VZ Analyse
Der Vergleich der Aktienmärkte der Schweizer Gruppengegner zeigt klare Kräfteverhältnisse. Doch wie im Fussball sind Überraschungen jederzeit möglich.
Publiziert vor 3 Stunden
Beschreibung
Die Schweiz trifft in der Gruppenphase der Fussball-WM auf Bosnien und Herzegowina, Kanada und Katar. Neben Gastgeber Kanada zählt sie zu den Favoriten auf den Einzug in die nächste Runde. Diese Rollenverteilung zeigt sich auch an den Aktienmärkten. Die besonderen Strukturen der einzelnen Märkte können das erwartete Bild jedoch verändern.
Die Grösse spricht für Kanada
Kanada gehört mit einer Fläche von rund 10 Millionen Quadratkilometern zu den grössten Ländern der Welt. Die Schweiz ist mit rund 41'300 Quadratkilometern deutlich kleiner. Mit über 51'200 Quadratkilometern ist auch Bosnien und Herzegowina flächenmässig grösser als die Schweiz. Katar ist mit rund 11'500 Quadratkilometern das kleinste Land der Gruppe.
Bevölkerungsmässig liegt Kanada mit rund 41,3 Millionen Einwohnern ebenfalls klar an der Spitze. Danach folgt die Schweiz mit rund 9 Millionen Einwohnern. In Bosnien und Herzegowina leben etwas mehr als 3 Millionen Menschen. Katar weist eine ähnlich grosse Bevölkerung auf.
Auch die Finanzmärkte unterscheiden sich deutlich. Die Schweiz und Kanada zählen zu den 23 entwickelten Märkten. Katar gehört zu den Schwellenländern. Bosnien und Herzegowina gilt als Grenzmarkt und liegt damit zwischen den am wenigsten entwickelten Märkten und den Schwellenländern.
Die Marktkapitalisierung der Leitindizes in Kanada und in der Schweiz liegt deshalb deutlich über jener des katarischen QE All Share Index. In Bosnien und Herzegowina fehlt ein landesweiter Aktienindex. Sarajevo und Banja Luka verfügen über eigene Börsen und führen mit dem SASX 10 und dem BIRS jeweils einen eigenen Index. Angaben zur Marktkapitalisierung sind jedoch nur für den BIRS verfügbar.
Die Schweiz überzeugt mit einer stabilen Defensive
Die Kursentwicklung seit Anfang 2025 zeigt ein weniger eindeutiges Bild. Der kanadische Aktienmarkt legte um 27,7 Prozent zu. Die Schweiz folgt mit einem Plus von 25,7 Prozent. Auch der SASX 10 aus Sarajevo hielt mit einem Anstieg von 22,6 Prozent gut mit.
Der BIRS entwickelte sich dagegen deutlich schwächer und verlor 8,2 Prozent. Damit zeigen die beiden bosnischen Indizes in unterschiedliche Richtungen. Auch der katarische QE All Share blieb zurück und sank im betrachteten Zeitraum um 4,5 Prozent.
Diese Entwicklung überrascht angesichts der gestiegenen Energiepreise. Die Zusammensetzung des katarischen Index liefert jedoch eine Erklärung. Finanzwerte und vor allem Banken machen fast 60 Prozent des QE All Share aus. Das grösste Unternehmen des Landes, QatarEnergy, ist nicht an der Börse kotiert und deshalb nicht im Index enthalten. Der Konzern kontrolliert einen grossen Teil der katarischen Wertschöpfung mit Erdgas, Flüssigerdgas und Erdöl. Gemessen an Umsatz und Gewinn wäre er deutlich bedeutender als die Qatar National Bank, das grösste Unternehmen im Index.
Auch im kanadischen S&P/TSX Composite bilden Finanzwerte mit einem Anteil von rund 35 Prozent den grössten Sektor. Fünf der zehn grössten Positionen sind Banken. Zudem haben zyklische Branchen wie Grundstoffe und Energie ein hohes Gewicht.
Der Schweizer Aktienmarkt ist defensiver ausgerichtet. Gesundheitsunternehmen und Hersteller von Basiskonsumgütern prägen den Markt. Dadurch reagiert er weniger stark auf konjunkturelle Schwankungen als der kanadische Aktienmarkt.
Schweiz oder Kanada als Gruppensieger – im Normalfall
Kanada ist flächenmässig grösser, verfügt über den umfangreicheren Aktienmarkt und entwickelte sich seit Anfang 2025 etwas besser als die Schweiz. In unruhigen Marktphasen bietet der defensive Schweizer Aktienmarkt jedoch klare Vorteile.
Die jeweilige Marktstimmung entscheidet deshalb, ob Kanada oder die Schweiz vorne liegt. Auch Fussballexperten erwarten diese beiden Teams an der Spitze der Gruppe. Das enttäuschende Unentschieden der Schweiz gegen Katar im Auftaktspiel zeigt jedoch: Überraschungen bleiben jederzeit möglich. Gleiches gilt für die Aktienmärkte.
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