Ein Quantensprung für das Portfolio

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Paradigmenwechsel in der IT: Warum Quantencomputing jetzt für Anleger relevant werden könnte.

Publiziert 2. März 2026

Autor

Florian Estermann

Funktion Anlageexperte

Beschreibung

Quantencomputing hat lange als Zukunftsvision gegolten. Doch die jüngsten technologischen Fortschritte, wachsende Investitionen und konkrete Kommerzialisierungspläne zeigen: Die Technologie steht an einem Wendepunkt. Während klassische Computer zunehmend an ihre physikalischen Grenzen stossen, verspricht Quantencomputing neue Dimensionen der Rechenleistung – mit weitreichenden Auswirkungen für Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft.

Die Relevanz von Quantencomputing ergibt sich aus seiner Fähigkeit, Berechnungen auszuführen, die klassische Systeme überfordern. Insbesondere in den Bereichen Medizin, Optimierung, Risikoanalyse und Cybersicherheit kann die Technologie hohes Potenzial bieten. Ein Quantencomputer konnte bereits speziell konstruierte Probleme lösen, für die ein Supercomputer tausende Jahre benötigen würde – und dies in wenigen Minuten. Durch die massiv kürzere Rechenzeit ist auch der Energieverbrauch potenziell deutlich geringer.

Auch die Industrie erkennt die wachsende Bedeutung. Unternehmen wie Microsoft betrachten Quantencomputing nicht mehr als Forschungsexperiment, sondern als kommenden Infrastrukturpfeiler. Microsoft sieht Quantencomputing als nächsten grossen Beschleuniger der Cloud und plant bereits, die Technologie in künftige Rechenzentren zu integrieren. Damit wird klar: Quantencomputing ist nicht nur eine Weiterentwicklung klassischer IT – es ist ein möglicher Paradigmenwechsel.

Vom Labor zur Kommerzialisierung

Die Industrie treibt den Reifeprozess voran. Besonders deutlich wird der Fortschritt bei Microsoft. Das Unternehmen geht davon aus, dass bereits bis 2029 Quantenmaschinen mit kommerziellem Nutzen produktiv in Rechenzentren laufen werden. Ein solcher Zeithorizont wäre noch vor wenigen Jahren kaum vorstellbar gewesen. Der Majorana‑1‑Chip von Microsoft zeigt zudem Fortschritte bei der Realisierung skalierbarer, stabiler Qubits – einer zentralen Voraussetzung für alltagstaugliche Quantensysteme.

Der Markt bleibt zwar fragmentiert und frühphasig, zeigt jedoch zunehmend technische Durchbrüche. Führend sind Alphabet, IBM und Microsoft, während spezialisierte Anbieter wie IonQ oder Rigetti trotz hoher Volatilität wichtige Innovationen vorantreiben. Besonders vielversprechend sind derzeit architekturelle Ansätze mit supraleitenden und Ionenfallen‑Qubits, die sich in der Entwicklung zuletzt als am stabilsten erwiesen haben.

Europa schliesst auf: IQM als Wegbereiter

Ein eindrucksvolles Beispiel für Europas Aufholjagd ist das finnische Unternehmen IQM. Der im Sommer geplante Börsengang über einen SPAC‑Deal mit einer Bewertung von rund 1,8 Milliarden Dollar macht IQM zu einem der ersten börsennotierten europäischen Quantencomputing‑Unternehmen. Das Unternehmen hat bereits 21 Systeme an 13 Kunden verkauft und verfügt über 100 Millionen US‑Dollar Auftragsbestand bei stetigem Umsatzwachstum. Technische Fortschritte unterstreichen die Marktreife der Systeme.

Auch das Umfeld entwickelt sich rasant: Weitere europäische Quantum‑Firmen wie Quantinuum oder Multiverse Computing konnten zuletzt hohe Finanzierungsrunden abschliessen. Damit entsteht ein zunehmend wettbewerbsfähiges Ökosystem, das die globale Entwicklung mitgestaltet.

Der Weg in die Realität

Quantencomputing entwickelt sich stetig vom akademischen Forschungsfeld hin zu einer Technologie mit konkreten industriellen Anwendungsperspektiven. Die Technologie verfügt über das Potenzial, komplexe Probleme grundlegend schneller und effizienter zu lösen. Der aktuelle Stand zeigt deutliche Fortschritte bei Hardware, Kommerzialisierung und Marktstruktur. Erste Unternehmen, allen voran Microsoft und IQM, schaffen klare Zeitpläne und reale Produkte, die den Übergang in die Praxis untermauern. Bei den bisherigen Rechenbeispielen handelt es sich jeweils um Aufgaben, welche für Quantencomputer prädestiniert sind. Entsprechend bleibt die Technologie den Beweis noch schuldig, ob eine breite Anwendung in der Praxis möglich ist.

Auch wenn weiterhin erhebliche Herausforderungen bestehen – darunter Fehlertoleranz, Standardisierung und Sicherheit –, spricht vieles dafür, dass die kommenden Jahre entscheidend sein werden. Quantencomputing steht nicht mehr am Anfang, sondern an der Schwelle zum Eintritt in kritische Infrastrukturen.

Für Unternehmen, Investoren und politische Entscheidungsträger bedeutet das: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, sich strategisch mit der Technologie auseinanderzusetzen.

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