Der Nahostkonflikt verteuert Rohstoffe – diese Industrien zahlen den Preis

Analysen
Analysen

VZ Analyse

Der Iran-Krieg und die Blockade der Strasse von Hormus treiben die Rohstoffpreise nach oben. Die teurere Rohstoffbeschaffung setzt Unternehmen unter Druck und trifft auch die Schweizer Industrie.

Publiziert vor 5 Stunden

Autor

Ramon Hess

Funktion Anlageexperte

Beschreibung

Mit dem Waffenstillstand zwischen den USA, Israel und dem Iran sollte die für den globalen Energiehandel zentrale Strasse von Hormus eigentlich wieder geöffnet sein. Tatsächlich verkehren jedoch weiterhin nur wenige Tanker durch die Meerenge. Die Unsicherheit bleibt hoch, die Rohstofflieferketten zeigen sich weiterhin instabil.

Seit dem Ausbruch des Iran-Konflikts Ende Februar sind Rohstoffe markant teurer geworden. Im Zentrum stehen Erdöl und Erdgas. Da aus der Erdöl- und Erdgasförderung zahlreiche Vor- und Nebenprodukte hervorgehen, wirken sich die Preissteigerungen entlang globaler Wertschöpfungsketten aus und verteuern die Herstellung weiterer Rohstoffe und Güter.

Durch die Strasse von Hormuz werden zudem nicht nur Erdöl und Erdgas transportiert. Das Angebot von anderen notwendigen Rohstoffen wird ebenfalls verknappt.

Düngemittel verteuern Nahrungsmittelpreise

Die Golfstaaten spielen eine Schlüsselrolle im globalen Düngemittelmarkt. Rund ein Drittel des weltweiten Handels mit Pflanzendünger wird über die Strasse von Hormus abgewickelt.

Besonders die Rohstoffe Harnstoff (hochkonzentrierter Stickstoffdünger) und Schwefel stehen in engem Zusammenhang mit der Öl- und Gasförderung im Nahen Osten. Steigende Energiepreise verteuern die Herstellung dieser Vorprodukte und treiben die Düngemittelpreise exorbitant nach oben. Der Preis für eine Tonne granulierten Harnstoff ist seit Beginn des Konflikts um rund 68 Prozent gestiegen.

Wenn Pflanzendünger teurer wird, erhöht das die Produktionskosten in der Landwirtschaft. Die Auswirkungen bleiben bislang jedoch begrenzt, da der Preisanstieg in einen vergleichsweise günstigen Zeitpunkt im Agrarkalender fällt und viele Betriebe ihren Dünger bereits im Voraus beschafft haben. Entsprechend sind die Preise für landwirtschaftliche Produkte in Franken gerechnet bisher lediglich um rund 3 Prozent angestiegen.

Aluminium als wichtiges Industriemetall

Die Einschränkungen in der Strasse von Hormus treffen auch den Aluminiummarkt. Die Golfstaaten, die knapp 10 Prozent der weltweiten Aluminiumproduktion ausmachen, können aktuell weder ihr Aluminium exportieren noch die für ihre Schmelzen benötigten Rohstoffe wie Bauxit und Tonerde importieren.

Vor diesem Hintergrund steigen die Aluminiumpreise weiter an, zuletzt erreichten sie ein Vierjahreshoch. Die Preissteigerungen treffen eine Vielzahl von Industrien, da Aluminium etwa im Automobilbau, in der Luftfahrt sowie in der Solarindustrie eingesetzt wird.

Die höheren Preise stellen einen zusätzlichen Belastungsfaktor für die Margen vieler Unternehmen dar. 

In der Schweiz ist beispielsweise Belimo auf Aluminium für Gehäuse und Komponenten von Antriebs- und Feldgeräten in der Gebäudetechnik angewiesen. Bossard vertreibt Verbindungstechnik wie Schrauben und Befestigungselemente, die teilweise aus Aluminium gefertigt werden.

Kunststoff mit kritischem Engpass

Auch die Preise für Kunststoffe sind zuletzt stark gestiegen. Die meisten Kunststoffe basieren auf petrochemischen Vorprodukten, die aus Erdöl gewonnen werden.

Die Kombination aus der angespannten Lage in der Strasse von Hormus und historisch niedrigen asiatischen Lagerbeständen von nur zwei bis drei Wochen hat die Preise für Polymere stark ansteigen lassen. Steigende Polymerpreise haben direkten Einfluss auf die Materialkosten verschiedenster Erzeugnisse.

Das dürfte auch Schweizer Unternehmen treffen, die Kunststoff in ihren Produkten einsetzen. Geberit verwendet Kunststoffe in Sanitärsystemen, Rohrleitungen und Spülkästen. Sika nutzt sie als Bestandteil von Dichtstoffen, Klebern und Bauchemikalien.

Durch die Zerstörung von Raffinerien und Produktionsanlagen in der Golfregion dürfte sich der Engpass zudem verlängern, selbst wenn die Strasse von Hormus wieder vollständig geöffnet wird.

Helium als unverzichtbares Kühlmittel

Katar zählt zu den wichtigsten Lieferanten von Flüssiggas. Helium wird bei der Gasförderung als Nebenprodukt gewonnen, da es häufig in denselben Gesteinsformationen vorkommt.

Die Produktionsausfälle beim Flüssiggas in Katar wirken sich daher auch auf die Heliumpreise aus. Diese haben sich seit Ausbruch des Konflikts nahezu verdoppelt.

Als unverzichtbares Kühlmittel in der Halbleiterproduktion sowie in der Medizintechnik ist Helium kaum substituierbar. Das spüren auch Unternehmen wie VAT, Roche oder Novartis.

Energiepreise als Taktgeber der Rohstoffdynamik

Die aktuelle Teuerung bei den Rohstoffen wird primär durch die Energiepreise bestimmt, insbesondere durch Rohöl und Erdgas. Diese wirken als zentrale Preisanker für petrochemische Produkte, Düngemittel sowie Teile der industriellen Grundstoffproduktion.

Der Nahostkonflikt wirkt damit als Katalysator für einen breiten Preisanstieg bei Rohstoffen. Sollte die geopolitische Unsicherheit anhalten, ist mit einer Weitergabe der Energiepreisschocks in nachgelagerte Industrien zu rechnen.

Disclaimer: Alle Angaben ohne Gewähr. Bei den aufgezeigten Informationen handelt es sich um Werbung gemäss Art. 68 FIDLEG.