VZ Analyse
Der Goldpreis hat seit dem Allzeithoch von rund 5600 Dollar deutlich korrigiert. Viele fragen sich nun, ob das nun das Ende der Rekordjagd – oder bloss ein scharfer Zwischenstopp – ist.
Publiziert 24. März 2026
Beschreibung
Der Goldpreis hat in den vergangenen Tagen eine beeindruckende Kehrtwende hingelegt. Nachdem die Unze Ende Januar erstmals mehr als 5000, und kurz darauf auch mehr als 5600 Dollar kostete, fiel der Preis seither auf rund 4500 Dollar zurück. Damit notiert Gold etwa wieder auf dem Niveau zu Jahresanfang.
Als erste Meldungen über Raketenangriffe im Nahen Osten die Märkte erreichten, reagierten die Anleger wie erwartet: Risikoanlagen gaben nach, Öl verteuerte sich deutlich, und klassische Krisenschutzanlagen waren gefragt. Gold profitierte zunächst von diesem Reflex und legte erneut auf über 5300 Dollar pro Unze zu, nachdem es zuvor um die 5000er-Marke pendelte.
Doch der neue Aufwärtsimpuls blieb nicht nachhaltig. Die frühe Krisennachfrage nach Gold verpuffte – und damit begann der Preisrückgang. Dabei blieben die Unsicherheiten bestehen und auch die Inflationssorgen, von denen das Edelmetall gerne profitiert, sind jüngst gestiegen.
Ein zentraler Treiber des Preissturzes waren deutliche Kapitalabflüsse aus Gold- und Edelmetallfonds. Investoren verkauften laut Reuters und LSEG innerhalb der vergangenen Woche Gold- und Edelmetallprodukte im Wert von rund 5,2 Milliarden Dollar – der grösste Nettomittelabfluss seit mindestens August 2018.
Auch bei den Schweizer ETF von UBS, ZKB oder Raiffeisen sind in der vergangenen Woche 468 Millionen Franken aus den Produkten abgeflossen.
Doch warum kam es zum Ausverkauf? Die jüngsten Zinsentwicklungen haben die Opportunitätskosten des Haltens von Gold spürbar erhöht: Kurzlaufende Anleihen bieten attraktive Renditen, und auch Aktien sind nach zuvor erfolgten Kursrückgängen wieder günstiger zu haben.
Viele Anleger nutzten deshalb die Gelegenheit, Goldgewinne mitzunehmen. Kurzfristig stiessen vor allem sichere Bond-Produkte auf Interesse – nicht Gold. Diese dürften aber nur dazu dienen, das Geld zu parkieren, bis sich neue Einstiegsgelegenheiten auftun.
Notenbanken mit neuen Prioritäten
Womöglich sind auch diverse Notenbanken mit ihren Goldkäufen zurückhaltender geworden. In den vergangenen Jahren waren insbesondere die Zentalbanken der Schwellenländer ein wichtiger Nachfrager im physischen Goldmarkt. Sie wollten sich damit gezielt vom US-Dollar unabhängiger machen. Doch nun müssen viele dieser Länder, die gleichzeitig Öl importieren, ihre Dollarreserven stärken.
Zum einen, weil sich Gold nicht so gut eignet, um die eigene Währung zu stabilisieren, zum anderen, weil Öl weitestgehend in Dollar gehandelt wird und der Greenback damit als strategisches Asset sehr wichtig geworden ist. Wie lange dies der Fall sein wird, dürfte vom Kriegsverlauf abhängen.
Aussichten der Schmuckindustrie trüben sich ein
Die Schmuckindustrie als Dritter grosser Nachfrager nach Gold gilt als der wohl beständigste. Noch zu Beginn des Jahres schätzte Fortune Business Insights, dass die globale Schmucknachfrage im laufenden Jahr auf 254,1 Milliarden Dollar steigen könnte (2024: 242,8 Milliarden Dollar).
Diese Schätzung setzte aber voraus, dass Konsumentinnen und Konsumenten nicht ihr Konsumverhalten aufgrund neuer geopolitische Unsicherheiten und Inflationsängste ändern. Wie stark dieser Effekt auf die Nachfrage nach Gold aus der Schmuckindustrie sein könnte, ist schwer abzuschätzen. Er dürfte jedenfalls nicht förderlich für eine neue Goldpreisrally sein.
Fazit
Die strukturellen Argumente für Gold – geopolitische Unsicherheiten und Inflationssorgen – sind weiterhin intakt. Gold scheint jedoch bei Investoren vorerst an Glanz eingebüsst zu haben.
Insbesondere, weil Zinswerte und Aktien nun mit attraktiveren Renditen locken könnten. Ob Notenbanken nun gezwungen werden, ihre Goldkäufe zurückzufahren, wird sich zeigen.
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