Börsen-Star Gurit – gelingt die Trendwende?

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Der Aktienkurs von Gurit hat sich seit Jahresbeginn mehr als verdoppelt – trotz hohen Verlusten im vergangenen Jahr. Ist der Kursanstieg gerechtfertigt, und kann die Rally anhalten?

Publiziert 4. März 2026

Autor

Jonas Wieckert

Funktion Anlageexperte

Beschreibung

Gurit ist bislang der herausragende Gewinner an der Schweizer Börse im  laufenden Jahr. Der starke Kursanstieg des Traditionsunternehmen ist bemerkenswert, denn das Unternehmen hatte in den fünf Jahren zuvor knapp 90 Prozent seines Markwertes eingebüsst. 

Das auf Hochleistungskunststoffe spezialisierte, ehemalige Textilunternehmen kämpft mit starker Konkurrenz insbesondere aus China. Auch die gestern veröffentlichten Jahreszahlen waren tiefrot. Warum also scheint die Trendwende trotzdem zu gelingen?

Fokus auf Wachstumssegmente Windenergie und Rüstung

Gurits moderne Hochleistungskunststoffe kommen in verschiedenen Schlüsselindustrien zum Einsatz, zum Beispiel im Transportsektor (u. a. Boote und Yachten), im Bereich Windenergie sowie in der Rüstungsindustrie (Kampfflugzeuge, U-Boote). Besonders die Nachfrage aus dem Windsektor wächst derzeit kräftig, ein wesentlicher Treiber ist dabei der enorme Anstieg der Stromnachfrage durch KI-Rechenzentren. Bereits im Januar konnte Gurit einen bedeutenden Grossauftrag aus dieser Branche sichern.

Neben dem Windsektor profitiert Gurit auch in anderen Bereichen von strukturellem Wachstum. Die weltweiten Rüstungsausgaben steigen, und moderne militärische Systeme benötigen zunehmend spezialisierte Kunststoffe. Aus den USA erhielt Gurit einen grösseren Auftrag für Verbundmaterialien für neue U-Boote, ein weiterer Treiber für den jüngsten starken Bestellungseingang.

Parallel dazu hat sich Gurit vom margenschwachen Pultrusionsgeschäft getrennt. Kurzfristig belastet dies zwar den Umsatz, langfristig sollen die Wachstumsaussichten jedoch verbessert werden.

Aus ESG-Sicht spricht ebenfalls einiges für das Unternehmen. Gurit hat seine ESG-Bewertung in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesteigert und verfügt über eine gute Unternehmensführung. Gleichzeitig profitiert das Unternehmen strukturell vom Trend der Energiewende. Zu beachten bleibt für Anleger jedoch, dass Gurit zwar selbst keine Waffen produziert, aber als Zulieferer der Rüstungsindustrie tätig ist. Gegenwärtig macht dies einen kleinen Teil des Umsatzes aus.

Jahreszahlen: Margenanstieg trotz roter Zahlen

Zu Beginn der Woche präsentierte Gurit ein Umsatzminus sowie einen deutlichen Fehlbetrag. Überraschend war dies jedoch nicht: Die Resultate waren vom Markt weitgehend eingepreist. Entsprechend reagierte die Aktie trotz der vorangegangenen Rally kaum und schloss unverändert, während der SPI über ein Prozent verlor. Der Reingewinn 2025 lag bei –60,4 Millionen Franken, nach +27,8 Millionen Franken im Vorjahr.

Der hohe Verlust relativiert sich jedoch bei näherer Betrachtung. Hauptverantwortlich war ein nicht zahlungswirksamer Sondereffekt aus der Aufgabe des Pultrusionsgeschäfts in Höhe von 62,4 Millionen Franken. Hinzu kamen Restrukturierungskosten von 4,3 Millionen Franken. Belastend wirkten zudem US-Zölle sowie der schwache Dollar.

Operativ zeigt der Trend jedoch nach oben: Die bereinigte Betriebsmarge stieg von 6,9 auf 8,1 Prozent. Besonders wichtig für Anleger ist der Ausblick: Gurit bestätigte sein mittelfristiges Margenziel von 10 Prozent und rechnet in den kommenden Jahren mit einem mittleren einstelligen Umsatzwachstum.

Fazit

Vieles spricht dafür, dass die Trendwende gelingen könnte. Nach mehreren Jahren massiver Kursverluste zeigt der Pfeil endlich wieder nach oben. Ob die Rally jedoch weitergehen kann, ist weniger eindeutig. Einerseits bleibt aufgrund der verbesserten Positionierung und des massiven Kursverfalls der letzten Jahre weiteres Aufwärtspotenzial bestehen.

Andererseits muss Gurit seine starke Marktposition erst in nachhaltige Profitabilität umwandeln – und die Konkurrenz im globalen Kunststoffmarkt ist intensiv. Hinzu kommt die geringe Liquidität der Aktie, die zu erheblichen Kursschwankungen führen kann. Und zuletzt hat die Rally an Tempo verloren, denn der Kurs bewegt sich seit Tagen seitwärts.

Die Ausgangslage bleibt daher spannend: Die Fundamentaldaten hellen sich auf, doch der Weg zu einer dauerhaft profitablen Zukunft bleibt anspruchsvoll.

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