Erneuerbare Energien – Lohnt sich eine Investition trotz Trump?

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Trump verspottet erneuerbare Energien als «Hoax» und setzt kompromisslos auf Öl und Gas. Doch ausgerechnet an der Börse funktionieren die Dinge oft anders, als es die Politik nahelegt. Ist jetzt trotz Trump der Moment für Clean‑Energy‑Investments?

Publiziert 12. Febr. 2026

Autor

Jonas Wieckert

Funktion Anlageexperte

Beschreibung

Die USA sind vor wenigen Tagen erneut aus dem Pariser Klimaabkommen ausgetreten, das die Begrenzung der globalen Erwärmung zum Ziel hat. Bereits während seiner ersten Amtszeit hat Donald Trump den Austritt veranlasst, bevor sein Nachfolger Joe Biden den Wiedereintritt vollzog.

Trump versucht zudem per Exekutiver Order, den Bau neuer Windparks zu stoppen. Gleichzeitig öffnet seine Regierung bislang geschützte Gebiete für neue Öl- und Gaslizenzen. Auch seine geopolitischen Interventionen, etwa in Venezuela, dienen dem Ziel, amerikanischen Unternehmen privilegierten Zugang zu Öl und anderen Rohstoffen zu sichern. Was bedeutet das für Anlegerinnen und Anleger in den Sektoren Öl und erneuerbare Energien?

Erneuerbare Energie Aktien top unter Trump, Öl top unter Biden

Die Grafik vergleicht die Renditen des S&P Global Oil & Gas Index mit denen des MSCI World und des S&P Global Clean Energy Index. Letzterer umfasst Hersteller von Windrädern, Solarpanels und anderen Technologien sauberer Energie sowie Versorger, die diese Quellen zur Energieerzeugung nutzen.

Zwischen Trumps Wahlsieg im November 2016 und seiner Amtseinsetzung im Januar 2017 erzielte der Öl- und Gasindex eine Rendite von 20 Prozent. Der Clean-Energy-Index hingegen stagnierte. Doch während seiner ersten Amtszeit drehte sich das Bild deutlich: Trotz eines Covid-19-bedingten Einbruchs verdoppelte der Clean-Energy-Index seinen Wert, während der Öl- und Gasindex über 75 Prozent einbüsste.

Nach Bidens Wahlsieg hingegen stiegen sowohl Öl und Gas- als auch Clean-Energy-Titel innerhalb von zweieinhalb Monaten um jeweils rund 50 Prozent – und damit deutlich stärker als der MSCI World. Ein Treiber war die Erwartung massiver Förderprogramme für erneuerbare Energien. Obwohl Biden Förderprogramme einführte, verlor der Clean-Energy-Index während seiner Amtszeit über 50 Prozent des Wertes. Wer direkt nach dem Wahlausgang investierte, verbuchte damit insgesamt einen Verlust von rund 25 Prozent. Dies aufgrund eines klassischen Basiseffekt: Ein Minus von 50 Prozent erfordert einen erneuten Anstieg von 100 Prozent, um kompensiert zu werden.

Der Öl‑ und Gasindex hingegen verdoppelte sich während Bidens Amtszeit. Zwischenzeitlich fiel der Anstieg sogar noch höher aus, begünstigt durch steigende Energiepreise nach dem russischen Angriff auf die Ukraine.

Trump will tiefe Öl-Preise

Auch nach Trumps erneuter Wahl zogen die Kurse im Öl- und Gasbereich zunächst an, während Clean-Energy-Aktien leicht nachgaben. Nach dem Amtsantritt und dem markanten Kursrücksetzer am «Liberation Day» verlor der Öl- und Gasindex jedoch rund 20 Prozent, während der Clean-Energy-Index um 42 Prozent zulegte.

Trump fördert die Öl- und Gasindustrie vor allem mit dem Ziel tieferer Öl- und Gaspreise. Niedrige Energiepreise unterstützen Konjunktur, Konsumenten – und damit Wähler. Doch tiefere Preise belasten die Margen der Öl- und Gasunternehmen und sind damit schlecht für die Aktionäre dieser Unternehmen.

Der Clean-Energy-Index profitierte gleichzeitig von der steigenden Stromnachfrage im Gefolge des KI-Booms. Die grossen Technologiekonzerne haben sich ambitionierte Netto-Null-Ziele gesetzt und investieren daher massiv in saubere Energiequellen.

Fazit

Der US-Präsident kann die Finanzmärkte zweifellos beeinflussen – doch selbst dieser Einfluss hat Grenzen. Die Daten zeigen klar: In der Vergangenheit haben sich Investitionen in erneuerbare Energien unter Trump gelohnt, während Anleger im Öl- und Gassektor Verluste hinnehmen mussten. Gleichzeitig beeinflussen Megatrends wie künstliche Intelligenz oder die Energiewende sowie Schockereignisse wie die Covid-19-Pandemie oder der Ukrainekrieg die Märkte mindestens genauso stark.

Viele Anleger überschätzen kurzfristige Trends und reagieren überzogen auf neue Ereignisse.  Ein zu starker Fokus auf einzelne Sektoren kann daher riskant sein. Über den gesamten untersuchten Zeitraum hinweg wäre eine breite Diversifikation über den MSCI World am erfolgreichsten gewesen: Der Index erzielte eine Rendite von 160 Prozent, deutlich mehr als der Clean-Energy-Index mit 102 Prozent oder der Öl- und Gasindex, der über denselben Zeitraum 4 Prozent verlor.

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