VZ Analyse
Sinkende Schneesicherheit bedroht das Geschäftsmodell der Bergbahnen. Dennoch liegen ihre Aktien auf Rekordniveaus. Das hat seine Gründe.
Publiziert 29. Jan. 2026
Beschreibung
Die Schneesicherheit in den Alpen hat aufgrund des Klimawandels deutlich abgenommen. Viele Skigebiete konnten seit Weihnachten nur Teile ihrer Anlagen öffnen. Trotzdem notieren die Aktienkurse auf Höchstständen. Der Renditevergleich zeigt einen starken Kursanstieg bei den Jungfraubahnen, der BVZ (Zermatt) sowie den Titlis-Bahnen in den vergangenen Monaten. Die Jungfraubahn liegt deutlich über dem Vor-Corona-Wert. Einzig der amerikanische Branchenprimus Vail Resorts, Betreiber der Anlagen in Andermatt und Crans-Montana, hat an Wert verloren.
Wichtiger Treiber der Rally bei den Schweizer Bergbahnen war der gute Auftakt zur Saison, erst im Verlauf des Dezembers manifestierte sich der Schneemangel. Die Jungfraubahnen und Titlis-Bahnen haben neue Besucherrekorde vermeldet. Gleichzeitig zahlen sich langfristige Strategien im Umgang mit Klimarisiken zunehmend aus.
Die Preisgestaltung wird innovativer
Viele Bergbahnen haben in den vergangenen Jahren dynamische Preismodelle eingeführt. Dadurch kaufen Kunden ihre Skitickets häufiger frühzeitig, und es können auch Tickets für Tage mit schlechtem Wetter abgesetzt werden. Kurzentschlossene zahlen bei guten Bedingungen entsprechend höhere Preise. Insgesamt können die Bergbahnen die Zahlungsbereitschaft ihrer Kundschaft besser ausschöpfen und profitieren von höheren Einnahmen sowie besserer Planungssicherheit.
Eine weitere Innovation sind überregionale Saisonpässe wie der Magic Pass, der AlpsPass oder der Epic Pass. Sie ermöglichen es den Kunden, während einer Saison unbegrenzt in den teilnehmenden Skigebieten Ski zu fahren – im Fall des Epic Pass sogar auf beiden Seiten des Atlantiks. Zudem kooperieren Bergbahnen zunehmend mit der SBB oder der Südostbahn, um attraktive Kombiangebote aus Zugticket und Skipass anzubieten.
Bergbahnen investieren Millionen
Um den Betrieb sicherzustellen und auszubauen, investieren Bergbahnen jedes Jahr Millionenbeträge. Aufgrund des Schneemangels fliessen grosse Summen in die Anschaffung und den Unterhalt von Schneekanonen. Diese sind jedoch nicht nur teuer, sondern belasten durch ihren hohen Energie- und Wasserverbrauch auch die Umwelt.
Grosse Neuinvestitionen bleiben dennoch unverzichtbar, um bestehende Gäste zu halten und neue Zielgruppen zu erreichen. Die Jungfraubahn hat beispielsweise rund 470 Millionen Franken in das V-Bahn-Projekt mit dem Eiger-Express als Herzstück investiert. Als nächstes steht die Erneuerung der Firstbahn an. Die Titlis-Bahnen investieren über 100 Millionen Franken in das Projekt 3020.
Bergbahnen diversifizieren ihre Einnahmequellen
Viele dieser Projekte richten sich gezielt auch an Sommertouristen. Das Sommergeschäft gewinnt zunehmend an Bedeutung, um die Einnahmebasis zu verbreitern. Die Bergbahnen profitieren vom wachsenden Interesse an Outdoor-Aktivitäten wie Wandern oder Mountainbiken. Dafür müssen jedoch entsprechende Anlagen gebaut und unterhalten werden – und die Destinationen müssen gut erreichbar sein.
Ausländische Gruppenreisende stellen eine weitere wichtige Einnahmequelle dar. Durch den Bau des Eiger-Express ist das Jungfraujoch so einfach erreichbar wie nie zuvor, was zusätzliche Gruppenreisende anzieht und zum Erfolg der Jungfraubahnen beiträgt. Auch die BVZ profitiert mit der Gornergratbahn stark von internationalen Besuchergruppen.
Events wie Konzerte oder Skirennen helfen ebenfalls, Besucher unabhängig von der Wetterlage anzuziehen. Zudem kann eine geografische Diversifikation – wie sie Vail Resorts betreibt – die Abhängigkeit von lokalen Wetterbedingungen reduzieren.
Kann die Rally anhalten?
Die Rally der Schweizer Bergbahnen in den vergangenen Monaten ist beeindruckend. Die Tabelle zeigt jedoch, dass das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) der Unternehmen zwischen 10 und 23 liegt. Das signalisiert, dass der Markt weiteres Wachstum erwartet – die Bewertungen sind aber noch nicht übertrieben hoch.
Ein weiterer Anstieg der Aktienkurse ist daher möglich. Allerdings hängt dieser stark von der weiteren Entwicklung der Wintersaison ab. Der aktuelle Schneemangel trifft vor allem kleinere, tiefer gelegene Skigebiete und könnte den börsenkotierten Bergbahnen sogar in die Karten spielen. Langfristig könnten jedoch steigende Schulden infolge hoher Investitionen sowie zunehmende Klimarisiken die Kurse belasten. Dass die Rally gleich steil bergauf geht wie in den vergangenen Monaten, erscheint unter diesen Gesichtspunkten eher unwahrscheinlich.
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