Gründe, weshalb der Gold-Höhenflug erst begonnen hat

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Ein Blick in die Vergangenheit zeigt: Gold übertrifft in Phasen hoher Schulden, hoher Inflation und erhöhter Marktunsicherheit häufig die Aktienrenditen. Vieles deutet darauf hin, dass ein neuer Goldzyklus erst gerade begonnen hat.

Publiziert 6. Jan 2026

Autor

Ramon Hess

Funktion Anlageexperte

Beschreibung

Im vergangenen Jahr war Gold kaum zu stoppen. Mit einem Plus von über 60 Prozent in der Handelswährung Dollar gehörte Gold zu den besten Anlageklassen überhaupt. Auch in Franken vermochte das Edelmetall zu überzeugen, die Rendite betrug auf Jahressicht immer noch rund 40 Prozent. Auch der Start ins neue Jahr ist geglückt. Alleine zu Beginn der Woche legt Gold fast 3 Prozent zu. 

Viele Anlegerinnen und Anleger stellen sich nun die Frage, ob die Kurse bald ihren Zenit erreicht haben – oder ob die Rally auch im laufenden Jahr weitergehen könnte. Zur Einordnung kann ein Blick in die Vergangenheit helfen. 

So zeigt die Geschichte wiederkehrende Phasen, in denen Gold Aktien langfristig hinter sich liess. Allerdings offenbart eine Analyse der Über- und Unterrenditen von Gold gegenüber Aktien klare Muster: Die 1940er, 1970er und 2000er Jahre waren jeweils Phasen, in denen Gold die Aktienmärkte deutlich übertraf.

Die 1940er-Jahre: Hohe Staatsverschuldung

Der Zweite Weltkrieg führte in den Industrieländern zu einem sprunghaften Anstieg der Staatsverschuldung. Um die Tragfähigkeit dieser Schulden sicherzustellen, hielten Regierungen und Zentralbanken die Nominalzinsen über Jahre hinweg künstlich niedrig. Gleichzeitig zog die Inflation an, was zu anhaltend negativen Realzinsen führte. Diese Form der finanziellen Repression entwertete nominale Vermögenswerte wie Anleihen und belastete auch die Aktienrenditen. Gold erfüllte in diesem Umfeld seine klassische Funktion als realer Wertspeicher und gewann relativ an Attraktivität.

Die 1970er-Jahre: Inflationsschock und Währungsunsicherheit

Mit dem Ende des Bretton-Woods-Systems 1973 und den Ölpreisschocks 1973 und 1979 wandelte sich das makroökonomische Umfeld grundlegend. Die Inflation entglitt der Kontrolle und das Nachkriegs-Wirtschaftswachstum der westlichen Industrieländer fand vorerst ein Ende. Die Realzinsen fielen deutlich ins Negative, und das Vertrauen in Papierwährungen nahm spürbar ab. Gold entwickelte sich in dieser Phase zum zentralen Inflationsschutz und erzielte über ein Jahrzehnt eine massive Outperformance gegenüber Aktien.

Die 2000er-Jahre: Bewertungsrotation und Finanzkrise

Nach dem Platzen der Dotcom-Blase zu Beginn der 2000er-Jahre und der globalen Finanzkrise 2008 kam es zu einer längeren Phase der Bewertungsnormalisierung an den Aktienmärkten. Anleger wandten sich von Wachstumsaktien ab und investierten in Edelmetalle. Gold profitierte vom nachlassenden Vertrauen in das Finanzsystem und von der expansiven Geldpolitik der Zentralbanken. Die massiv angestiegene Staatsverschuldung verstärkte die Flucht in sichere Anlagen zusätzlich. Ein neuer Goldzyklus startete, geprägt von System- und Vertrauensrisiken.

Die Zutaten für einen neuen Zyklus

Heute deutet nicht nur ein einzelnes Signal auf den Beginn eines neuen Goldzyklus hin, sondern alle drei strukturellen Faktoren treten vereint auf:

  • Schuldenüberhang: Die globale Staatsverschuldung hat historische Höchststände erreicht. Frühere Episoden zeigen, dass der Abbau solcher Lasten häufig über finanzielle Repression und moderate Inflation erfolgt – ein Umfeld, in dem Gold typischerweise profitiert.
     
  • Inflationsrisiken: Zwar liegt die Inflation derzeit deutlich unter den Extremwerten der 1970er-Jahre, doch in den USA bleibt sie über dem Ziel der Federal Reserve. Langfristige Treiber wie demografische Entwicklungen, geopolitische Fragmentierung und strukturelle Angebotsengpässe erhöhen das Risiko erneuter Inflationsschübe.
     
  • Bewertungsungleichgewichte an den Aktienmärkten: Die US-Aktienmärkte sind stark auf wenige Mega-Cap-Titel konzentriert, deren Bewertungen historisch hoch sind. Unabhängig davon, ob diese gerechtfertigt sind, befeuert dies Spekulationen über mögliche Blasen. Solche Bewertungsunsicherheiten lenken Anleger traditionell in Gold als sicheren Hafen.

Zusätzlich verstärken aktuelle geopolitische Spannungen sowie die zunehmende Nachfrage von Zentralbanken nach Gold den aktuellen Preistrend.

Die jüngste Bewegung des Gold-Aktien-Verhältnisses über die Nulllinie kann als frühes Signal interpretiert werden, dass Gold erneut relative Stärke gegenüber Aktien aufbaut. Die gleichzeitige Präsenz hoher Schulden, Inflationsunsicherheit, optimistischer Bewertungen und geopolitischer Risiken vereint die zentralen Vorläufer früherer Goldzyklen – und spricht dafür, dass der aktuelle Zyklus relativer Goldstärke noch am Anfang stehen könnte.

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