VZ Analyse
Stark gefallene Aktien wirken oft günstig – doch nur wenige schaffen tatsächlich den Turnaround. Die VZ-Auswertung zeigt, wie realistisch Trendwenden wirklich sind und welche Voraussetzungen dafür erfüllt sein müssen.
Publiziert 27. Apr 2026
Beschreibung
Nach deutlichen Kursverlusten greifen viele Anleger auf ein bekanntes Argument zurück: "Die Aktie stand doch einmal viel höher – die kommt schon wieder zurück."
Dieses Denken ist weit verbreitet, aber oft trügerisch. Beispiele wie Credit Suisse oder vor vielen Jahren Swissair zeigen, dass frühere Höchststände kein verlässlicher Referenzpunkt für die Zukunft sind. In vielen Fällen erreichen Aktien ihre alten Niveaus nie wieder.
Ein aktuelles Beispiel ist der Textilmaschinenhersteller Rieter. Seit 2024 hat die Aktie rund 68 Prozent an Wert verloren. Das Unternehmen leidet unter einer anhaltenden Auftragsflaute sowie strukturellen Herausforderungen im globalen Textilmaschinenmarkt.
Nach der Covid-Pandemie profitierte Rieter zunächst von einem starken Nachfrageschub, der 2022 zu einem Rekordumsatz von 1,5 Milliarden Franken führte. Aus diesem Hoch konnte jedoch keine nachhaltige Ertragsstärke aufgebaut werden. Dem Unternehmen gelang es nicht, die hohen Auftragseingänge ausreichend in Gewinne umzuwandeln. Entsprechend fehlt heute das finanzielle Polster, um die aktuelle Nachfrageschwäche abzufedern.
Seit Jahresbeginn konnte die Rieter-Aktie zwar rund 6 Prozent zulegen. Um die Verluste aus den Jahren 2024 und 2025 vollständig zu kompensieren, wäre jedoch eine sogenannte Break-Even-Rendite von rund 212 Prozent erforderlich.
Diese Aktien stehen vor dem Comeback
Der deutliche Kurszerfall von Rieter steht exemplarisch für zahlreiche Schweizer Nebenwerte, die zwischen 2024 und 2025 stark unter Druck geraten sind. Insgesamt verloren 16 Aktien in diesem Zeitraum mehr als 50 Prozent an Wert. Nur vier davon zeigen derzeit Anzeichen einer nachhaltigen Erholung.
Als Turnaround-Kandidaten gelten in der Analyse jene Titel, die im laufenden Jahr deutlich zugelegt haben und sich seit 2025 in Richtung ihrer Break-Even-Rendite bewegen. Diese beschreibt die Performance, die notwendig ist, um die Verluste aus den Jahren 2024 und 2025 vollständig auszugleichen.
Allen diesen Unternehmen gemeinsam ist eine strategische Neuausrichtung mit stärkerem Fokus auf profitable Geschäftsfelder.
So konnte der Verbundwerkstoffspezialist Gurit im Zuge einer Restrukturierung seine operative Marge deutlich verbessern. Durch den Verkauf einzelner Geschäftseinheiten konzentriert sich das Unternehmen heute stärker auf die attraktivsten Segmente des Portfolios.
Auch AMS-Osram treibt eine fundamentale Neuausrichtung voran. Im Zentrum der neuen Strategie stehen KI-bezogene Komponenten, während die Abhängigkeit von der zyklischen Automobilindustrie reduziert wird. Gleichzeitig wurde die Bilanz durch eine Verschlankung der Struktur gestärkt.
Ascom hat in den vergangenen Jahren ein umfassendes Restrukturierungsprogramm umgesetzt, um sich vom Hardware-Hersteller hin zu einem profitablen Software- und Lösungsanbieter im Gesundheitswesen zu entwickeln. Kostenreduktionen sowie der Verkauf nicht-strategischer Bereiche haben die Profitabilität spürbar verbessert.
Edisun Power kündigte bereits 2022 eine strategische Neuausrichtung an. In den vergangenen beiden Jahren belastete jedoch ein Rückgang der Stromproduktion die Aktie. Im Fokus für 2026 stehen weiterhin Liquiditätsmassnahmen sowie der Verkauf des grossen Fuencarral-Projektportfolios und die damit verbundenen Chancen im Bereich der Rechenzentren.
Restrukturierungen führen kurzfristig häufig zu Belastungen im operativen Ergebnis und damit auch im Aktienkurs. Sobald jedoch erste operative Fortschritte sichtbar werden, reagieren Investoren in der Regel positiv.
Auch Rieter befindet sich derzeit in einer umfassenden Neuausrichtung. Ein wichtiger strategischer Schritt erfolgte im Februar mit der Übernahme des deutschen Anlagenbauers Barmag für rund 700 Millionen Franken. Die Akquisition soll die Schwäche im Baumwollgeschäft abfedern und das Unternehmen breiter diversifizieren.
Entscheidend wird sein, ob daraus tatsächlich zusätzliche Aufträge entstehen und sich die Profitabilität nachhaltig verbessert – nur dann wäre eine Neubewertung der Aktie gerechtfertigt.
Fazit
Massive Kursverluste erhöhen zwar das technische Rebound-Potenzial, garantieren jedoch keinen nachhaltigen Turnaround. Nur ein kleiner Teil der stark gefallenen Schweizer Aktien schafft tatsächlich die Trendwende.
Solche Titel bieten zwar hohe Chancen, gehen jedoch auch mit überdurchschnittlichen Risiken einher. Eine reine "Gefallene-Engel"-Strategie funktioniert deshalb nur selektiv. Eine sorgfältige Analyse der operativen Entwicklung und eine breite Diversifikation bleiben zentral.
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