Iran-Konflikt erschüttert den Erdgasmarkt: Das sind die Folgen

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Angriffe auf zentrale Produktionsanlagen treiben die Energiepreise und drohen das globale Angebot einzuschränken. Die Konsequenzen reichen weit über den Energiesektor hinaus.

Publiziert 25. März 2026

Autor

Ramon Hess

Funktion Anlageexperte

Beschreibung

Seit der Eskalation des Nahostkonflikts haben sich die Preise für europäisches Erdgas nahezu verdoppelt. Zunehmend rücken dabei Förderanlagen in den Fokus militärischer Angriffe.

So griff Israel vergangene Woche das iranische Gasfeld South Pars an – eines der weltweit grössten Vorkommen. Der Iran reagierte mit Angriffen auf Ölraffinerien in Saudi-Arabien und Kuwait. Besonders schwer wiegt jedoch der Angriff auf die Flüssiggasanlage Ras Laffan in Katar, einem zentralen Knotenpunkt des globalen LNG-Marktes.

Die unmittelbare Folge dieser Eskalation war ein erneuter Preisschub bei Erdgas und Rohöl. Mittel- bis langfristig könnte jedoch insbesondere die Beschädigung am Exportterminal von Ras Laffan starke Auswirkungen entfalten.

Erste Schätzungen gehen von Reparaturzeiten von drei bis fünf Jahren aus. Da Ras Laffan für rund 20 Prozent der globalen Flüssiggasproduktion verantwortlich ist, wird sich das weltweite Angebot stark verknappen.

Selbst bei einer Entspannung der geopolitischen Lage – etwa einer Wiederöffnung der Strasse von Hormus – dürfte das globale Angebot damit strukturell eingeschränkt bleiben. Die Folge: anhaltend hohe oder weiter steigende Energiepreise.

Breitenwirkung über Nebenprodukte

Die Konsequenzen dieser Entwicklung reichen weit über den Energiesektor hinaus. Die Breitenwirkung zeigt sich über die Nebenprodukte der Gasverarbeitung.

So sind Nebenprodukte von Erdgas zentrale Inputfaktoren für Düngemittel, Helium und Basischemikalien der Industrie.

Im Agrarbereich steigen die Düngemittelpreise deutlich, was sich bereits in höheren Agrarpreisen zeigt.

Noch kritischer ist die Situation bei Helium: Als unverzichtbares Kühlmittel in der Halbleiterproduktion und in der Medizintechnik ist es kaum substituierbar. Während sich die Halbleiterindustrie bisher stabil hält, zeigt die Medizintechnikbranche deutlich negative Tendenzen.

Der Engpass verschärft die ohnehin angespannten Lieferketten in der Chipindustrie weiter. Länder wie Taiwan und Südkorea produzieren rund 80 Prozent der weltweiten Speicherchips und beziehen einen Grossteil der Heliumimporte aus der Golfregion. 
Produktionsausfälle hätten weitreichende Folgen, die Technologie-Unternehmen wie Tesla, Nvidia oder Apple direkt treffen.

Auch die Chemieindustrie gerät zunehmend unter Druck. Neben steigenden Inputkosten führen Exportrestriktionen – etwa aus China und Indien – zu zusätzlichen Verwerfungen. Unternehmen reagieren bereits mit Produktionskürzungen und Preisanpassungen.

Damit verschiebt sich das Risiko von einem Energiepreisschock hin zu einem breiteren industriellen Angebotsproblem. Für Anleger bedeutet dies ein Umfeld mit erhöhten Unsicherheiten. Während rohstoffnahe Sektoren profitieren, steigen die Risiken für Branchen, welche von den Nebenprodukten abhängig sind.

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