VZ Analyse
Rüstungsaktien waren in den vergangenen Jahren die Profiteure der geopolitischen Unsicherheiten. Der Iran-Krieg stellt die Industrie erneut in den Mittelpunkt. Wie haben sich diese Titel seither entwickelt?
Publiziert 25. März 2026
Beschreibung
Täglich dominieren Berichte über militärische Ereignisse die Schlagzeilen. Die geostrategischen Spannungen haben weltweit zu einer verstärkten Nachfrage nach Verteidigungs- und Sicherheitstechnologien geführt. Viele Unternehmen der Branche verzeichnen seit Jahren solide Auftragseingänge und steigende Umsätze – was sich auch in den Aktienkursen spiegelt.
In Europa und den USA hatte vor allem der Ukraine-Krieg der Branche deutlichen Auftrieb gegeben: In den vergangenen fünf Jahren legte der deutsche Vorzeigekonzern Rheinmetall über 1600 Prozent zu, schaffte in dieser Zeit den Aufstieg in den DAX und ist nun das siebtgrösste Mitglied.
Weitere europäische Titel, die sich vervielfacht haben, sind: Rolls Royce (UK, +998%), Leonardo (It, +745%), Hensoldt (De, +465%), BAE Systems (UK, +328%) und Dassault Aviation (Fr, +243%). In den USA stachen in diesem Zeitraum Northrop Grumman (+119%) und Lockheed Martin (+68%) heraus, auch wenn sie deutlich weniger stark performt hatten.
Mit dem Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar rückt aus Sicht der Finanzmärkte deshalb erneut die Frage in den Fokus: Welche Unternehmen zeigen seither eine positive Kursentwicklung – und lässt sich deren Entwicklung direkt auf den Konflikt zurückführen? Auffällig ist, dass dies nur auf einen Teil der Aktien zutrifft.
Luftwaffe, Luftabwehr, Radar: Technologien im Zentrum der Aufmerksamkeit
Die Auseinandersetzung im Iran wird bislang weitgehend über Luftoperationen geführt. Israel und die USA greifen militärische Ziele im Iran aus der Luft an, während sie ihrerseits überwiegend iranische Luftangriffe abwehren müssen. Bodentruppen spielen aktuell kaum eine Rolle. Entsprechend gross ist die Nachfrage nach Luftverteidigungssystemen, Munition, Luftwaffenkomponenten sowie zugehöriger Sensorik. Auch der Einsatz kostengünstiger Drohnen prägt das Gefechtsbild – ein Trend, der bereits im Ukraine‑Krieg deutlich sichtbar wurde. Die Weiterentwicklung solcher Systeme ist zu einem strategischen Faktor geworden.
Nicht nur die USA müssen Bestände ersetzen, die im Iran‑Konflikt genutzt wurden. Auch Golfstaaten – direkt bedroht oder angegriffen – benötigen zusätzliche Luftverteidigungs- und Abfangsysteme. Israel hat sein Budget für den Konflikt um über 10 Milliarden Dollar erhöht. Für Hersteller ergibt sich zudem die Möglichkeit, dass ihre Systeme unter realen Einsatzbedingungen getestet werden. Solche Einsatzberichte können die Wahrnehmung der Leistungsfähigkeit beeinflussen und künftige Beschaffungsentscheidungen beeinflussen.
Elbit Systems (Israel)
Der israelische Rüstungskonzern Elbit Systems verzeichnete seit Beginn der Angriffe den stärksten Kursanstieg. Elbit liefert Israel unter anderem Langstrecken-Präzisionsmunition, die im Iran eingesetzt wird, und meldet ein kräftiges Nachfragewachstum aus dem Ausland. Besonders kursrelevant ist die hohe Erwartung an das neue Hochenergie-Laser-Abfangsystem, das als kostengünstige Alternative zu teuren Luftabwehrsystemen wie Patriot gilt. Angesichts der grossen Zahl preiswerter Drohnen in aktuellen Konflikten – sowohl in der Ukraine als auch im Iran – wächst das Interesse an effizienteren Abwehrlösungen. Elbit ist ebenfalls an der US-Börse Nasdaq gelistet.
LIG Nex1 und Hanwha Systems (Südkorea)
Die südkoreanischer Rüstungskonzerne LIG NEX1 und Hanwha Systems profitieren vom Einsatz ihrer Systeme in den Golfstaaten. LIG NEX1 produziert Mittelstrecken- Luftabwehrraketen (M‑SAM) und Hanwha stellt dazu die Radarkomponenten zur Verfügung. Die M-SAM werden aufgrund ihrer Ähnlichkeit zu den amerikanischen Modellen auch als „koreanischer Patriot“ bezeichnet. In den Vereinigten Arabischen Emiraten kommen sie bereits zur Abwehr iranischer Drohnen und Raketen zum Einsatz. Saudi‑Arabien und der Irak haben ebenfalls Systeme bestellt. Es wird erwartet, dass weitere Systeme sowie Ersatzteile benötigt werden. Der erfolgreiche Realitätstest erhöht die Erwartungen über zusätzliche Absätze dieser Systeme.
Warum nicht alle Rüstungsaktien zulegen
Nur ein Teil der Unternehmen zeigt seit Beginn des Iran‑Konflikts eine positive Kursentwicklung – selbst dann, wenn ihre Systeme eingesetzt werden. Ein Beispiel ist RTX, Hersteller der US‑Patriot‑Luftabwehrsysteme: Die Aktie gab um 1,6 % nach, obwohl die Systeme aktiv im Nahen Osten genutzt werden und eine breite internationale Kundenbasis besitzen.
Ein wesentlicher Grund liegt in der Struktur der Branche. Viele Rüstungsunternehmen sind über langfristige staatliche Verträge abgesichert, inklusive jahrzehntelangem Service, Unterhalt und Modernisierung. Das schafft Planungssicherheit, lässt aber neue Auftragseingänge nur begrenzt kurswirksam werden – insbesondere, wenn sie bereits erwartet oder eingepreist waren.
Hinzu kommt die Bewertung: Die starken Kurszuwächse der vergangenen Jahre haben vielerorts zu hohen Bewertungen geführt. Zahlreiche Aktien handeln inzwischen bei einem Kurs‑Gewinn‑Verhältnis von über 30, was hohe Wachstumserwartungen widerspiegelt. Rheinmetall ist ein Beispiel: Das Unternehmen profitiert von steigenden europäischen Verteidigungsbudgets und verfügt über relevante Luftverteidigungssysteme, die im aktuellen Umfeld gefragt sind.
Dennoch entwickelte sich die Aktie zuletzt schwächer. Grund dafür waren enttäuschende Umsatzprognosen: Anfang Monat kündigte Rheinmetall an, dass die Verkäufe 2026 unter den bisherigen Erwartungen liegen dürften – worauf die Aktie rund 8 Prozent verlor und in der Tabelle erst auf der zweiten Seite auftaucht. Das verdeutlicht, dass hohe Erwartungen bereits in vielen Kursen berücksichtigt sind.
Die Kombination aus hoher Bewertung, schwer kalkulierbaren neuen Auftragsvergaben und der generellen Unberechenbarkeit geopolitischer Entwicklungen erschwert die Titelauswahl erheblich. Um Klumpenrisiken zu vermeiden, kann ein breit aufgestellter ETF auf globale Rüstungsunternehmen eine Alternative darstellen. Dieser ermöglicht eine Risikostreuung, ohne sich auf einzelne Titel festlegen zu müssen.
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