Die Zauberformel für Anleger: Funktioniert sie heute noch?

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Zwei Kennzahlen, klare Regeln, enorme Wirkung: Die sogenannte "Zauberformel" versprach über Jahre herausragende Renditen. Doch kann sie auch heute noch überzeugen?

Publiziert 9. Jan. 2026

Autor

Patrick Herger

Funktion Anlageexperte

Beschreibung

Joel Greenblatt erlangte Bekanntheit durch die aussergewöhnliche Performance seines Hedge Funds Gotham Capital, der in den 1980er- und 1990er-Jahren durchschnittliche Jahresrenditen von rund 50 Prozent erzielte. Dieses Hochleistungs-Know-how wollte Greenblatt für jedermann zugänglich machen.  

Herausgekommen ist die "Magic Formula" (Zauberformel). Eine regelbasierte Anlagestrategie für Privatanleger, die darauf abzielt, systematisch ein Portfolio aus Aktien mit attraktiver Bewertung und hoher Unternehmensqualität zusammenzustellen.

Die Regeln der Zauberformel

In der Basisversion beruht die Strategie auf zwei einfachen Kennzahlen: dem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV, auf Englisch PE-Ratio) und der Gesamtkapitalrendite (GKR, auf Englisch ROA). Die Umsetzung erfolgt in vier Schritten:

1. Auswahl des Universums: Für einen Schweizer Investor beginnt der Prozess mit dem gesamten SPI-Universum. Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung unter 100 Millionen Franken sowie Finanz- und Versorgungswerte werden ausgeschlossen, da die Formel für diese Branchen weniger geeignet ist.

2. Erstellung zweier Ranglisten:

  • Ranking 1 (Bewertung): Sortierung nach KGV – die Aktie mit dem niedrigsten KGV erhält Rang 1, die zweittiefste Rang 2 usw.
  • Ranking 2 (Profitabilität): Sortierung nach ROA – die Aktie mit dem höchsten ROA erhält Rang 1, die zweithöchste Rang 2 usw.

3. Kombination der Rankings: Die beiden Rangplätze werden addiert. Aktien mit den niedrigsten Gesamträngen bilden die engere Auswahl. Daraus wählt man 5 bis 7 Titel, die jeweils ein Jahr gehalten werden.

4. Portfolioaufbau: Alle drei bis vier Monate wird der Prozess wiederholt, bis ein Portfolio von 20 bis 30 Aktien aufgebaut ist. Wer diese Vorgehensweise über fünf bis zehn Jahre konsequent verfolgt, kann laut Greenblatt überdurchschnittliche Ergebnisse erzielen.

Die erweiterte Version der Strategie ersetzt KGV und ROA durch zwei präzisere Kennzahlen: Gewinnrendite (EBIT / Unternehmenswert) und Kapitalrendite (EBIT / materielles betriebsnotwendiges Kapital).

Laut ihren Befürwortern erzielte die Zauberformel über Jahrzehnte annualisierte Renditen, die nahezu doppelt so hoch waren wie die des Gesamtmarktes. Greenblatts ursprüngliche Analyse, die den Zeitraum von 1988 bis 2004 abdeckte, zeigte eine annualisierte Rendite von 31 Prozent gegenüber 12 Prozent für den S&P 500 – eine geradezu sagenhafte Mehrrendite.

Das aktuelle SPI-Ranking

Wie sieht die Anwendung der Zauberformel heute konkret aus? Ein Blick auf das aktuelle SPI-Ranking zeigt die zehn Schweizer Unternehmen, die derzeit am besten abschneiden.

Doch bevor man sich zu sehr von den Erfolgen der Zauberformel blenden lässt, lohnt ein Blick auf die jüngere Performance der Strategie – und Simulationen für die letzten Jahre zeigen eine gedämpfte Performance. Experten beobachten, dass die Magic Formula nicht nur in den USA, sondern auch in Europa – insbesondere seit 2021 – eine beschleunigte Unterperformance erlebt hat. Dies wirft die Frage auf, ob die "Magie" verloren gegangen ist.

Hier ist wichtig, sich in Erinnerung zu rufen, dass selbst erfolgreiche Strategien nicht in jeder Marktphase überzeugen werden. Genau diese Eigenschaft ist jedoch ein Vorteil: Wie Joel Greenblatt betont, sorgt die zeitweise Unterperformance dafür, dass die langfristigen Renditepotenziale bestehen bleiben. Eine Strategie, die immer und in jeder Marktphase funktioniert, würde zwangsläufig so viele Marktteilnehmer anziehen, dass ihre Überrenditen durch Arbitrageeffekte rasch verschwinden.

Was heisst das für Privatanleger?

Empirische Analysen zeigen, dass die Magic-Formula-Strategie zentrale Renditetreiber – insbesondere im Hinblick auf Value- und die Quality-Prämien – systematisch abbildet. Auf europäischen Märkten lassen sich langfristig weiterhin signifikante, risikoadjustierte Überrenditen beobachten, die primär auf diese Stilfaktoren zurückzuführen sind.

Für die praktische Umsetzung empfiehlt sich ein Einsatz der Zauberformel allerdings vor allem als effizientes Screening-Tool. Sie ist ein grobes Werkzeug, kein Skalpell – die Methode liefert eine fokussierte Liste vielversprechender Kandidaten, die anschliessend einer vertieften Analyse unterzogen werden sollten.

Zusätzliche Anpassungen – etwa die Integration weiterer Qualitätskennzahlen wie dem Piotroski-Score oder die Berücksichtigung von Momentum-Faktoren – können die Ergebnisse verbessern. Anleger sollten die Formel also nicht einfach blind umsetzen, sondern sie als Fundament für die eigene, disziplinierte Investmentpraxis nutzen. 

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