VZ Analyse
Der Börsengang von SpaceX hat neue Massstäbe gesetzt. Doch die entscheidende Frage für Anleger lautet: War dieser starke Handelsstart aussergewöhnlich, und was können Anleger mittelfristig erwarten?
Publiziert 17. Jun 2026
Beschreibung
Mit dem Börsendebüt von SpaceX erreichte der IPO Markt im Juni einen neuen Höhepunkt. Das Unternehmen sammelte rund 85 Milliarden US Dollar ein und wurde mit etwa 2,1 Billionen US Dollar bewertet - die grösste Neuemission der Börsengeschichte.
Entsprechend dynamisch verlief der Handelsstart: Die Aktie wurde zu 135 US Dollar emittiert, eröffnete bei rund 150 US Dollar und schloss den ersten Handelstag mit einem Plus von 19,2 Prozent. Auch am zweiten Handelstag resultierte ein Kursplus von beinahe 20 Prozent.
Auf den ersten Blick wirkt die Entwicklung spektakulär. Ein Blick in die Geschichte zeigt jedoch, dass ein solcher Auftakt keineswegs die Ausnahme ist.
Wie sich IPOs am ersten Handelstag entwickeln
Der starke Start von SpaceX wirft eine zentrale Frage auf: Ist das aussergewöhnlich oder historisch betrachtet die Regel?
Die folgenden Auswertungen basieren auf einer langfristigen Analyse des US IPO Markts von Jay Ritter (University of Florida), die das VZ hier untersucht hat.
Historisch betrachtet erzielen IPOs zwischen 1980 und 2025 im Mittel am ersten Handelstag eine Rendite von 19,0 Prozent.
Der Auftakt von SpaceX liegt damit sehr nahe am langfristigen Durchschnitt.
Die Erklärung dafür ist struktureller Natur: Unternehmen gehen typischerweise bewusst mit einem Abschlag an die Börse, um Nachfrage zu erzeugen und einen erfolgreichen Börsenstart sicherzustellen. Ein positiver erster Handelstag ist deshalb nicht zwingend ein Zeichen von aussergewöhnlicher Stärke, sondern eine strukturelle Eigenschaft von IPOs.
Besonders ausgeprägt zeigt sich dieses Muster bei Technologieunternehmen. Technologie IPOs weisen im untersuchten Zeitraum mit einer mittleren Ersttagesrendite von 31,2 Prozent eine deutlich höhere Rendite auf als Nicht-Technologieunternehmen mit 12,1 Prozent.
Die Entwicklung ein Jahr nach dem IPO
Der erste Handelstag erzählt jedoch nur einen Teil der Geschichte. Für Anleger stellt sich die entscheidendere Frage: Was bleibt nach einigen Monaten oder nach einem Jahr vom IPO Hype übrig?
Die historischen Daten zeichnen hier ein deutlich differenzierteres Bild. Zwar starten viele Börsenneulinge positiv, doch im Durchschnitt können diese Unternehmen die Gewinne nicht halten.
So erzielten die IPOs des Jahres 2024 eine mittlere Rendite von -17,4 Prozent im darauffolgenden Jahr.
Über den gesamten Zeitraum von 1980 bis 2024 betrachtet, lag die mittlere 1-Jahres-Rendite nach dem Börsengang bei 5,6 Prozent. Das klingt positiv, doch vergleicht man diesen Wert mit der Marktrendite, so erzielten IPOs eine durchschnittliche Minderrendite von 20,5 Prozent.
Fazit
Der Börsengang von SpaceX zeigt eindrücklich, wie viel Dynamik im IPO Markt steckt.
Gleichzeitig relativiert der Blick auf die Daten die vermeintliche Ausnahmestellung des Unternehmens: Ein starker erster Handelstag ist kein Sonderfall, sondern ein strukturelles Merkmal von Börsengängen.
Für Anleger rückt damit eine andere Perspektive in den Fokus. Entscheidend ist nicht, wie eindrücklich der Start verläuft, sondern wie sich die Aktie in den Monaten und Jahren danach entwickelt.
Gerade hier mahnt die Geschichte zur Vorsicht: Viele IPOs können ihre anfänglichen Gewinne nicht verteidigen und bleiben mittelfristig hinter dem Gesamtmarkt zurück. Ein erfolgreicher Börsenstart ist daher noch kein verlässlicher Indikator für nachhaltige Renditen.
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