VZ Analyse
Berkshire Hathaway glänzt mit Milliarden-Gewinnen – doch hinter den Zahlen steckt eine stille Warnung.
Publiziert 5. Nov. 2025
Beschreibung
Die aktuellen Quartalszahlen von Berkshire Hathaway sind ein eindrucksvolles Zeugnis der Investmentkunst von Warren Buffett. Im dritten Quartal erzielte das Unternehmen einen operativen Gewinn von 13,5 Milliarden Dollar sowie Investitionsgewinne in Höhe von 17,3 Milliarden Dollar, wobei Berkshire nun über einen monumentalen Cashbestand von 382 Milliarden Dollar verfügt. Die Versicherungssparte als Kerngeschäft bleibt schlank und profitabel.
Hinter den beeindruckenden Zahlen steckt allerdings eine klare Botschaft: Buffett, der zum Jahresende die operative Führung an Greg Abel übergibt, sieht derzeit kaum attraktive Investitionsmöglichkeiten. Sein Quartalsbericht ist eine implizite Warnung an die Märkte.
Keine Rückkäufe: Die Buyback-Disziplin bei Berkshire
Zum fünften Mal in Folge verzichtet Berkshire Hathaway auf Aktienrückkäufe – ein bewusster Schritt, der Buffetts Prinzipien treu bleibt. Aktien werden nur dann zurückgekauft, wenn sie deutlich unter ihrem inneren Wert notieren. Derzeit liegt Berkshires Kursniveau bei etwa dem 1,5-fachen des Buchwerts – aus Sicht des Managements ein fairer Preis. Trotz einer bescheidenen Jahresperformance von 5 Prozent in Dollar (verglichen mit 16 Prozent beim S&P 500) bleibt Buffett standhaft: Er investiert nicht zu überhöhten Preisen. Diese Disziplin bewahrte ihn in der Dotcom-Blase vor teuren Fehlern.
Seit Ende 2022 hat Berkshire netto über 140 Milliarden Dollar an börsennotierten Aktien verkauft – allein im dritten Quartal 2025 waren es 6 Milliarden. Es ist der zwölfte Quartalsverkauf in Folge und ein klares Signal: Buffett und sein Team finden in einem überhitzt scheinenden Markt kaum noch unterbewertete Unternehmen. Verkäufe von Positionen wie Bank of America sind Ausdruck einer rationalen Strategie in einem zunehmend hochbewerteten Markt.
Teilverkauf von Apple: Der Paradigmenwechsel bei Tech-Investments
Ein besonders markantes Beispiel für Buffetts veränderte Sicht auf den Markt ist der massive Abbau der Apple-Position. Von einem Höchstwert von 916 Millionen gehaltenen Apple-Aktien im Herbst 2023 hat Berkshire 70 Prozent seiner Anteile verkauft – die Beteiligung liegt nun bei etwa 75 Milliarden.
Die Bewertung von Apple beträgt etwa das 30-fache der erwarteten Gewinne – ein Niveau, das aus Sicht von Buffett das Wachstumspotenzial übersteigt. Steuerliche Überlegungen spielten ebenfalls eine Rolle: Angesichts möglicher Steuererhöhungen wurden Gewinne frühzeitig realisiert. Das Kapital floss in weniger gehypte Sektoren wie Energie und Finanzen – ein strategischer Schwenk weg von Big Tech.
Cash als strategische Reserve: Berkshire wartet auf die nächste Krise
Der rekordhohe Cashbestand von 382 Milliarden Dollar ist kein Zeichen von Untätigkeit, sondern strategisches «Trockenpulver». Die enormen Barmittel speisen sich aus starken operativen Erträgen, dem Buyback-Stopp und den Aktienverkäufen. Buffett sieht diese Liquidität als Chance: Sollte der Markt einbrechen, wird Berkshire bereit sein, günstig Vermögenswerte zu erwerben – wie schon in der Finanzkrise 2008.
Der letzte Quartalsbericht unter Warren Buffetts Führung ist ein Lehrstück in disziplinierter Unternehmensführung. Berkshire Hathaway zeigt sich finanziell stärker denn je – und bleibt dem Prinzip treu, nicht dem Markttrend zu folgen. Die Rekord-Cashposition, der Verkauf überbewertet scheinender Aktien und der Buyback-Stopp sind Ausdruck einer aktiven, vorsichtigen Strategie. Buffetts Vermächtnis ist damit kein einzelner Deal, keine Aktie, sondern ein selbsttragendes, geduldiges und extrem kapitalstarkes System – ein Berkshire Hathaway, das ihn nicht mehr braucht.
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