VZ Analyse
Professionelle Anleger wie der norwegische Staatsfonds haben mit einfachen Regeln an der Börse Erfolg. Privatanleger können sich das zunutze machen.
Publiziert 18. Dez. 2025
Beschreibung
Riesig, transparent und erstaunlich unspektakulär: Der norwegische Staatsfonds ist einer der erfolgreichsten Investoren der Welt – gerade weil er auf vieles verzichtet, was an den Märkten täglich für Schlagzeilen sorgt. Keine Wetten, kein Timing, keine modischen Trends. Stattdessen: klare Regeln, tiefe Kosten und ein langer Atem.
Langfristiges Denken statt kurzfristiger Impulse
Der Fonds entstand mit einem klaren Auftrag: Die Erträge aus dem norwegischen Öl- und Gasgeschäft sollten nicht kurzfristig konsumiert, sondern systematisch für kommende Generationen gesichert werden.
Die operative Umsetzung liegt bei der Norges Bank Investment Management, einer Einheit der norwegischen Zentralbank. An ihrer Spitze steht Nicolai Tangen – weniger als Starinvestor, sondern als konsequenter Verwalter eines klar definierten Mandats.
Heute zählt der Fonds zu den grössten Investoren an den globalen Kapitalmärkten. Ein begrenzter Teil der Erträge fliesst jährlich in den Staatshaushalt und finanziert soziale Sicherungssysteme. Auffällig ist dabei vor allem eines: Die Strategie ist öffentlich, nachvollziehbar und über Jahre erstaunlich konstant. Vertrauen entsteht hier nicht durch Prognosen, sondern durch Transparenz und Disziplin.
Eine bewusst unspektakuläre Anlagestrategie
Der Kern der Anlagepolitik ist einfach strukturiert. Der Fokus liegt klar auf Aktien, ergänzt durch Obligationen sowie kleinere Anteile an Immobilien und Infrastruktur. Investiert wird weltweit und breit gestreut – ohne kurzfristige Marktmeinungen, ohne regionale Wetten.
Selbst bei der geografischen Aufteilung zeigt sich diese Nüchternheit: Die USA spielen eine wichtige Rolle, sind aber weniger dominant als in vielen globalen Indizes. Europa und Asien sind stärker gewichtet.
Ziel ist nicht, einzelne Märkte zu übertreffen, sondern die globale Wertschöpfung möglichst effizient abzubilden – zu tiefen Kosten und mit klaren Leitplanken. Damit folgt der Fonds einer Logik, die auch für Privatanleger zentral ist: Langfristiger Anlageerfolg entsteht nicht durch Aktivität, sondern durch Struktur.
Einfache Regeln
Tiefe Kosten
Gebühren sind einer der wenigen Faktoren, die sich langfristig sicher beeinflussen lassen und gleichzeitig gelten sie als der grösste Feind der Rendite. Je höher sie ausfallen, desto grösser wird die Differenz zwischen Brutto- und Nettorendite. Langfristig steigt die Differenz aufgrund des Zinseszinseffektes sogar noch überproportional an.
Breite Diversifikation
Nicht einzelne Titel oder Trends stehen im Vordergrund, sondern der Gesamtmarkt. ETF und Indexfonds eignen sich sehr gut zur Diversifikation. Sie bilden einen Wertpapierindex, wie zum Beispiel den Weltaktienindex MSCI World, genau ab und ermöglichen es so mit nur einer einzigen Transaktion in einen breiten Markt zu investieren.
Strategietreue
Kein Market Timing, kein hektisches Umschichten bei Marktschwankungen. Wer stets versucht, kurzfristige Möglichkeiten mittels Market Timing zu nutzen, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit Geld verlieren. Denn es sind auch mit jedem Kauf und Verkauf von Wertschriften Kosten verbunden. Mit einer langfristigen Strategie lassen sich auch zwischenzeitliche Kurstaucher an der Börse aussitzen.
Einfache und verständliche Anlagen
Komplexität nur dort, wo sie einen klaren Nutzen bringt. Die Auswahl an Finanzprodukten wird zwar ständig grösser, aber nicht alle Anlagemöglichkeiten sind für eine langfristige Strategie geeignet.
Bei komplexen Anlagen wie Hedge Fonds oder strukturierten Produkten sollte man sehr vorsichtig sein. Solche Instrumente sind kaum durchschaubar. Auch professionelle Anleger investieren daher nur in jene Produkte, deren Mechanismus sie auch verstehen.
Was Privatanleger daraus ableiten können
Natürlich lässt sich ein Staatsfonds dieser Grössenordnung nicht eins zu eins nachbauen. Direkte Immobilien- oder Infrastrukturinvestitionen bleiben institutionellen Investoren vorbehalten. Sehr wohl aber lassen sich die Grundprinzipien mit einfachen Mitteln umsetzen. Ein breit diversifiziertes Aktienportfolio bildet das Fundament und übernimmt die Rolle des langfristigen Wachstumsmotors. Ergänzt wird es durch Obligationen, die Stabilität ins Portfolio bringen und helfen, Schwankungen auszuhalten.
Je nach persönlicher Situation kann auch eine Streuung über verschiedene Währungsräume sinnvoll sein. Der entscheidende Punkt ist weniger die Produktauswahl als die Umsetzung: klare Zielgewichte, regelmässiges Investieren und ein periodisches Rebalancing. Genau diese konsequente, regelbasierte Vorgehensweise ist es, die den norwegischen Staatsfonds erfolgreich gemacht hat – und die auch für Privatanleger funktioniert. Es zeigt sich auch im institutionellen Massstab: Disziplin schlägt Prognose.