Geduld wird zur Herausforderung – selbst bei Buffett

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Die Holding des legendären Investors Warren Buffett hinkt dem Markt derzeit hinterher – und zwingt Anleger wie Management zur Geduldsprobe. Warum genau darin die eigentliche Herausforderung beim Investieren liegt.

Publiziert 8. Mai 2026

Autor

Andreas Paciorek

Funktion Anlageexperte

Beschreibung

Greg Abel, der neue CEO von Berkshire Hathaway dürfte aktuell ein besonders dickes Nervenkostüm brauchen. Denn die Holding des legendären Investors Warren Buffett hinkt dem breiten US-Aktienmarkt seit Monaten deutlich hinterher. Während der S&P 500 in den vergangenen zwölf Monaten kräftig zulegte, entwickelte sich Berkshire Hathaway klar schwächer. Für viele Marktbeobachter ist das ungewohnt – schliesslich galt Berkshire über Jahrzehnte als Synonym für langfristigen Anlageerfolg. 

Natürlich wäre es voreilig, daraus den Niedergang des "Orakels von Omaha" abzuleiten. Buffett hat über Jahrzehnte eindrücklich bewiesen, dass diszipliniertes Investieren langfristig funktioniert. Zudem gehört zur aktuellen Underperformance auch ein wichtiger Sondereffekt: Der Rückzug Buffetts als CEO führte dazu, dass ein Teil der sogenannten "Buffett-Prämie" aus der Aktie verschwand. Viele Anleger waren offenbar bereit, für Berkshire allein wegen Buffett einen Aufpreis zu bezahlen. 

Trotzdem liefert die aktuelle Situation eine spannende Erkenntnis für Privatanlegerinnen und Privatanleger. Denn sie zeigt, wie schwierig es selbst für absolute Ausnahmeinvestoren ist, sich von kurzfristiger Börsenpsychologie und taktischen Überlegungen komplett zu lösen. 

397 Milliarden Dollar warten auf den richtigen Moment 

Berkshire Hathaway sitzt derzeit auf rund 397 Milliarden Dollar an Cash und kurzfristigen Staatsanleihen – ein historischer Rekord. Seit mehreren Quartalen verkauft Berkshire netto Aktien. Dahinter steckt eine klassische Buffett-Überzeugung: lieber geduldig auf attraktive Bewertungen warten als zu teuer investieren. 

Allerdings verfolgt Berkshire traditionell auch nicht das Ziel, in jeder Börsenphase den Markt zu schlagen. Entscheidend ist vielmehr, auch in Krisenzeiten handlungsfähig zu bleiben. Genau deshalb hält der Konzern enorme Liquiditätsreserven. Buffett verfolgt damit keineswegs eine neue Strategie. Bereits Ende der 1960er-Jahre stoppte er wegen hoher Bewertungen die Kapitalaufnahme in seine Investmentgesellschaft. Auch während der Dotcom-Euphorie galt er vielen als zu vorsichtig – bis das Platzen der Blase seine Skepsis bestätigte. Ob die heutige Zurückhaltung erneut Weitsicht oder verpasste Rendite bedeutet, lässt sich deshalb wohl erst rückblickend beurteilen. 

Genau darin liegt aber auch das aktuelle Dilemma. Während Berkshire Milliarden an Liquidität hält, wurde der Markt in den vergangenen Jahren vor allem von grossen Technologieunternehmen nach oben gezogen. Gleichzeitig reduzierte Berkshire Beteiligungen wie Apple teilweise frühzeitig und hält weiterhin Engagements in weniger dynamischen Unternehmen wie Kraft Heinz. 

Zur Fairness gehört allerdings auch: Die schwächere Entwicklung von Berkshire lässt sich nicht allein mit der hohen Cashquote erklären. Mehrere Tochterunternehmen kämpfen mit operativen Herausforderungen. Die Eisenbahngesellschaft BNSF investiert Milliarden in die Modernisierung ihres Netzes und bleibt bei der Profitabilität hinter Konkurrenten zurück. Im Energiegeschäft belasten regulatorische Risiken und milliardenschwere Waldbrandklagen. Berkshire ist eben nicht nur ein Aktienportfolio, sondern ein riesiges Konglomerat mit Industrie-, Energie- und Infrastrukturgeschäften. 

Und dennoch: Die aktuelle Diskussion rund um Berkshire zeigt vor allem eines – wie schnell selbst langfristig erfolgreiche Strategien in Frage gestellt werden, sobald sie vorübergehend hinter dem Markt zurückbleiben. 

Buffett und seine Prinzipien 

Buffett selbst predigt seit Jahren Prinzipien, die Privatanleger dabei helfen können, langfristig Vermögen aufzubauen. Kostengünstige Indexfonds, kein hektisches Hin und Her und langfristiges Denken. Sein berühmter Satz «Our favorite holding period is forever» liesse sich problemlos auch über eine disziplinierte ETF-Strategie schreiben. Ebenso seine Überzeugung, dass die grössten Fehler vieler Anleger nicht an den Märkten entstehen, sondern durch emotionale Entscheidungen. 

Das mag unspektakulär wirken – hat sich historisch jedoch oft als überraschend erfolgreich erwiesen.

Die eigentliche Pointe liegt deshalb vielleicht gar nicht in der aktuellen Underperformance von Berkshire Hathaway. Sondern vielmehr darin, wie schnell selbst die Anlagestrategie aus Omaha plötzlich kritisch hinterfragt wird. Genau diese psychologische Falle erleben viele Privatanleger regelmässig: Eine Strategie wird erst gelobt, dann angezweifelt – oft abhängig davon, was in den letzten zwölf Monaten passiert ist. 

Langfristiger Anlageerfolg entsteht jedoch selten durch perfekte Marktprognosen oder taktisches Geschick. Viel häufiger entsteht er durch Disziplin, Geduld und die Fähigkeit, auch in unruhigen Phasen an einer sinnvollen Strategie festzuhalten. 

Oder anders formuliert: Wer gar nicht erst ständig den perfekten Einstiegszeitpunkt sucht, braucht am Ende oft auch die stärkeren Nerven nicht.

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