Boom bei Bergbauaktien: Das sollten Anleger wissen

VZ Analyse

Bergbauaktien wie Glencore und Anglo American gehören zu den Gewinnern des vergangenen Jahres. Doch was treibt die Kurse – und kann der Boom anhalten?

Publiziert 15. Jan. 2026

Autor

Jonas Wieckert

Funktion Anlageexperte

Beschreibung

Die Produzenten von Zukunftsmetallen wie Kupfer, Lithium, Kobalt und Platingruppenmetallen Palladium, Rhodium und Platin profitieren von einer Rally an den Rohstoffmärkten. Die Preise dieser Metalle sind in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen, Treiber sind massive Investitionen in Megatrends wie Elektrifizierung, KI‑Datenzentren, Energiewende und Rüstungsprogramme. Entsprechend sind auch die Aktienkurse von Unternehmen aus dieser Branche jüngst deutlich gestiegen (vgl. Grafik). 

Gleichzeitig agieren die grossen Bergbaukonzerne ausgesprochen vorsichtig bei der Erweiterung ihrer Produktionskapazitäten – ein Verhalten, das angesichts der konjunkturellen Unsicherheit und der notorischen Boom‑and‑Bust‑Zyklen der Branche nachvollziehbar ist. Dass im Sektor sogar über einen möglichen Zusammenschluss von Rio Tinto und Glencore spekuliert wird, zeigt, wie stark die Branche in Bewegung geraten ist.


Elektrifizierung und KI als neue Nachfrageanker

Der wichtigste Treiber bleibt die globale Elektrifizierung. Kupfer ist das zentrale Metall für Stromnetze, Ladeinfrastruktur und die energieintensiven KI Rechenzentren, deren Ausbau weltweit an Tempo gewinnt. BHP und Rio Tinto profitieren unmittelbar: Ihre Kupfersparten verzeichnen steigende Margen, während das Angebot aufgrund jahrelanger Unterinvestitionen begrenzt bleibt.

Auch Lithium und Kobalt stehen im Zentrum der Transformation. Sie sind unverzichtbar für Batterien in Elektrofahrzeugen und stationären Speichersystemen. Glencore, einer der grössten Kobaltproduzenten, profitiert von der stabilen Nachfrage aus der E Mobilität. Vale wiederum baut seine Nickel  und Kupferaktivitäten aus, um stärker an der Batterie  und Energiespeicherindustrie teilzuhaben. Nickelvorkommen sind häufig reich an wertvollen Platingruppenmetallen.

Industrie- und Wasserstofftechnologien stützen Platingruppenmetalle

Palladium, Rhodium und Platin erleben eine Renaissance. Sie sind essenziell für industrielle Katalysatoren, chemische Prozesse und zunehmend auch für Wasserstofftechnologien. Da viele Anwendungen kaum substituierbar sind, bleibt die Nachfrage robust. Für die grossen Produzenten wie Anglo American oder Vale bedeutet das stabile Cashflows in einem Markt, der traditionell von Knappheit geprägt ist. 


Rohstoffzyklen: Ist der aktuelle Boom anders?

Rohstoffmärkte verlaufen typischerweise in langen Zyklen, die von Unterinvestition, Nachfrageüberraschungen, Angebotsengpässen, Preisrallyes und anschliessender Überinvestition geprägt sind. Der aktuelle Zyklus weist jedoch Besonderheiten auf, die ihn von früheren Booms unterscheiden.

  • Erstens wirken heute mehrere strukturelle Nachfragequellen gleichzeitig: Elektrifizierung, KI Rechenzentren, erneuerbare Energien und Wasserstoff. Anders als im China Boom der 2000er Jahre hängt der Markt nicht an einem einzigen Treiber.
  • Zweitens erschweren viele Länder neue Minenprojekte durch strengere Umweltauflagen, komplexe Genehmigungsverfahren und politische Risiken. Das verzögert die Angebotsreaktion und stabilisiert hohe Preise.
  • Drittens zeigen die grossen Produzenten eine ungewohnt strikte Kapitaldisziplin. Statt aggressiv zu expandieren, setzen Bergbauunternehmen auf Dividenden, Schuldenabbau und selektive Projekte. Diese Zurückhaltung verhindert ein rasches Überangebot – und wirkt damit als klassischer Zyklusbrecher.

Risiken bleiben dennoch bestehen: Eine konjunkturelle Abkühlung in China, technologische Substitutionen oder regulatorische Eingriffe könnten einzelne Metalle temporär belasten. Aus heutiger Sicht überwiegen jedoch die strukturellen Treiber klar.

Fazit

Der Chart zur Preisentwicklung zeigt einen deutlichen Anstieg bei den Industriemetallpreisen und den Aktienkursen der Bergbauunternehmen. Grosse Produzenten wie BHP, Rio Tinto, Glencore und Vale sind breit diversifiziert und strategisch gut positioniert. 

Kleinere, spezialisierte Unternehmen tragen zwar ein höheres Risiko, profitieren dafür aber überproportional von Preissprüngen einzelner Metalle. Sollte die globale Konjunktur stabil bleiben, stehen die Chancen gut, dass der Boom anhält, die fundamentalen Treiber sind intakt.

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