VZ Analyse
Eine Auswertung der meistgehandelten Titel auf «Börsen & Märkte» zeigt, bei welchen Schweizer Aktien die Investoren derzeit die grössten Gewinnchancen sehen.
Publiziert 1. Jun 2026
Beschreibung
Der Monat Mai war für die Schweizer Börse ein überdurchschnittlich guter Monat. Zwar konnte der SMI im Gegensatz zu anderen Indizes wie der S&P 500 oder der Nasdaq 100 keine neuen Allzeithochs erzielen. Mit einem Plus von rund drei Prozent lässt sich die Performance aber sehen.
Das VZ hat ausgewertet, welche Titel in den vergangenen vier Wochen auf «Börsen & Märkte» am häufigsten gehandelt wurden. Dabei zeigt sich: Die Anleger setzten auf ausgewählte Titel, die trotz Gegenwind Vertrauen geniessen oder auf dem tieferen Kursniveau als attraktiv eingestuft wurden.
Die folgenden fünf Aktien gehörten dabei zu den meistgehandelten Titeln am Schweizer Markt:
Alcon
Die Aktien des Augenmedizinkonzerns waren im Mai die meistgekauften Titel, obwohl der Konzern mit Rückschlägen ins Jahr gestartet ist. Zwei Übernahmen scheiterten: die Akquisition von Staar Surgical am Widerstand der Aktionäre sowie der Kauf von Lensar an regulatorischen Bedenken in den USA.
Als Reaktion lancierte Alcon ein Aktienrückkaufprogramm von über 1,5 Milliarden Dollar, doppelt so gross wie das vorherige. Es soll den Gewinn je Aktie in den kommenden Jahren erhöhen und wird aus dem laufenden Geldfluss finanziert. Die Finanzlage bleibt solide und lässt Spielraum für weitere Investitionen. Die jüngsten Quartalszahlen zeigten eine operative Verbesserung gegenüber dem Vorjahr. Neue Produkte trugen zum Wachstum bei und die Jahresziele wurden bestätigt.
Entsprechend optimistisch traten Investoren auf und griffen kräftig zu.
Partners Group
Die Aktien von Partners Group reihten sich dahinter ein – trotz einer kurzfristigen Belastung durch kritische Vorwürfe eines Leerverkäufers. Der Kurs geriet zwischenzeitlich unter Druck, erholte sich jedoch von den Tiefstständen. Das deutetauf anhaltendes Vertrauen vieler Investoren hin. Das Unternehmen wies die Kritik zurück, und auch Analysten stuften sie mehrheitlich als wenig fundiert ein. Die Resonanz blieb insgesamt begrenzt. Die Zahlen zum ersten Quartal waren indes solide: 8,3 Milliarden Dollar an neuen Kundengeldern flossen zu, und die Jahresziele wurden bestätigt. In einem anspruchsvollen Marktumfeld, insbesondere im Private Credit, signalisierten die Zuflüsse und Rückzahlungen an Investoren ein funktionierendes Geschäftsmodell.
Die Kombination aus stabilen Fundamentaldaten, zurückgewiesener Kritik und einer zwischenzeitlich gedrückten Bewertung dürften zusätzlich zur Popularität des Titels beigetragen haben.
Amrize
Die Holcim-Abspaltung Amrize zählt ebenfalls zu den meistgekauften Aktien des Monats. Der Kurs geriet nach den Quartalszahlen wegen enttäuschender Margen zunächst unter Druck, die Erwartungen wurden auf Ergebnisebene klar verfehlt. Gleichzeitig setzte das Unternehmen ein Signal an den Kapitalmarkt und startete ein Aktienrückkaufprogramm über 1 Millarden Dollar, das bis Mai 2027 läuft. Die Kapitalrückführung gilt neben der Bewertung als wichtiger Stützfaktor für die Nachfrage nach dem Titel. Operativ zeigte sich ein gemischtes Bild: Das Baustoffgeschäft wuchs, während das schwache Dachgeschäft und höhere Kosten belasteten. Amrize bestätigte die Jahresziele und erwartet eine Verbesserung im Jahresverlauf. Analysten verweisen auf die Stärke im Hauptsegment und die vergleichsweise niedrige Bewertung.
Swiss Re
Das starke erste Quartal von Swiss Re hat im Mai für erhöhte Nachfrage nach den Aktien gesorgt. Im Auftaktsquartal steigerte der Rückversicherer den Gewinn um rund 20 Prozent auf 1,5 Milliarden Dollar und erreichte damit bereits ein Drittel des Jahresziels. Treiber waren eine verbesserte Profitabilität und wenige Grossschäden. Alle Sparten trugen zum Ergebnis bei, wobei die Schadenrückversicherung den grössten Beitrag lieferte. Auch die Lebensrückversicherung zeigt sich nach dem Konzernumbau stabiler und gewinnt an Gewicht. Mit Blick nach vorn trüben jedoch sinkende Preise und rückläufige Volumen im Schadengeschäft die Aussichten. Der Spielraum für weiteres Gewinnwachstum dürfte damit begrenzt bleiben.
Adecco
Nach den Quartalszahlen geriet der Stellenvermittler weiter unter Druck, der Abwärtstrend hatte jedoch bereits zuvor eingesetzt. Seit Jahresbeginn verlor die Aktie von Adecco klar, belastet durch ein schwaches Branchenumfeld und zurückhaltende Neueinstellungen in Europa. Die Zahlen bestätigten dieses Bild: Der Umsatz wuchs zwar um zwei Prozent, getragen von Temporärarbeit und Outsourcing. Gleichzeitig bleibt das margenträchtigere Geschäft mit Festanstellungen schwach. Die Margen gerieten unter Druck, was die Skepsis gegenüber der Ertragsqualität verstärkte. Der Kursrückgang ist damit vor allem die Folge eines schwierigen Umfelds und gemischter Fundamentaldaten.
Die tiefe Bewertung und die Marktanteilsgewinne dürften dennoch dazu beigetragen haben, dass Investoren wieder vermehrt eingestiegen sind.
Insgesamt zeigt sich: Die positive Entwicklung an den Börsen hält an, was wiederum auch Anleger motiviert, weiter zuzukaufen. Während einige Sektoren international von strukturellen Trends wie KI profitieren, kämpfen andere mit konjunkturellem Gegenwind und Margendruck. Die Nachfrage im Mai deutet darauf hin, dass Investoren gezielt nach Einstiegsgelegenheiten ausserhalb der Gewinnersegmente suchen. Entscheidend wird sein, ob sich die operative Entwicklung in den kommenden Quartalen bestätigt und die Erwartungen erfüllt werden. Andernfalls könnte die Volatilität hoch bleiben.
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