VZ Analyse
Gold gilt als sicherer Hafen in turbulenten Zeiten. Ein Blick auf Krisen zeigt, dass die Schutzfunktion des Edelmetalls für Schweizer Anleger weniger eindeutig ist, als oft angenommen.
Publiziert 20. März 2026
Beschreibung
Geopolitische Spannungen im Nahen Osten dominieren derzeit die Märkte. Der aktuelle Konflikt rund um den Iran hat die Risikowahrnehmung spürbar erhöht und die Aktienmärkte unter Druck gesetzt.
In solchen Phasen rückt ein Anlageklassiker regelmässig in den Fokus: Gold. Das Edelmetall steht sinnbildlich für Stabilität, Werterhalt und Sicherheit. Für viele Investoren ist es ein Reflex, in turbulenten Zeiten in Gold umzuschichten. Doch gilt dieser Schutzmechanismus auch für Schweizer Anleger?
Gold in Krisen: Schutz mit Vorbehalten
Historisch betrachtet konnte Gold in schweren systematischen Krisen tatsächlich stabilisierend wirken. Während der globalen Finanzkrise zwischen 2007 und 2009 legte der Goldpreis in Schweizer Franken zweistellig zu, während Aktien massiv einbrachen.
Auch in der Eurokrise 2011 zeigte Gold eine klare Schutzfunktion, indem es sich positiv entwickelte, während der Schweizer Aktienmarkt nachgab.
Ein ähnliches, wenn auch deutlich moderateres Bild zeigte sich bereits zu Beginn der 2000er-Jahre während der Dotcom-Krise: Während Aktien deutlich nachgaben, verzeichnete Gold leicht positive Erträge.
In solchen systematischen Stressphasen profitiert das Edelmetall von einer Flucht in Sachwerte und von Zweifeln an der Stabilität des Finanzsystems.
Allerdings zeigt sich dieses Muster nicht in jeder Marktverwerfung. Gerade in jüngeren Episoden fällt das Bild deutlich gemischter aus. Während des abrupten Markteinbruchs zu Beginn der Covid-Pandemie verlor Gold in Schweizer Franken leicht an Wert – ähnlich wie Aktien und Anleihen. Auch am «Liberation Day» im Jahr 2025 konnte das Edelmetall keine stabilisierende Rolle einnehmen.
Ein aktuelles Beispiel liefert zudem der Iran-Konflikt. Seit Ende Februar 2026 haben Aktien spürbar nachgegeben, doch auch Gold entwickelte sich rückläufig und erfüllte damit die klassische Funktion eines sicheren Hafens nur eingeschränkt.
Langfristig konkurrenzfähig, aber volatil
Trotz dieser Einschränkungen zeigt sich über lange Zeiträume ein durchaus attraktives Bild. Seit 1990 erzielte Gold in Schweizer Franken eine durchschnittliche jährliche Rendite von rund 7 Prozent und liegt damit nahezu auf Augenhöhe mit Schweizer Aktien (ca. 7,4 Prozent p.a.). Schweizer Staatsanleihen blieben mit rund 2,8 Prozent deutlich zurück.
Allerdings ist diese Rendite mit erheblichen Schwankungen verbunden. Die jährliche Volatilität von Gold (14,8 Prozent) liegt auf einem Niveau, das mit Aktien vergleichbar ist (Nestlé-Aktie: 15,8 Prozent) und deutlich über jener von Obligationen. Damit eignet sich das Edelmetall kaum als defensiver Ersatz für festverzinsliche Anlagen.
Vielmehr ist Gold als eigenständiger Renditetreiber mit spezifischem Risikoprofil zu verstehen. Seine Stärke liegt weniger in kurzfristigem Schutz als vielmehr in der langfristigen Portfolio-Diversifikation.
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