Gold nach dem Rückschlag: Einstiegschance oder Warnsignal?

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Noch Ende Januar jubelten Goldanleger über ein historisches Allzeithoch. Heute notiert das Edelmetall rund 21 Prozent tiefer. Was steckt hinter dem Rückschlag – und bietet die Korrektur nun eine attraktive Einstiegsmöglichkeit?

Publiziert 10. Jun 2026

Autor

Luca Liebi

Funktion Anlageexperte

Beschreibung

Heute fiel Gold zwischenzeitlich unter 4200 Dollar je Feinunze und erreichte damit den tiefsten Stand seit Mitte Dezember 2025. Auch Silber und Bitcoin gerieten massiv unter Druck. Auslöser waren robuste US-Arbeitsmarktdaten, die die Erwartung steigender US-Leitzinsen noch in diesem Jahr befeuerten. Damit setzt sich eine Entwicklung fort, die den Goldmarkt bereits seit dem Jahreswechsel beschäftigt.

Der paradoxe Einbruch während des Krieges 

Dass Gold ausgerechnet in einer geopolitischen Krise deutlich an Wert verliert, verblüfft viele Anleger. Nach dem Ausbruch des Krieges im Nahen Osten am 28. Februar verlor Gold im März knapp zwölf Prozent an Wert. Der Rückgang markiert den stärksten monatlichen Verlust seit Oktober 2008. 

Der Grund: Anleger versuchten, ihr Markt-Exposure zu reduzieren und ihre Liquidität zu erhöhen. Dieses Verhalten ist nicht ungewöhnlich in der frühen Phase einer Krise. Gleichzeitig trieb der Krieg die Energiepreise in die Höhe und verstärkte die Inflationserwartungen. In der Folge stiegen die Zinserwartungen, was Gold zusätzlich belastete. 

Anstatt in den vermeintlich sicheren Hafen Gold zu flüchten, trennten sich viele Anleger von ihren Positionen, es kam zu Abverkäufen. 

Wo stehen wir heute – und warum die Korrektur nicht nur negativ ist 

Trotz der Korrektur lohnt sich ein nüchterner Blick auf die Zahlen: Gegenüber Anfang 2025 liegt der Goldpreis weiterhin klar im Plus. Nach der jüngsten Korrektur notiert Gold ungefähr wieder auf dem Niveau von Jahresbeginn 2026.

Bemerkenswert bleibt die institutionelle Rückendeckung des Goldpreises: Goldman Sachs bestätigte nach der Korrektur im März ihr Kursziel von 5400 Dollar pro Feinunze bis Ende 2026. 

JP Morgan hatte bereits Anfang Februar - noch vor Ausbruch des Iran-Konflikts - sein Kursziel massiv auf 6000 bis 6300 Dollar angehoben. Im Dezember 2025 lag die Prognose noch bei lediglich 4250 Dollar. Seither hat die Bank dieses Ziel angesichts der Unsicherheiten rund um den Iran-Konflikt leicht auf rund 6000 Dollar nach unten angepasst. 

Die strukturellen Treiber bleiben intakt 

Unabhängig von den kurzfristigen Marktschwankungen stützen drei strukturelle Faktoren den Goldpreis mittelfristig: 

  • Zentralbanken als Dauerkäufer: Weltweit kaufen Zentralbanken schätzungsweise rund 640 bis 800 Tonnen Gold pro Jahr - eine Fortsetzung der systematischen Diversifizierung der Währungsreserven weg vom Dollar, welche JP Morgan als «anhaltenden, noch nicht ausgeschöpften Trend» bezeichnet. 
  • De-Dollarisierung als Paradigmenwechsel: Die schrittweise Abkehr vom Dollar ist längst mehr als ein zyklisches Phänomen. Immer mehr Staaten reduzieren ihre Bestände an US-Staatsanleihen und bauen stattdessen Reserven in Gold, chinesischen Renminbi und anderen Realwerten auf. Dieser Prozess entwickelt sich zunehmend zu einem strukturellen Treiber der Goldnachfrage. 
  • Asien: Strukturell bullisch, kurzfristig pausiert: Vor allem China und Indien haben Gold als Anlageklasse stark aufgewertet. Im Mai kam es allerdings zu einem Dämpfer: Asiatische Gold-ETF verzeichneten erstmals seit August 2025 Abflüsse von rund 1,2 Milliarden Dollar. In China bremsten ein schwächerer Goldpreis in Lokalwährung und Optimismus gegenüber Aktien die Nachfrage. In Indien flossen rund 61 Millionen Dollar ab. Dies sind kurzfristige Gewinnmitnahmen, keine Trendwende - die strukturelle Verlagerung asiatischer Haushalte hin zu Gold bleibt intakt. 

Fazit: 

Die aktuelle Korrektur ist schmerzhaft, deutet jedoch nicht auf eine strukturelle Trendwende hin. Wer Gold als langfristigen Portfoliobaustein begreift, findet aktuell günstigere Einstiegspreise als noch im Februar. 

Kurzfristig bleibt die Lage volatil: Geopolitische Unsicherheiten können in beide Richtungen wirken. Mittelfristig sprechen die anhaltenden Zentralbankkäufe, die De-Dollarisierung und die strukturelle Nachfrage aus Asien für Gold. 

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