Bier-Aktien: Abstinenz wird zur Herausforderung

VZ Analyse

Bier-Hersteller hatten über Jahrzehnte einen stabilen Absatzmarkt. Doch der Wandel zu alkoholfreien Getränken fordert das Geschäftsmodell heraus.

Publiziert 21. Jan. 2026

Autor

Robert Leitner

Funktion Anlageexperte

Beschreibung

Der weltweite Bierkonsum tritt seit Jahren auf der Stelle. Gemäss dem Statistik-Dienstleister Statista verharrt die globale Bierproduktion seit rund fünf Jahren bei 1,9 Milliarden Hektolitern pro Jahr. Während Schwellenländer dank steigender Kaufkraft noch Wachstum verzeichnen, sinkt der Absatz in westlichen Ländern kontinuierlich.

Die grossen Brauereien spüren den Druck: Innovationen wie Premiumisierung, Regionalität oder Ready-to-Drink-Mischgetränke konnten den Abwärtstrend bislang nicht nachhaltig drehen. Das Umsatzwachstum findet nur noch über Preiserhöhungen statt – und diese dürften nicht beliebig ausreizbar sein.

Alkoholfreies Bier kann den Trend nicht stoppen 

Ein Hoffnungsschimmer liefert das Segment der alkoholfreien Biere. Gemäss Schätzungen für 2025 ist es mittlerweile die zweitgrösste Bierkategorie – erstmals vor dem Ale‑Segment. Mit einem globalen Marktanteil von rund 2 Prozent liegt es jedoch noch deutlich hinter Lagerbieren (Marktanteil 92%). Während das Gesamtvolumen der Bierproduktion 2024 um 1 Prozent rückläufig war, stieg die Produktion des alkoholfreien Segments um 9 Prozent an. Das reicht aufgrund des tiefen Marktanteils zwar nicht, um den Rückgang bei klassischen Bieren zu kompensieren, ist aber ein Anfang.

Auch die globalen Marktführer – Anheuser‑Busch InBev, Heineken, China Resources Snow Breweries und Carlsberg – setzen verstärkt auf alkoholfreie Varianten. Gemeinsam produzieren sie mehr als die Hälfte des weltweiten Biers. Dennoch bleiben Investoren zurückhaltend. Der Markt wartet auf neue Impulse. Gleichzeitig gewinnen lokale Brauereien und neue Marken wie Athletic Brewing in den USA an Popularität und verschärfen den Wettbewerb. Vergangene Woche verkündete Heineken einen CEO-Wechsel. Wer auch immer in seine Fussstapfen tritt, wird eine schwierige Aufgabe vor sich haben. Der Trend zu einem alkoholfreieren Lebensstil dürfte vorerst anhalten.

Schweizer Markt fest in der Hand von Heineken und Carlsberg

Auch in der Schweiz stagniert der Bierabsatz, allerdings schon seit 2010. Heineken und Carlsberg dominieren den Schweizer Markt mit bekannten Markennamen wie Feldschlösschen, Calanda, Eichhof oder Valaisanne. Zwar gibt es hierzulande 1149 – überwiegend kleine – Brauereien, diese sind aber mehrheitlich in Privatbesitz oder eben nur indirekt investierbar.
 

BrauereiEigentümerschaft
FeldschlösschenCarlsberg
CalandaHeineken
EichhofHeineken
Chopfab Boxer (u.a. Doppelleu)Privat
Appenzeller Bier (Locher)Privat
HaldengutHeineken
Brauerei SchützengartenPrivat
ValaisanneCarlsberg

Reicht das alkoholfreie Segment für eine Trendwende?

Inwiefern der Boom alkoholfreier Biere mittelfristig den rückläufigen Konsum klassischer Sorten kompensieren kann, bleibt offen. Klar ist: Das Segment wächst dynamisch, doch sein Anteil am Gesamtmarkt ist noch zu klein, um die stagnierenden Umsätze der Branche kurzfristig zu beleben. Für Anlegerinnen und Anleger bleibt der Sektor vorerst eine Wette auf ein klassisches Bier-Revival.

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