Gewinnmitnahmen bei Tech-Aktien: Einstiegszeitpunkt oder Zeit zu verkaufen?

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VZ Analyse

Zweifel an den hohen Bewertungen rund um KI und anstehende Börsengänge haben vergangene Woche den Technologiesektor belastet. Wie gross sind die Risiken wirklich?

Publiziert 9. Jun 2026

Autor

Robert Leitner

Funktion Anlageexperte

Beschreibung

Der Technologiesektor hat am Freitag einen empfindlichen Rückschlag erlitten. Der Nasdaq 100 verlor an einem einzigen Tag rund 4,7 Prozent – der stärkste Tagesverlust seit September 2022. Auslöser waren zunehmende Zweifel an den ambitionierten Bewertung der Technologieunternehmen, unter anderem aufgrund der anstehenden IPO. 

Besonders die Diskussionen rund um den Börsengang von SpaceX sorgten für Verunsicherung und weckten Erinnerungen an frühere Bewertungs-Blasen im Technologiesektor. Dabei hatte der Nasdaq 100 erst wenige Tage zuvor noch ein neues Allzeithoch markiert. Trotz der jüngsten Korrektur liegt der Index seit Jahresbeginn weiterhin rund 15 Prozent im Plus. Bereits am Montag kam es zu einer Gegenbewegung. 

Droht eine neue Dotcom-Blase? 

Der Vergleich mit der Dotcom-Blase liegt nahe – greift aber bislang zu kurz. Anders als Ende der 1990er-Jahre werden die steigenden Bewertungen heute grösstenteils von realen Gewinnen begleitet. Die grossen Technologiekonzerne wachsen weiterhin stark, insbesondere dank Investitionen in künstliche Intelligenz, Cloud-Infrastruktur und Software. Die Gewinne halten bislang mit den Kursanstiegen Schritt. 

Anders als während der Dotcom-Blase steigen dieses Mal nicht nur die Aktienkurse, sondern gleichzeitig auch die Unternehmensgewinne der grossen Technologiekonzerne. Dadurch haben sich die Bewertungen in den vergangenen fünf Jahren weitestgehend konstant gehalten. 

Blick auf das Gewinnwachstum 

Ein genauerer Blick auf die Gewinnentwicklung zeigt dennoch Risikopotenzial: Das Gewinnwachstum der Tech-Konzerne stammt zunehmend nicht nur aus dem Umsatzwachstum und höheren Margen, sondern auch aus buchhalterischen Bewertungszuschreibungen auf Beteiligungen. Ein Beispiel: Microsoft zählt zu den frühen Investoren von OpenAI und hat bislang geschätzte 13 Milliarden Dollar in das Unternehmen investiert. Gemäss der letzten Kapitalaufnahme ist die Beteiligung mittlerweile etwa 220 Milliarden mehr wert. Damit stammte eine gehörige Portion des jüngsten Gewinnwachstums von Microsoft eben nicht mehr nur aus dem operativen Geschäft. 

Solche Beteiligungen treiben die Gewinne zusätzlich an, können bei fallenden Kursen aber auch Abwärtsspiralen verstärken. Deshalb haben grosse Technologiekonzerne ein Interesse daran, solche Beteiligungsgewinne durch Börsengänge oder Teilverkäufe zu realisieren – wie derzeit bei SpaceX, OpenAI oder Anthropic diskutiert wird. Wenn der Börsengang jedoch zu einer tieferen Bewertung führt als in der Bilanz steht, dann müssen diese Unternehmen mit dem Rotstift über ihre Bücher. 

Gleichzeitig werden immer mehr Aufträge innerhalb des Technologie-Sektors vergeben. Damit wächst die Abhängigkeit und die Verflechtung zwischen den Unternehmen. 

Nichtsdestotrotz: Die Mehrheit des Gewinnwachstums stammt auch heute noch aus nachhaltigen Quellen – dem operativen Geschäft. Genaue Daten dazu gibt es zwar nicht. Je nach Betrachtungsweise stammen aber mindestens zwei Drittel des Gewinnwachstums der letzten Jahre aus der operativen Geschäftstätigkeit. 

Fazit 

Die Angst vor einer neuen Dotcom-Blase erscheint übertrieben. Zwar sorgen milliardenschwere KI-Beteiligungen und Verflechtungen zunehmend für Risiken im Sektor, doch das Gewinnwachstum der grossen Technologiekonzerne bleibt weiterhin robust und die Bewertungen auf hohem, aber nicht überhöhtem Niveau. Solange der Ausblick rosig bleibt, können tiefere Kurse durchaus eine Einstiegsgelegenheit bieten  – natürlich immer unter Berücksichtigung des Gesamtportfolio-Kontextes. 

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