Der Lack blättert: Turbulente Zeiten für Luxusautohersteller

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VZ Analyse

Ferrari bleibt trotz Kursrückgang profitabel und strategisch gefestigt, während Aston Martin mit Absatz- und Finanzproblemen kämpft. Zwei Luxusmarken, die zeigen, wie unterschiedlich Erfolg und Risiko in der Branche verteilt sind.

13. Okt 2025

Beschreibung

Ferrari korrigiert Strategie und drosselt Elektrifizierungspläne

Ferrari musste jüngst Kursverluste hinnehmen, nachdem das Unternehmen seine Umsatz- und Margenziele nach unten korrigiert und seine Elektrifizierungsstrategie angepasst hat. Bei der Präsentation der neuen Langfristplanung stürzte die Aktie in Mailand um rund 15 Prozent ab – der grösste Tagesverlust seit dem Börsengang 2016. Obwohl Ferrari für das laufende Jahr mit einem höheren Reingewinn rechnet, blieb die Prognose unter den Erwartungen der Analysten. Bis 2030 sollen die Erlöse auf rund 9 Milliarden Euro steigen. 

Die Prognose fällt konservativ aus, wenngleich langfristig keine strukturelle Schwäche besteht. Der Rückschritt bei den Elektroauto-Zielen – nun 20 Prozent statt 40 Prozent vollelektrische Modelle bis 2030 – begründet Ferrari mit einer bewussten Kundenorientierung und realistischen Markteinschätzung. Der erste vollelektrische Ferrari, das Modell «Elettrica», soll Ende 2026 auf den Markt kommen und wird als technische Meisterleistung positioniert. Parallel baut das Unternehmen seine Hybridflotte aus und hält weiter an leistungsstarken Verbrennermotoren fest, um die DNA der Marke zu bewahren.

Trotz des kurzfristigen Kursrutsches bleibt Ferrari eine Ausnahmeerscheinung in der Branche. Während viele Konkurrenten mit sinkender Nachfrage, Preisdruck und Überkapazitäten kämpfen, konnte Ferrari im letzten Quartal seinen Gewinn stabil halten – gegen den allgemeinen Branchentrend. Zudem betont das Management, dass die Auswirkungen der Zölle wohl nur eine leichte Belastung für die Margen darstellen, nachdem die Preise für gewisse Modelle zeitweise rund 10 Prozent angehoben wurden. Die Nachfrage übersteigt weiterhin deutlich das Angebot, und die Wartelisten reichen teils mehrere Jahre. Das Unternehmen plant, zwischen 2026 und 2030 jährlich durchschnittlich vier neue Modelle zu lancieren, darunter auch limitierte Supercars, die als Margentreiber dienen sollen. Die Kombination aus kontrolliertem Wachstum, Markenexklusivität und operativer Disziplin macht Ferrari zu einem der profitabelsten Autobauer der Welt. Selbst wenn die Elektromobilität langsamer voranschreitet als ursprünglich geplant, bleibt Ferrari mit seiner klaren Markenidentität und robusten Bilanz einer der wenigen Hersteller, der den Spagat zwischen Tradition und Zukunft glaubwürdig meistert.

Der Aktienkurs von Ferrari konnte trotz des starken Rückgangs auf Dreijahressicht über 90 Prozent zulegen. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) wird für das laufende Jahr tiefer erwartet und deutet auf eine Gewinnsteigerung hin. Die Analysten empfehlen die Aktie mehrheitlich zum Kauf.

Aston Martin kämpft mit Absatzrückgang und finanziellen Engpässen

Aston Martin befindet sich erneut in einer heiklen Phase seiner Unternehmensgeschichte. Nach einer frischen Gewinnwarnung sackte der Aktienkurs des britischen Luxusautoherstellers um bis zu 10 Prozent ab, was die Nervosität der Anleger unterstreicht. Das Unternehmen, das seit Jahrzehnten zwischen Glamour und finanzieller Instabilität pendelt, erwartet für das Geschäftsjahr 2025 einen Rückgang der ausgelieferten Fahrzeuge um einen mittleren bis hohen einstelligen Prozentsatz gegenüber den 6’030 Einheiten des Vorjahres. Zudem wird für die zweite Jahreshälfte kein positiver freier Cashflow mehr prognostiziert – ein klares Warnsignal für Investoren. Die Geschäftsleitung reagierte mit einer sofortigen Überprüfung der laufenden Kosten und Investitionen, um Liquidität zu sichern. Belastend wirken vor allem das schwache makroökonomische Umfeld und zunehmende Unsicherheiten im internationalen Handel. Das neue US-UK-Handelsabkommen, das eine jährliche Quote von 100’000 britischen Autos zu 10 Prozent Zoll vorsieht, schränkt die Planung ein und sorgt für zusätzliche Komplexität. Hinzu kommen verschärfte Luxussteuern in China sowie potenzielle Engpässe in den Lieferketten, die Aston Martins ohnehin fragile Struktur weiter strapazieren.

Das Management betont, dass man mit Regierungen in London und Washington im Dialog stehe, um Klarheit über die zukünftige Zollpolitik zu schaffen. Doch die Situation verdeutlicht die Schwächen des Geschäftsmodells: Als Hersteller im Nischensegment mit geringen Stückzahlen ist Aston Martin besonders anfällig für Marktverwerfungen und politische Entscheidungen. Der Konzern fordert daher mehr Unterstützung seitens der britischen Regierung. Die strukturellen Probleme bleiben jedoch tiefgreifend: Hohe Fixkosten, eine langsame Skalierbarkeit und der Zwang zu ständigen Modellneuerungen belasten die Profitabilität. Während grössere Wettbewerber wie Ferrari oder Porsche von stabiler Nachfrage und einer starken Preissetzungsmacht profitieren, kämpft Aston Martin mit schmalen Margen und einem angeschlagenen Vertrauen an den Kapitalmärkten. Die Kombination aus geopolitischen Risiken und verhaltener Konsumentennachfrage macht deutlich, dass der Traditionshersteller sich in einem entscheidenden Umbruch befindet – zwischen der Faszination seiner Marke und der harten Realität eines zunehmend umkämpften Luxusautomarkts.

Die Anteilsscheine von Aston Martin verliefen bis zur Jahresmitte 2023 in einem deutlichen Aufwärtstrend. Seither liess der Aktienkurs aber federn. Im gesamten Zeitraum steht ein Kursverlust von rund 32 Prozent unter dem Strich. Derzeit weist Aston Martin kein KGV aus, da das Unternehmen einen bilanziellen Verlust rapportierte. Die Analysten sind sich uneins, tendieren in Richtung einer Halteempfehlung.

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