanz gegenüber den USA auf. In einem TV‑Interview erklärte Aragtschi: Man habe derzeit keine Absicht, mit den USA zu verhandeln.
Derweil liess der britische Botschafter in Israel, Simon Walters, verlauten, dass London mit Partnern einen Plan zum Schutz der internationalen Schifffahrt in der Strasse von Hormus ausarbeite. Diese Woche will das Vereinigte Königreich über 30 Staaten zu Sicherheitsgesprächen einladen. Ziel ist eine rasche Stabilisierung der Region und Eindämmung iranischer Bedrohungen.
Die israelische Armee hat nach eigenen Angaben grossangelegte Angriffe auf iranische Infrastruktur geflogen, unter anderem in der Region Isfahan. Ziel seien Einrichtungen des "iranischen Terrorregimes" gewesen. Die Vereinigten Arabischen Emirate meldeten Angriffe mit Raketen und Drohnen aus dem Iran. Die Luftabwehr sei im Einsatz, Angaben zu Schäden oder Opfern lagen zunächst nicht vor.
Die Huthi‑Miliz im Jemen will sich nach eigenen Angaben nicht aktiv am Iran‑Krieg gegen die USA und Israel beteiligen. Trotz ideologischer Nähe zum Iran liege die Entscheidung über eine Kriegsteilnahme ausschliesslich beim Jemen.
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