Der Januar als Börsenorakel: Mythos oder Mehrwert für Anleger?

VZ Analysen

So wie der Januar, so geht der Rest vom Jahr: Nach dieser Regel dürfen Anleger ein gutes Börsenjahr 2026 erwarten. Doch wie zuverlässig ist dieses Sprichwort?

Publiziert 19. Jan. 2026

Autor

Luca Liebi

Funktion Anlageexperte

Beschreibung

Saisonalen Börsenregeln haben eine lange Tradition. Sie sind eingängig, leicht verständlich und bieten Orientierung in einem Umfeld, das von Unsicherheit geprägt ist. Gerade zu Jahresbeginn ist das Bedürfnis nach Anhaltspunkten besonders gross. 

Tatsächlich lohnt es sich beim Januar-Effekt, genauer hinzuschauen. Die zentrale Idee hinter der Regel ist: Die Performance im Januar kann Hinweise darauf liefern, wie sich der Markt in den folgenden elf Monaten entwickelt. Wenn man davon ausgeht, dass dieser Zusammenhang stimmt, können sich Anleger auf ein gutes Börsenjahr 2026 freuen. Denn in den ersten zwei Wochen legte der Swiss Performance Index rund 1,5 Prozent zu. Das müsste eigentlich ein gutes Omen sein. 

Gilt diese Regel für den Schweizer Aktienmarkt? 

Ein Blick auf die historische Entwicklung des Swiss Performance Index (SPI) von 1988 bis 2025 deutet auf einen Zusammenhang zwischen der Januar-Performance und dem weiteren Jahresverlauf hin.

War der Januar positiv, endeten die Renditen von Februar bis Dezember in 19 Fällen ebenfalls im Plus. Demgegenüber standen nur 3 Fälle, in denen der Markt nach einem positiven Januar im restlichen Jahr Verluste verzeichnete. Ein guter Jahresstart fiel folglich häufiger mit einem positiven Gesamtjahr zusammen. 

Die Wahrscheinlichkeit, dass der SPI von Februar bis Dezember im Plus schliesst – gegeben der Januar ist im Plus – liegt bei 86 Prozent (19 ÷ 22 = 0,864 bzw. 86 %). 

Dieser Wert scheint die Börsenweisheit zu bestätigen. Es gibt aber einen Haken – schauen wir genauer hin. 

Der Haken

Diese hohe Wahrscheinlichkeit ist allerdings kein Beweis für einen Januar-Effekt. Vielmehr spiegelt diese Zahl den langfristigen Aufwärtstrend des SPI. In 28 von 38 Jahren schloss der Index am Jahresende höher als zu Jahresbeginn. 

Dieser positive Zeittrend hat eine zentrale Konsequenz: Sobald ein beliebiger Monat im laufenden Jahr im Plus liegt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass auch der restliche Jahresverlauf positiv ausfällt - ganz unabhängig davon, welcher Monat betrachtet wird. 

Betrachtet man die bedingte Wahrscheinlichkeit, dass der SPI für den Rest des Jahres positiv bleibt, wenn ein bestimmter Monat bereits im Plus liegt, ergibt sich ein interessantes Bild: 

Die Zahlen verdeutlichen: Liegt der SPI in einem Monat bereits im Plus, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass auch der Rest des Jahres positiv verläuft. 

Fazit 

Für Anleger in der Schweiz bedeutet das: Ein positiver Jahresbeginn kann Zuversicht wecken, langfristige Entscheidungen sollten jedoch weiterhin auf Diversifikation, Disziplin und Strategietreue basieren – nicht auf der Entwicklung eines einzelnen Monats.

Disclaimer: Alle Angaben ohne Gewähr. Bei den aufgezeigten Informationen handelt es sich um Werbung gemäss Art. 68 FIDLEG.