Die Schweizer Pharmariesen befinden sich im Gegenlauf

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VZ Analyse

Die jüngsten Quartalszahlen zeigen: Die beiden Branchenführer Roche und Novartis bewegen sich in einem herausfordernden Umfeld und setzen zugleich gezielt auf Wachstum und Zukunftsmärkte.

29. Okt. 2025

Beschreibung

Im dritten Quartal zeigen die beiden führenden Pharmakonzerne ein unterschiedliches Bild: Roche gewinnt an Tempo und Zuversicht, während Novartis unter Preisdruck und nachlassender Dynamik leidet. Beide setzen auf neue Technologien und Übernahmen, wobei Roche momentan das Wachstum und Marktvertrauen stärker ausbauen kann.

Novartis: Preisdruck drückt auf die Marge

Novartis hat im dritten Quartal zwar erneut Wachstum gezeigt, doch der Konzern verliert an Schwung. Umsatz und Reingewinn legten in Dollar um 8 Prozent respektive 23 Prozent solide, aber weniger dynamisch zu als in den Vorquartalen, was vor allem an zunehmender Generikakonkurrenz und Preisdruck im US-Markt liegt. Die wichtigsten Wachstumstreiber blieben die Krebsmedikamente sowie das MS-Mittel Kesimpta, die weiterhin zweistellige Zuwachsraten verzeichneten. Der Reingewinn verfehlte leicht die Erwartungen, da der Preisdruck durch ausgelaufene Produkte die Profitabilität belastete. Nach zehn Quartalen in Folge mit Anhebungen hat Novartis die Jahresprognose diesmal nur bestätigt, was an den Märkten als Zeichen nachlassender Dynamik gewertet wurde.

Parallel dazu setzt der Konzern strategisch klar auf Expansion durch gezielte Übernahmen, um das mittelfristige Wachstum zu sichern und sich gegen den Rückgang älterer Produkte abzusichern. Die angekündigte Übernahme von Avidity Biosciences für rund 12 Mrd. Dollar markiert den grössten Zukauf seit über einem Jahrzehnt. Mit dem Einstieg in RNA-basierte Therapien für seltene neuromuskuläre Erkrankungen verschafft sich Novartis Zugang zu einer technologisch vielversprechenden Plattform und mehreren Wirkstoffkandidaten mit Milliardenpotenzial.

Der Schritt stärkt nicht nur die Pipeline in einem zukunftsträchtigen Bereich, sondern erlaubt es dem Konzern auch, die Prognose für das jährliche Umsatzwachstum bis 2029 von 5 auf 6 Prozent anzuheben. Kurzfristig wird der Deal jedoch auf die operative Marge drücken.

Langfristig positioniert sich Novartis damit als Innovationsführer im RNA-Segment und kompensiert potenzielle Umsatzeinbrüche durch Generikadruck mit neuen, patentgeschützten Wachstumsfeldern.

Roche treibt Wachstum voran

Roche hat im dritten Quartal den Aufwärtstrend bestätigt und das Wachstumstempo deutlich gesteigert. Die Pharmasparte zeigte solides Wachstum und kompensierte den Rückgang älterer Produkte durch starke Nachfrage in den Kernbereichen. Die Erosion durch Generika fiel schwächer aus als erwartet, während in der Diagnostik die Schwäche in China – bedingt durch Preisreformen und staatliche Mengensteuerung – durch solide Nachfrage in Europa und Nordamerika abgefedert wurde. Roche hat zehn vielversprechende Projekte in der späten Entwicklungsphase – entsprechend wurde auch die Gewinnprognose angehoben. Damit signalisiert Roche operatives Vertrauen, auch wenn einzelne Hoffnungsträger wie Ocrevus oder Hemlibra leicht unter den Erwartungen blieben.

Roche richtet den Blick klar nach vorn und positioniert sich mit Nachdruck im boomenden Adipositasmarkt – einem Bereich, der bislang von Novo Nordisk und Eli Lilly dominiert wird. Mit dem Start der nächsten Studienphase und der gemeinsamen Entwicklung neuer Therapien mit Zealand Pharma will Roche seine Position im schnell wachsenden Markt für Adipositasbehandlungen ausbauen und bis 2030 zu den drei führenden Anbietern weltweit gehören.

Durch den Zukauf von 89bio und Carmot Therapeutics baut Roche eine breite Entwicklungspipeline auf – ein gezielter Schritt, um ein vielseitiges und kombinierbares Angebot im Bereich Adipositas und Stoffwechselerkrankungen zu schaffen. Damit unterstreicht Roche, dass das Unternehmen nach Jahren defensiver Stabilität nun wieder aktiv in Zukunftsmärkte investiert – mit dem klaren Ziel, Wachstum und Relevanz jenseits der klassischen Therapiegebiete langfristig zu sichern.

Seit Jahresbeginn haben beide Pharmaunternehmen an der Börse zugelegt – Novartis erzielte dabei mit 15,5 Prozent eine deutlich höhere Rendite als Roche mit 5,6 Prozent. Nach den Zahlen zum dritten Quartal verlor Novartis mit einem Minus von über 4 Prozent nochmals spürbar. Am selben Handelstag geriet auch Roche unter Druck und verlor im Sog von Novartis über 2 Prozent an Wert. Im weiteren Jahresverlauf dürften die Kurs-Gewinn-Verhältnisse laut Schätzungen sinken – bei Roche fallen die erwarteten Gewinnzuwächse dabei besonders ins Gewicht. Entsprechend fällt auch die Analysteneinschätzung aus: Für Roche überwiegen Kaufempfehlungen, während Novartis mehrheitlich neutral bewertet wird.

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