Intel: Ist die Wende des einstigen Branchenprimus geglückt?

Analysen
Analysen

VZ Analyse

Nach den Quartalszahlen ist der Kurs von Intel nach oben geschossen - damit haben sich die Aktien auf Jahressicht mehr als verdreifacht. Lohnt sich ein Einstieg noch immer?

Publiziert 27. Apr 2026

Autor

Jonas Wieckert

Funktion Anlageexperte

Beschreibung

Kaum eine Aktie dieser Grösse hat sich in den vergangenen Monaten so stark zurückgekämpft wie jene von Intel: Der Kurs hat sich innerhalb eines Jahres fast vervierfacht. Seit der neue CEO vor rund einem Jahr das Ruder übernommen hat, scheint die lange Phase, in der Intel als Abstiegskandidat der Halbleiterbranche galt, nahezu vergessen. Das Unternehmen hatte zuvor unter Jahren voller Verzögerungen, verpasster Technologieschritte und schwindender Marktanteile gelitten. Im Gleichschritt mit dem einbrechenden Umsatz stürzte auch der Aktienkurs ab (vgl. Grafik). 

Während der frühere Branchenprimus mit tiefgreifenden Strukturproblemen kämpfte, zogen Konkurrenten wie AMD, Nvidia und vor allem der Auftragsfertiger TSMC davon. 

Mit den jüngsten Quartalszahlen, die über den Erwartungen ausfielen, hat Intel das bisherige Allzeithoch aus der Dot-Com-Zeit übertroffen – obschon das Unternehmen weiterhin Verluste schreibt. Positiv ins Gewicht fällt jedoch, dass der Umsatz im letzten Quartal erstmals wieder gewachsen ist und die Erwartungen der Analysten übertroffen hat. Auch der Ausblick fiel überraschend kräftig aus. Ist also jetzt der richtige Zeitpunkt, um wieder in Intel zu investieren?

Das spricht für Intel

Hohe KI‑Nachfrage
Der KI‑Boom hat mittlerweile auch den Prozessorenmarkt erfasst. Moderne KI‑Server benötigen leistungsfähige CPUs, und der massive Ausbau entsprechender Infrastruktur ermöglicht es den beiden dominierenden Anbietern Intel und AMD, höhere Preise für Server‑Prozessoren durchzusetzen. Intel dürfte in diesem Umfeld von steigenden Umsätzen und verbesserten Margen profitieren.

Gute Vernetzung und technologischer Aufholprozess
Intel unterhält enge Beziehungen zu zahlreichen grossen KI‑Kunden wie Amazon oder Google. Vergangene Woche gab Tesla bekannt, für sein Terafab‑KI‑Projekt auf Intels neuen 14A‑Fertigungsprozess im 2‑Nanometer‑Bereich zu setzen. Diese Entscheidung signalisiert, dass Intel die technologische Lücke zu Konkurrenten wie TSMC deutlich verkleinert hat und zunehmend auch als Auftragsfertiger konkurrenzfähig ist. Zusätzlich stärkt eine strategische Partnerschaft mit Nvidia im Bereich KI und Rechenzentren die Position des US‑Chipkonzerns. Im September des vergangenen Jahres hatte Nvidia einen Anteil von rund 4 Prozent an Intel erworben.

Gutes ESG-Risikomanagement
Auch aus ESG‑Sicht (Umwelt, Gesellschaft und Unternehmensführung) überzeugt Intel zunehmend. Das Unternehmen verfügt über etablierte Mitarbeiter-Kommunikations‑ und Beschwerdesysteme und fördert den Talentaufbau aktiv, unter anderem durch Aus‑ und Weiterbildungsprogramme. Auch bei Umweltrisiken ist der Konzern gute positioniert. Hier ist besonders der hohe Wasserverbrauch bei der Chipherstellung ein Risiko. Intel stellt die Wasserversorgung sicher und optimiert den Wasserverbrauch.

Das Unternehmen verfügt über einen unabhängigen Verwaltungsrat und eine gute Bonus- und Anreizstrukur für das Management. Die bereits erzielten und oben erwähnten Erfolge zeugen von der Effizienz der Unternehmensführungsstrukturen.

Das spricht gegen Intel

Noch fehlende Profitabilität
Trotz aller operativen Fortschritte bleibt die finanzielle Realität ernüchternd. Intel verdient bislang kaum Geld mit seinem Umbau. Sowohl 2025 als auch im ersten Quartal 2026 schrieb der Konzern erneut Verluste, und für das laufende Jahr stellt das Management bestenfalls eine schwarze Null in Aussicht. Vor allem die Auftragsfertigung (Foundry), das Herzstück des strategischen Neuanfangs, verursacht weiterhin operative Verluste in Milliardenhöhe. Der definitive Beweis, dass modernste Fertigungstechnologie auch wirtschaftlich profitabel betrieben werden kann, steht noch aus.

Hinzu kommt der enorme Kapitalbedarf. Der Aufbau und Betrieb führender Chipfabriken verschlingt jährlich mehr als 20 Milliarden Dollar. Trotz staatlicher Unterstützung verbrennt Intel weiterhin viel Cash. Solange keine grossen externen Kunden mit signifikanten Volumen in die Werke kommen, bleibt die Auslastung ein Risiko und damit auch die Marge.

Hohe Bewertung
Schliesslich ist auch die Bewertung zu einem möglichen Stolperstein geworden. Nach dem starken Kursanstieg wird Intel an der Börse mit sehr hohen Erwartungen gehandelt. Das vorausschauende Kurs‑Gewinn‑Verhältnis liegt mit rund 43 deutlich über jenem der meisten Konkurrenten, deren Durchschnitt bei etwa 22 liegt.

Ein grosser Teil des erhofften Erfolgs scheint damit bereits eingepreist. Enttäuschungen bei der Auslastung der Fabriken, Verzögerungen beim neuen 14A‑Verfahren oder Engpässe bei komplementären Produkten könnten den Aktienkurs rasch wieder unter Druck bringen.

Fazit

Intel hat ohne Zweifel geliefert – technologisch, strategisch und kulturell. Das Unternehmen ist heute deutlich besser aufgestellt als noch vor zwei Jahren, der völlige Bedeutungsverlust ist vom Tisch. Von einem abgeschlossenen Turnaround zu sprechen, wäre jedoch verfrüht. Der Umbau ist glaubwürdig, aber teuer, risikobehaftet und bisher nicht profitabel.

Der Aktienkurs hat die Trendwende klar geschafft. Angesichts der jüngsten, explosionsartigen Kursanstiege sollten Anleger dennoch Vorsicht walten lassen. Kurzfristige Korrekturen sind bei Intel durchaus möglich. Gelingt es dem Unternehmen jedoch, die Profitabilität nachhaltig zu steigern und vom anhaltenden KI‑Boom zu profitieren, bleibt weiteres Wachstumspotenzial bestehen. Intel ist auf einem guten Weg, aber noch nicht am Ziel.

Disclaimer: Alle Angaben ohne Gewähr. Bei den aufgezeigten Informationen handelt es sich um Werbung gemäss Art. 68 FIDLEG.