Die Elektromobilität stösst an die Grenzen des Wachstums

VZ Analyse

Während chinesische Hersteller ihre Absätze vervielfachen, geraten westliche Autobauer unter Druck. Verkaufszahlen zeigen, warum Elektroautos weltweit längst nicht mehr nach dem gleichen Muster erfolgreich sind.

Publiziert 14. Jan. 2026

Autor

Roman Gfeller

Funktion Anlageexperte

Beschreibung

Wer sich derzeit die Verkaufszahlen der Autoindustrie ansieht, stösst auf ein widersprüchliches Bild. In einzelnen Märkten wachsen die Absätze von Elektrofahrzeugen weiterhin kräftig, während sie anderswo stagnieren oder zurückgehen. Gleichzeitig melden grosse Hersteller Rekordverkäufe – allerdings vor allem mit Verbrennern und Hybridmodellen. Diese Divergenz prägt derzeit die strategischen Entscheidungen der Branche.

Absatzschwerpunkt: Asien dominiert den EV-Markt

Die Verkaufszahlen der vergangenen Jahre zeigen eine signifikante geografische Verschiebung des Elektroautomarkts. China hat sich zum grössten Einzelmarkt entwickelt und erreichte 2025 erstmals einen Elektroautoanteil von über 50 Prozent bei Neuzulassungen. Diese Dynamik spiegelt sich besonders bei BYD wider: Der Hersteller steigerte seinen Quartalsabsatz von rund 550’000 Fahrzeugen Anfang 2023 auf über 1,4 Millionen im vierten Quartal 2025 und liegt damit klar vor der internationalen Konkurrenz. Der Grossteil dieses Volumens entfällt auf den chinesischen Heimatmarkt, getragen von hoher Produktionsskalierung, staatlicher Industriepolitik und einer starken Position im Batteriebereich.

Auch NIO profitiert von diesem Umfeld, bleibt jedoch trotz steigender Zahlen ein kleiner Anbieter. Zwar konnte NIO seinen Absatz bis Ende 2025 auf über 120’000 Fahrzeuge pro Quartal ausbauen, absolut gesehen liegt das Unternehmen jedoch klar hinter BYD und Tesla zurück. Der Absatz konzentriert sich nahezu vollständig auf China, wo der Wettbewerbsdruck besonders hoch ist.

Entwicklung der Absatzvolumen von Tesla im Vergleich zu den chinesischen Anbietern BYD und NIO

Tesla ist deutlich globaler aufgestellt, verzeichnete zuletzt jedoch vor allem in den USA und in Europa eine Abschwächung der Nachfrage. Die Auslieferungen stagnieren seit 2023 , teils mit spürbaren Rückgängen auf Quartalssicht. Im letzten Quartal 2025 konnte Tesla rund 418'000 Fahrzeuge absetzen. Preissenkungen halfen, den Absatz zu stabilisieren, gingen jedoch zulasten der Margen. Gleichzeitig steht Tesla in Asien zunehmend unter Druck chinesischer Hersteller, die günstiger produzieren und ihre Modelle schneller an den Markt bringen.

Europa und USA: Verhaltener Markt, politische Unsicherheit

In Europa und den USA verläuft die Entwicklung des Elektroautomarkts weniger dynamisch als in Asien. Neben einer verhaltenen Nachfrage tragen auch politische Unsicherheiten zur Zurückhaltung bei. In der Europäischen Union wurden die ursprünglich ambitionierten CO₂-Ziele im Verkehrssektor zuletzt aufgeweicht – massgeblich unter dem Druck einzelner Mitgliedstaaten mit starker Automobilindustrie. Das wiederholte Nachjustieren von Emissionsvorgaben und Zeitplänen für den Ausstieg aus den Verbrennungsmotoren erschwert sowohl Konsumenten als auch Herstellern verlässliche Entscheidungen.

Die Folgen dieser Unsicherheit sind branchenweit spürbar. Während einzelne Hersteller weiterhin auf eine klare Regulierung drängen und ihre Modellpaletten frühzeitig auf Elektromobilität ausgerichtet haben, reagieren andere vorsichtiger. Insbesondere Konzerne mit hohem Absatzanteil in Europa und den USA passen ihre Investitions- und Produktstrategien an eine Nachfrage an, die hinter den ursprünglichen Erwartungen zurückbleibt. Damit rückt weniger die langfristige Zielsetzung als vielmehr die kurzfristige Marktrealität in den Vordergrund.

Etablierte Hersteller passen ihre Strategien an

Vor diesem Hintergrund gewinnen die jüngsten Entscheidungen grosser westlicher Automobilhersteller an Bedeutung. Die Entwicklung bei Ford Motor zeigt diese Neubewertung besonders deutlich. So steigerte der Konzern 2025 seine US-Gesamtverkäufe um sechs Prozent auf 2,2 Millionen Fahrzeuge und erzielte damit das beste Ergebnis seit 2019. Mit einem Anteil von 86 Prozent am Gesamtvolumen dominieren weiterhin Automobile mit Verbrennungsmotoren. Gleichzeitig ging das Absatzvolumen der Elektrofahrzeuge um 14,1 Prozent zurück und brach im vierten Quartal gar um mehr als 50 Prozent ein. Hybridfahrzeuge legten hingegen um rund 22 Prozent zu.

Ford reagiert darauf mit einer klaren Verschiebung der Priorisierung. Grosse Teile der angekündigten zweiten Generation von Elektrofahrzeugen wurden gestrichen, darunter auch kapitalintensive Projekte. Künftige Investitionen sollen verstärkt in Hybridantriebe sowie in kleinere, preislich günstigere Elektrofahrzeuge fliessen, deren Markteinführung ab 2027 vorgesehen ist. Der Konzern begründet diesen Schritt mit einer hinter den Erwartungen zurückgebliebenen Nachfrage und fehlender Profitabilität bei grossen Elektrofahrzeugen.

Ford steht mit dieser Strategie nicht allein. Auch General Motors, Stellantis oder Volkswagen haben ihre Elektrifizierungsziele zeitlich gestreckt, Investitionen neu priorisiert oder den Fokus stärker auf Plug-in-Hybride gelegt. Die Entscheidungen spiegeln weniger einen grundsätzlichen Zweifel an der Elektromobilität wider, sondern eine Anpassung an reale Absatzentwicklungen, Kostenstrukturen und ein politisches Umfeld, das derzeit nur begrenzte Planungssicherheit bietet.

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